Sonntag, 24 Mai 2026 12:31

Fatal Vision - Four Sides To Every Story

Fatal Vision - Four Sides To Every Story

Eins muss man FATAL VISION lassen: Den Sound der späten 70er, frühen 80er reproduzieren sie ganz hervorragend. Die epischen Keyboard- und Gitarrenleads, die catchy Melodien zu dramatischem Piano, der mehrstimmige Background-Gesang... Das klingt auf dem vierten Album der mir bisher unbekannten kanadischen Band doch ziemlich authentisch nach BOSTON, JOURNEY und Co. Dass das Coverartwork von "Four Sides To Every Story" sehr laut "80er Jahre!" schreit, rundet das Paket ab - zumindest auf den ersten Blick.

FATAL VISION drücken versiert die richtigen Knöpfe, um die Aufmerksamkeit von AOR-Fans zu erregen. Auf der Langstrecke ist "Four Sides To Every Story" aber leider arg anstrengend. Zum Einen: Das Album umfasst 14 Songs, hat eine Länge von einer Stunde und 16 Minuten und beweist damit: Alben können zu lang sein.

Zum Anderen: man muss schon ein ausgemachtes Schleckermäulchen sein, um die Ladung klebrigen Kitsches verdauen und genießen zu können, die hier ausgekübelt wird. Sich in diesem Genre über platte Emotionen zu beklagen, mag naiv klingen, aber dass man es hart übertreiben kann - auch das beweisen FATAL VISION hier. Man muss schon richtig, richtig Bock haben auf Balladen und inbrünstig geträllerte Duette zwischen Mann und Frau. Aber so richtig, richtig, richtig Bock. Vom Kaliber eines "Every Time I Think Of You" gibt es einige auf der Platte. Da rücken die rockigen Stücke, die deutlich mehr Spaß machen, leider in den Hintergrund.

Und dann noch der Sänger. Klar: Die oben genannten Referenzen hatten ebenfalls Kitsch galore an Bord, aber eben auch überragende Leute am Mikro. Der hier ist zwar nicht schlecht, aber alles andere als überragend - seine Stimme will einfach nicht so recht passen zu dieser Musik.

Bleibt ein zweischneidiges Fazit - an sich sind FATAL VISION gut in dem, was sie machen. "Four Sides To Every Story" krankt aber an so massiven Defiziten, dass keine ehrliche Empfehlung drin ist.

Helge

Death Metal, Thrash Metal, Black Metal: immer gerne. Kann ich den ganzen Tag hören. Die störrische Art, unpolitisch sein zu wollen, nervt mich aber an der Metalszene – dabei ist doch alles politisch, auch Schweigen. Für Musik mit Haltung zieht es mich immer wieder zum Punk, vor allem zu melodischem US-Punk und Riot-Grrrl-Sound. Gleichzeitig habe ich einen sweet spot für 80er-Hair-Metal und für vieles, was mich in den 90ern musikalisch sozialisiert hat.

Bands

Amorphis, Amyl And The Sniffers, Bad Religion, Brutus, Cinderella, Dool, Entombed, Gggolddd, Gorefest, Grave, Guns n' Roses, Hail Spirit Noir, Iron Maiden, King Buffalo, Megadeth, Mötley Crüe, My Dying Bride, Obituary, Prong, Sodom, Solbrud, Spectral Wound, The Great Old Ones, Valborg, War On Women, White Ward, ZZ Top, ...

Prägende Alben

AC/DC - Let There Be Rock
Aerosmith - live! Bootleg
Amorphis - Tales From The Thousand Lakes
Bad Religion - Suffer
Benediction - Transcend The Rubicon
Bruce Springsteen - Nebraska
Death - The Sound Of Perseverance
Don Dokken - Up From The Ashes
Eloy - Inside
Genesis - Trespass
Grave - You'll Never See
Guns n' Roses - Use Your Illusion I & II
Kyuss - Welcome To Sky Valley
Megadeth - Rust In Peace
My Dying Bride - The Angel And The Dark River
Ramones - Loco live
Sepultura - Arise
Sodom - Agent Orange
Tankard - Two-faced
Tool - Aenima
...

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