Atena - Live From Parkteatret

Atena - Live From Parkteatret
    Metalcore, Synthcore

    Label: Indierecordings
    VÖ: 16.05.2024
    Bewertung:6/10

    Atena bei Bandcamp


Die vier Herren von ATENA haben am 30. September vergangenen Jahres ihr mittlerweile drittes Album herausgebracht und am selben Abend in ihrer Heimatstadt Oslo ein Release-Konzert zum Besten gegeben, das von der Band selbst für so gut befunden wurde, dass man den Live-Mitschnitt nun als eigenes Live-Album herausbringt.

ATENA sind im skandinavischen Metalcore kein Niemand: Die Herrschaften haben sich in Nordeuropa eine solide Fanbase erspielt und sind derzeit fleißig mit den finnischen Gamecore-Koryphäen ONE MORNING LEFT unterwegs. Mit der neuen Live-Scheibe „Live from Parkteatret“ bietet die Band eine saftige Auswahl an Performances ihrer Songs aus allen Phasen der vergangenen Dekade. Das ist erstmal beeindruckend, zumal Live-Alben im modernen Metalcore eine Rarität sind. Und das könnte einen Grund haben. Die Band liefert ab, es ist brachial, kreischend, episch, modern und irre tight. Insgesamt also vielversprechend für ein Live-Album – wäre da nicht der Gesang ...

Starkes Set, aber was ist mit den Vocals?

In 71 Minuten haben die Jungs also 18 Songs performt und sich dabei auch ganz schön ins Zeug gelegt. Die Show beginnt episch mit langem und atmosphärischem Intro, auf das tiefe und klare Gesänge und cleane Gitarren folgen. Der Opener „Leave“ braucht eine Weile, zündet aber dann einen fulminanten Breakdown, der ein recht akkurates Bild abgibt für die folgende Show: moderner Metalcore mit tighter Performance und übermächtigen Drums, üppigen Samples und herrlich viel Geschrei.

Das folgende „Ultra Ultimate Opus Power“ wird seinem Namen gerecht, ist aber dem eingefleischten Metal-Traditionalisten sicherlich kein innerliches Blumenpflücken, denn die Nummer lebt stark von pumpenden Hardstyle-EDM-Beats. Nachdem das Publikum ohne jeden Zweifel endgültig wach und in Partylaune ist, folgen vier Songs, die gut die Fahrt aufgreifen und sich stilistisch wenig voneinander abheben: schneller Uptempo-Metal nebst Haftime-Riffs mit Breakdowns und stellenweise sogar wirklich bemerkenswerten Gesangseinlagen, die stark an Matt Bellamy von MUSE erinnern.

Leider sackt die Performance spätestens ab „Somebody“ und „Peeled Skin“ ab, denn waren gesangliche Passagen bis hier weitgehend akzeptabel bis solide, sind die Vocals nun teils wirklich schwer zu ertragen. Das setzt sich glücklicherweise nur bedingt fort, denn schon die folgende Nummer „Domestic Abuse“ ist wieder voll auf die Fresse, und der folgende Hit „Oil Rigs“ besticht durch lustige Jodler am Anfang, gefolgt von epischen Orchestereinlagen und diesmal wirklich starken Vocals im Chorus.

Mit „Poison Pure“ offenbaren sich wieder die genannten Problemchen, es lässt leider nicht ab. Und weil jede Show ihre ruhigen Momente braucht, fährt die Band anschließend die Energie stark runter: „Oh My“ ist eine anständige moderne Metal-Ballade mit geschickter Kombination aus Late-Night-Piano, soliden Falsettgesängen und Halftime-Vollabriss.

Dass die Jungs übrigens auch Hip-Hop können, zeigen sie im folgenden „Let them hang in the walls“. Drei weitere Songs gehen zurück in die gewohnte Stilistik und runden das Konzert ab, bevor die Band ihren Hit „Death is all I think about“ und den Opener des neuen Albums „Slip Away“ als Zugabe vom Parkett ins Publikum feuert. Wieder: die Energie ist zwar im Saal, wohl aber nicht in den Stimmbändern.

Fazit – Die Sache mit den Live-Alben …

Tja, mit Live-Alben ist das so eine Sache – man hört halt jeden Patzer. Es mag löblich sein, in einer vollständig ausproduzierten Überarbeitung der Live-Tracks auf Autotune und Track-Replacements zu verzichten – der Preis ist wohl, dass die Band hier ihre Schwachstelle sehr deutlich entblößt, und man fragt sich: warum machen die das überhaupt?

Vielleicht, weil sie dennoch brillante musikalische Performance an den Instrumenten beweisen, denn das Zusammenspiel der vier Herren ist einwandfrei. Nicht jede Band traut sich dieser Tage an das Projekt eines Live-Albums heran, nicht zuletzt, da die auch hier kritisierten Patzer so hörbar sind und die Songs damit nicht dem generischen Hochglanz-Standard entsprechen, der mittlerweile leider auch im Metal überhandnimmt.

Und mal ehrlich: Konzerte sind laut, Patzer sind live schwer hörbar – die Fans haben die Show jedenfalls geliebt, und das ist grundsätzlich das Wichtigste, zumal diese Stimmung auch auf der Aufnahme rüberkommt. Und wer schonmal mit dem Handy ein Konzert mitgeschnitten hat, weiß sehr wohl, dass studioreife Gesangsperformances bei 40 Grad im Scheinwerferlicht und gleichzeitigem Animations-Workout rar und keineswegs Standard sind, zumal es nicht zu erwarten ist, dass Bands vom Format ATENA ihren Lebensunterhalt zur Gänze mit der Musik bestreiten.

Will heißen: Die Band hat Stolz und Mut bewiesen, und das zu Recht. Man könnte es auch als ehrlichen Ausdruck der Authentizität der Band verstehen, und als Appell an die Szene, aus der Deckung zu gehen und sich der Herausforderung eines Live-Albums zu stellen. Das könnte grade dem Image des Metalcore guttun, der sich ja immer wieder dem Vorwurf der Autotune-Affinität, schlechter Live-Qualität und Kritikunfähigkeit ausgesetzt sieht.

Vielleicht ist „Live in Parkteatret“ gerade deshalb der Veröffentlichung würdig und das Quartett aus Norwegen mit gutem Grund an vorderster Front des skandinavischen Nachwuchs-Metalcore unterwegs. Weitermachen, bitte.

Songempfehlungen

Ultra Ultmate Opus Power
Oil Rigs

Tracklist:

Leave
Ultra Ultmate Opus Power
Hard Day
Oljebarn i Helligvann
Bargain
No Hope for Miscarriage
Somebody
Peeling Skin
DomesFc Abuse
Oil Rigs
Poison Pure
Oh My
Let Them Hang in the Halls
Subway Anthem
Det Var Ikke Sånn Det Skulle Ende
Flash! - Thunder
Death is All I Think About
Slip Away

ATENA sind:

Vebjørn Iversen – Guitar
Fredrik Kåsin - Drums
Ulrik Linstad - Bass
Jakob Skogli - Vocals

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