Derek Sherinian - Blood Of The Snake


 



Stil (Spielzeit): Prog, Hard Rock, Prog Metal, Jazz-Fusion (52:56)

Label/Vertrieb (VÖ): InsideOut Music / SPV (28.07.2006)

Bewertung: 7,5/10

Link: Offizielle Website
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Derek Sherinian war nicht nur von 1994 bis 1999 Keyboarder bei den Prog Metallern DREAM THEATER, sondern hat seitdem seine Ideen betreffs progressiver Musik auch auf mehreren Soloalben verwirklicht. Natürlich hat er auch für "Blood Of The Snake" wieder eine illustre Schar namhafter Kollegen um sich geschart: John Petrucci (gt, DREAM THEATER), Zakk Wylde (gt & voc, OZZY OSBOURNE, BLACK LABEL SOCIETY), Yngwie J. Malmsteen (gt, YNGWIE MALMSTEEN), Slash (gt, Ex-GUNS 'N' ROSES), Billy Idol, Simon Phillips (dr, TOTO und diverse Studioarbeiten), Brian Tichy (dr, BILLY IDOL) - da klotzt Mr. Sherinian aber ganz gewaltig! Aber wie ich in einer vorherigen Rezension mal wieder feststellen musste, machen bekannte Gäste noch kein gutes Solo-Album. Also gaaaaanz vorsichtig die CD eingelegt, Erwartungen auf ein Minimum runtergeschraubt, noch einmal tief Luft geholt, "play" gedrückt und dann? Großes Staunen! Schon mit dem ersten Lied "Czar Of Steel" liefert der gute Derek ein ganz feines Stückchen Prog ab mit -ist ja klar- Keyboard satt, aber auch mit raffiniertem Schlagzeug wie es Progger lieben, rumpelndem Bass und ausschweifender Gitarre. Starker Auftakt! Wer sich von der Vertracktheit abschrecken lässt, verpasst so einiges. Da wäre zum Beispiel das von Zakk Wylde im Ozzy-Stil gesungene und auch ansonsten BLACK SABBATH-mäßige "Man With No Name". Straight und doch nie langweilig groovt das riffdominierte Stück, welches eins von zweien mit Gesang ist, im Midtempo-Bereich vor sich hin, nur um dann von einem instrumentalen Jazz-Fusion-Stück abgelöst zu werden! Da muss man schon ein verdammt breites Spektrum an Musik mögen, um darauf klarzukommen. Fans des Canterbury-Progs werden Sherinian für seine Jazzausflüge dankbar sein. Wer wie ich das Saxophon - und Keyboardgetröte nicht zu würdigen weiß, kann sich danach bei den dezent symphonisch untermalten, langgezogenen Gitarrenkängen von "Been Here Before" entspannen. Und danach geht's wieder ab, denn der Titeltrack "Blood Of The Snake" gibt Gummi. Zakk Wylde und Yngwie Malmsteen zeigen an den Gitarrensaiten was Sache ist und Sherinian klimpert exstatisch auf höchstem Niveau, zack!  - Tempo raus - Neuaufbau, treibende Drums, schön bis zum Ende ge(prog)rockt und schon fühlt man sich so richtig gut. Dann gibt es, nun jedoch in der relaxten Variante, einen zweiten Jazz/Rock-Zwitter, den ich mangels Interesse nicht bewerte, bevor bei "The Monsoon" in Prog Metal-Manier stürmisch ins Brett gegriffen wird – meine Fresse, was für einen Stilmix bietet diese Platte! Aber noch hat man diesen kreativen Sturm der Stile nicht "überstanden". Nach dem schönen "Prelude To Battle", welches auf folkloristische Weise Sherinians armenische Wurzeln offenbart, gibt es den nächsten Stil- Tempo-, und Härtewechsel. "Wie viele passen auf eine Platte?" fragt man sich da. Bei "Viking Massacre" (sic!) scheinen Malmsteen und Sherinian an ihren Instrumenten ein freundschaftliches Privatduell im Dienste der Kraft des Songs zu auszufechten – Mönsch, was brettert das! Aber nun – ihr ahnt es schon – gibt es die nächste Überraschung. Was könnte der abschließende Coversong eines solchen Albums sein? Ich hätte vielleicht mit "Take Five" aus der Jazz-Ecke gerechnet oder auch mit einem Thrash-Song, aber mit dem 1970er-Hit "In The Summertime" von MUNGO JERRY? Wieder hat mich das Album überrumpelt. Der Oldie wird nicht unnötig stark verändert, sondern den überragenden Fähigkeiten der Musiker entsprechend souverän und fast schon mit Understatement adaptiert, aber natürlich nicht nur nachgespielt. Ich sage nur: Slash, Bowie, Sonne und Spaß an der Freude. Fazit: Ein (sehr) gutes, progressives, stilvolles und abwechslungsreiches Album - weit mehr als ein Egotrip.

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