Arch/Matheos - Winter Ethereal Tipp

Arch/Matheos - Winter Ethereal

Als FATES WARINNG-Gitarrist Jim Matheos und das bis 1987 bei den Progressive Metallern aktive Goldkehlchen John Arch unter dem Banner ARCH/MATHEOS 2011 das Album "Sympathetic Resonance" veröffentlichten, machte sich die Szene vor ehrfürchtiger Erwartung in die Hose. Acht Jahre später hat sich das Duo erneut zusammengetan.

Seit 2017 feilten Arch und Matheos an neuen Songs. Keiner davon ist Ausschussware oder ein Überbleibsel aus FATES WARNING-Sessions, sondern gezielt für diese Kollaboration entstanden. Die lockere Herangehensweise ohne Druck hört man dem zweiten ARCH/MATHEOS-Album an: Es klingt deutlich geradliniger und weniger verkopft als das Debüt, das bei mir nie richtig zünden wollte.

"Winter Ethereal" ist zugänglicher und melodischer als das Debüt

Das verhält sich mit "Winter Ethereal" ganz anders: Trotz einer Gesamtspielzeit von 68 Minuten mit überlangen Songs bleiben nicht bloß Fragmente, sondern auch längere Passagen deutlich schneller hängen, als das auf "Sympathetic Resonance" der Fall war. Dabei verzichten die Musiker beileibe nicht auf komplexe Strukturen oder ausladende Instrumentalpassagen.

Gleich das eröffnende "Vermillion Moons" begeistert mit einer wahnsinnig geilen Hookline, einer komplexen Struktur, Tempowechseln und Abwechslung pur, ohne ein totaler Mindfuck zu sein. Im Gegenteil: Der neunminütige Opener überrascht in brettharten wie sanften Passagen mit ungeheurer Eingängigkeit. Gleiches gilt für das abschließende, faszinierende "Kindred Spirits", während kürzere Nummern wie "Solitary Man" oder "Wanderlust" das progressive Geschehen auflockern. Mit der irgendwo zwischen RUSH und frühen DREAM THEATER angesiedelten Halbballade "Tethered" sorgt das Duo außerdem für eine wundervoll melodische Verschnaufpause.

Jim Matheos und John Arch: Zwei FATES WARNING-Originale in Bestform

Während Jim Matheos völlig befreit aufspielt und eine erstklassige Performance mit präzisen Riffs, gefühlvollen Soli und melodischen Leads abliefert, ist der 60-jährige John Arch der eigentliche Star des Albums. An seinen hohen, verspielten Vocals mögen sich nach wie vor die Geister scheiben, doch mit welcher Inbrunst der Sänger spielend einfach auch schwierigste Passagen intoniert, ist absolut beeindruckend.

Um Drums und Bass haben sich unter anderem FATES WARNING-Mitstreiter wie Joey Vera, Bobby Jarzombek und Mark Zonder sowie namhafte Gäste wie Steve Di Giorgio und Sean Malone gekümmert. Das hört man der Platte nicht an, was absolut positiv gemeint ist: Das satt produzierte Ergebnis klingt wie aus einem Guss und sehr homogen.

"Winter Ethereal" ist anspruchsvoll, abwechslungsreich und benötigt Aufmerksamkeit. Gleichzeitig finden sich zahlreiche eingängige Fragmente, erhabene Melodien, Licks, Hooks und Soli, die sich bereits nach wenigen Durchgängen in die Gehörgänge klammern. Arch und Matheos klingen herrlich locker und befreit, ihre Songs fließend, fast schon astral. Pfeift euch einfach "Vermillion Moons", "Pitch Black Prism" oder "Kindred Spirits" rein und ihr wisst, was ich meine.

Kleiner Tipp: Wer einen Plattenspieler besitzt, sollte sich noch zügig eine der limitierten, handnummerierten Vinyl-Versionen sichern, z. B. im Metal Blade-Shop bei eBay. Wunderbar anzusehende, marmorierte Scheiben (z. B. blau/rot oder weiß/schwarz) in gefütterten Innenhüllen, Gatefold-Cover, Poster und Download-Code – das Label weiß, wie man Sammler-Herzen höher schlagen lässt.

"Winter Ethereal" Trackliste

1. Vermilion Moons
2. Wanderlust
3. Solitary Man
4. Wrath of the Universe
5. Tethered
6. Straight and Narrow
7. Pitch Black Prism
8. Never in Your Hands
9. Kindred Spirits

ARCH/MATHEOS sind:

Jim Matheos - Guitars
John Arch - Vocals

Chrischi

Stile: Metal und (Hard) Rock in fast allen Facetten

Bands: Metallica, Pearl Jam, Dream Theater, Iron Maiden, Nightwish ...

Mehr Progressive Metal Reviews