Zone Six - Ten Years Of Aural Psychedelic Journeys Tipp




Stil(Spielzeit): Psychedelic/ Spacerock (79:49)
Label/Vertrieb(VÖ):Sulatron Records/ Cargo Records und Clear Spot/ 11.02.08
Bewertung:9/10
Links: http://www.zonesix.de
http://www.sulatron.com

Nach dem ersten Jahrzehnt ihres Bestehens ist es ZONE SIX gelungen, einen Querschnitt durch ihr musikalisches Schaffen auf diesem fabelhaften Album zu präsentieren.

Es handelt sich zum Teil um Livemitschnitte mit absolutem Seltenheitswert, die nie zuvor auf einem Tonträger veröffentlicht wurden, und Studiosessions, die live eingespielt wurden. Die Klangqualität ist durch diese Verschiedenartigkeit der Aufnahmen geprägt, durch dasMastering aber durchweg sehr schmeichelnd für die Gehörgänge.

Tracks 1 und 2, "Something's Missing" und "Beautiful" wurden im Dezember 1997 aufgenommen, und die langen melodischen Passagen mit weichen und lebendigen Bassläufen werden durch die Stimme von Jodi Barry einen nachhaltigen Eindruck beim Hörer hinterlassen. Endlich mal eine weibliche Stimme, die sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern sich als weiteres Instrument einbringt, sie erinnert ein wenig an Grace Slick und ist doch in den Mitten und Bässen voller.

Diese Tracks sind durch die melodische Spacegitarre und die sparsam und gerade deshalb so wirkungsvollen Keyboards echte Meisterstücke der Improvisationskunst. Claus Bühler, an den Drums selbst zu hören, hat beim Abmischen dieser erst zweiten Aufnahme der damals frisch gegründeten Band einen tollen Job gemacht.

Track 3 "Come Inside" wurde live beim Psychedelic Festival in Landau Januar 1998 mit einem Walkman (!) aufgenommen, das teilweise Übersteuerte hielt ich zuerst für Overdrive.... Aus dem Metal bin ich ja kratzige Sounds gewöhnt, erstaunlicherweise hat die Aufnahme eine volle und angenehme Klangfarbe.Hier traut sich Jodi ein wenig mehr Einmischung in das musikalische Geschehen, so dass fast etwas fehlt, wenn sie aufhört zu singen. Dieser Track ist mein persönlicher Favorit auf dem Album.

Track 4 "Knuf On Tog" gibt es in einer längeren Version bereits auf einer der Live CD "Triprock Live 19999" (erschienen 1999) und fängt mit einem schamanisch anmutenden Rhythmus an, dieses Instrumentalstück kann einen schon mal in Trance versetzen und
in entfernte Galaxien abdriften lassen. Martin Schorn ist hier am Synthesizer zu hören, und sein Spiel wäre auch bei HAWKWIND
nicht fehl am Platz. 10 Minuten und 19 Sekunden Space Live Recording aus dem letzten Jahr im alten Jahrtausend.

"Hiddenworld", der 5.Track, erinnert mich spontan an PINK FLOYD "Live at Pompeji" und besteht zunächst nur aus sphärischem Experimentalklang, bevor Bass und Schlagzeug anfangen, einen leicht monotonen Groove zu spielen und Struktur hinzufügen.
Der Bass beschränkt sich meist auf einen oktavierten Groove, doch irgendwie fehlt mir hier was, dies ist wohl das Stück, was den Hörer auffordert, selbst noch Percussion, Bass oder Gitarre in die Hand zu nehmen und mitzudaddeln. Aufnahme aus dem Jahre 2003.

"Grateful Life", die Nummer 6 auf diesem Space Exkurs, erinnert nicht nur vom Namen her an genau die, an die man als erstes denkt. Eine fröhliche space-blueslastige Gitarre mit vollen Einsatz von Wah Volume Pedal ist quasi der rote Faden in diesem Stück, durch
die wechselnde Besetzung, in diesem Fall Ben Basgard an der Lap Steel Guitar und Julius K. an der mit besagtem Wahwah ergeben sich immerwieder unterschiedliche Stile, mit Drummer Walt Jahn und natürlich Dave Schmidt am Bass bleibt diese Besetzung dann
auch bei Track 7 und 8. Alle 3 Stücke sind übrigens 2006 live aufgenommen, beim Deadheadmeeting im Malzhaus Plauen oder beim Burg Herzberg Open Air.

"Rockhead To Eden" geht in die Krautrock Richtung, die Saiteninstrumente lassen wilde Assoziationen zu Geräuschen aus dem Tierreich zu, der Bass knurrt fast schon bedrohlich, während der Gesamtrhythmus eine fast schon gespenstische Eingängigkeit entwickelt.

Mit "Infernale Grande", dem 8.und letzten Track, driftet ZONE SIX jetzt ins total experimentelle ab, und wer Holger Czukays Musik genießen kann, dem wird der Zugang zu diesem echt schwer experimentellen Stück leichter fallen. Vorsicht, hier taucht das Phantom des Free Jazz auf! Gerade durch den Kontrast von monotonen Trance Parts und virtuosen Soli entsteht hier was ganz Eigenwilliges, aber für dies Stück muss man schon in der richtigen Stimmung sein.

Insgesamt fällt es schwer, dieses Album zu beschreiben, reinhören allein reicht nicht, ich denke, nur durch mehrmaliges Lauschen erschließen sich einem die hier entstandenen Klangwelten. Die ersten 3 Stücke greifen immer wieder auf die klassischen Parts des Songwriting zurück und sind denjenigen unter uns, die keine experimentelle Musik hören, bestimmt leichter zugänglich als der Rest des Albums.

Fest steht zumindest für mich, dass meiner Musiksammlung ohne "10 Years Of Aural Psychedelic Journeys" etwas fehlen würde...

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