The Crimson Ghosts – Generation Gore (BYE Rewind) Tipp

The Crimson Ghosts – Generation Gore (BYE Rewind)
    Horrorpunk

    Label: Contra Light Records
    VÖ: 2010
    Bewertung:9/10

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Also jetzt muss ich ja echt mal mit Euch schimpfen... Mit Euch allen. Jedem einzelnen von Euch. Was zur Hölle habe ich denn verbrochen, dass Ihr mir kollektiv über so viele Jahre hinweg die Existenz dieser großartigen Band verschwiegen habt? Auf wie vielen Konzerten hätte ich laut grölend und wild argelnd komplett die Beherrschung verlieren können? Wie viele Partys hätte ich durch das Auflegen der Scheiben von THE CRIMSON GHOSTS komplett aus dem Ruder laufen lassen können? Mein Gott, wie viel hätte kaputtgehen können? Alleine aufgrund des oberohrwurmigen Mitgrölkrachers „Spit Black!“ muss diese vierköpfige Kapelle aus Köln doch sicherlich weltweit für Sachschäden in Millionenhöhe verantwortlich gemacht werden ...

Nun ja, dann werde ich dies alles wohl jetzt nachholen müssen. Ihr auch. Da müssen wir alle gemeinsam durch.
Beginnen wir mit dem ebenso stimmungs- wie verheißungsvollen Intro, welches uns knappe zwei Minuten lang mit Krähen und Keyboards auf den ersten Ausbruch des Bösen einstimmt. Passt. Nachdem uns dieser dann in Form des druckvollen Openers „Liber Sanguinis“ um die verzückten Ohren geballert wurde, dürfte klargestellt sein, dass sich THE CRIMSON GHOSTS im direkten Vergleich zu den unangefochtenen Genrekönigen, den großartigen MISFITS, durch etwas härtere Vorgehensweisen auszeichnen. Mal schimmert der fäusteschüttelnde Gangshout-Hardcore durch, mal die etwas rasantere Thrashmetal-Schiene. Hauptsächlich wird jedoch gehorrorpunkt, wie es im Necronomicon steht.

So wie zum Beispiel im bereits erwähnten „Spit Black!“, welches dem Opener wie ein zuckersüßer Schleimbatzen folgt, der dem geneigten Hörer sofort in der ersten Sekunde entgegengerotzt wird, um dann zwei Minuten lang im euphorisch grinsenden Gesicht verschmiert zu werden. Dieser Track mit seiner mehr als intensiven Hook bleibt definitiv im Ohr und dürfte alleine schon aufgrund seiner kurzen Dauer einen jeden Finger in Hörweite wie von Geisterhand zur nächstbesten Repeat-Taste schnellen lassen. Eigentlich braucht man jetzt keine weiteren Songs mehr. Nie wieder. Dieser reicht...

Doch diese Annahme wird schon zwei Tracks später mit dem genialen und ausnahmsweise auf Deutsch vorgetragenen „Dein Nachtmahr“ eindrucksvoll widerlegt. Schon wieder so ein nachhaltiger Titel zum Bangen, Grölen und Tanzen. Dieses Mal hat man mit Pazzer von den übermächtigen TOTENMOND als Gastsänger sogar noch ein ganz besonderes As aus dem Ärmel gezogen, welches zumindest mir persönlich das Blut im Mund zusammenlaufen lässt. Es geben sich auch noch der gute Argyle Goolsby von BLITZKID sowie Lon und Kain von THE FRIGHT auf diesem Album die Ehre, doch einzig und allein Pazzer vermag durch sein ebenso unverkennbares wie durchdringendes Organ dem Track „Dein Nachtmahr“ seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Ein sehr gelungenes Werk.

Genauso wie die beiden wunderschön verträumt-melodischen Horrorpunk-Granaten „Ghastly Ever After“ und „The Creature“, welche tatsächlich stark an die MISFITS erinnern und auch ausnahmslos jeden Fan der wegweisenden Stirnzöpfe begeistern dürften. Vielleicht noch immer ein wenig härter, was das Saitengeschrammel angeht, aber auf jeden Fall absolut tanzbar. Vor allem „The Creature“ dürfte mit seinem hypnotisch-treibenden Refrain eigentlich niemanden still sitzen lassen, der auch nur ansatzweise mit Bands wie THE OTHER, BLITZKID, THE SPOOK oder eben den MISFITS sympathisiert...

Zusammenfassend kann man sagen, dass THE CRIMSON GHOSTS mit „Generation Gore“ ein für das Genre ungewöhnlich abwechslungsreiches und durchgehend mitreißendes Album eingezimmert haben, welches mit so einigen waschechten Hits aufwartet und uns mit eingängigen Melodien, treibenden Rhythmen und der nötigen musikalischen Simplizität in seinen stimmungsvollen Bann zieht. Hierzu trägt nicht zuletzt das äußerst wandlungsfähige und vor allem in den klagenden Passagen wirklich intensive Organ von Frontmann Vlad bei.

Also ich bin hellauf begeistert von den dreizehn Tracks und werde mit Sicherheit in sehr absehbarer Zukunft die komplette Discographie dieser genialen Band mein Eigen nennen...

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BYE Rewind ist unsere Rückschau, eine lose Serie, in der wir für uns relevante Klassiker und Highlights (oder Lowlights) der Musikgeschichte hervorkramen, zurückspulen und in aktuellen Bezug setzen. → Hier geht's zur Übersicht

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