Samstag, 19 September 2026 16:01

Velveteen Queen - The Greater Good

Velveteen Queen - The Greater Good
    Hard Rock / Glam Rock

    Label: Silver Lining Music
    VÖ: 18.09.2026
    Bewertung:7/10

    Bandpage


„Krasse GUNS N´ ROSES Vibes!“, schrieb unser Co-Chefredakteur, nachdem VELVETEEN QUEEN ihre Single „The Greater Good“ im Mai veröffentlicht hatten. Und tatsächlich haben die schwedischen Youngster die Musik von Slash und Co., aber auch von Bands wie AEROSMITH oder HANOI ROCKS, offenbar mit der Muttermilch aufgesogen. Jetzt also das dazugehörige Album.

Für eine junge Band, die zuvor gerade mal eine Scheibe veröffentlicht hatte, haben VELVETEEN QUEEN schon irre viel erreicht. Die Göteborger durften für ALICE COOPER und JUDAS PRIEST eröffnen, in Deutschland überzeugten sie als Vorband von NESTOR. Ihre Videos wurden vom renommierten Filmemacher Patric Ullaeus umgesetzt, und die Produktion von „The Greater Good“ hat mit dem Dänen Søren Andersen (u.a. Glenn Hughes) eine weitere Szenegröße übernommen. Die Hoffnungen in das Album und die zukünftige Entwicklung der Band sind also groß.

VELVETEEN QUEEN
VELVETEEN QUEEN (Pic: Patric Ullaeus)

Es geht auch durchaus verheißungsvoll los, „Too Far Gone“ groovt ordentlich im Stil von SKID ROW, sehr schönes Teil. Danach der Titelsong – für mich das absolute Highlight der Scheibe. Was Gitarren und Melodie angeht, könnte „The Greater Good“ in der Tat eine alte Komposition von GUNS N´ ROSES sein, eine sehr starke dazu. Unterstützt wird der Song von LYNYRD SKYNYRD-Pianist Peter Keys. Sänger Samuel Nilsson macht aus seiner Bewunderung für Axl Rose keinen Hehl, verlässt sich aber zum Glück weitgehend auf sein eigenes Timbre.

VELVETEEN QUEEN - The Greater Good (Official Music Video)

„Talk Or Walk“ und „Adrenaline“ können danach das hohe Niveau nicht ganz halten – ich höre POISON und AEROSMITH raus, die Stücke sind mir jedoch zu austauschbar geraten. Danach ist dann tatsächlich Axl-Time: Die Strophe von „Can‘t Go Back In Time“ erinnert gesanglich stark an Gunners-Material im Stile von „It´s So Easy“. Das kann man als gelungene Hommage bewerten oder auch ein wenig peinlich finden. Der Refrain macht jedenfalls großen Spaß, insofern eine weitere hörenswerte Nummer.

Dann wird´s akustisch: „Chains“ ist eine dramatische Ballade, bei der Samuel Nilsson mit ausdrucksstarkem Gesang glänzen kann. Gefällt mir mit jedem Durchlauf besser. Auch „It Ain’t Over“ ist ein Grower, den man mehrfach hören sollte – treibende Strophe, gefühlvoller Refrain, klasse!

VELVETEEN QUEEN - Too Far Gone (Official Music Video)

VELVETEEN QUEEN gelingt es, die Einflüsse der erwähnten Bands gekonnt zu durchmischen und dem Ganzen ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Leider geht der Scheibe gegen Ende ein wenig die Puste aus. Die letzten vier Songs dümpeln mir zu sehr im Mittelmaß herum, und die zweite Ballade „Sorry“ wühlt ordentlich in der Kitsch-und Klischeekiste („Sorry, I went away / I´m sorry, I couldn´t stay“).

Dennoch: „Try (Try To Believe Me)“ beendet die Scheibe mit einem starken Solo des Gitarrenduos Lukas Axx und Noah Mårdh, und ich verspüre durchaus Lust, mir das Album gleich noch mal zu Gemüte zu führen.

VELVETEEN QUEEN - Adrenaline (Official Music Video)

VELVETEEN QUEEN haben kein zweites „Appetite for Destruction“ geschrieben – das hätte auch niemand von ihnen erwarten können. Freunde des Genres sollten „The Greater Good“ dennoch ihre Aufmerksamkeit schenken und sich daran erfreuen, dass es junge talentierte Musiker gibt, die diesen Sound am Leben erhalten und in der Lage sind, ihre Songs auch auf der Bühne glaubhaft und mit viel Energie umzusetzen.

It´s a long way to the top – VELVETEEN QUEEN sind auf jeden Fall in der richtigen Richtung unterwegs.

Anspieltipps: The Greater Good / Too Far Gone / Chains / Can‘t Go Back In Time / It Ain’t Over

Tracklist:
01 Too Far Gone
02 The Greater Good
03 Talk Or Walk
04 Adrenaline
05 Can‘t Go Back In Time
06 Chains
07 It Ain’t Over
08 Liar
09 Best Of The Best
10 Sorry
11 Try (Try To Believe Me)

VELVETEEN QUEEN:
Samuel Nilsson – Lead Vocals, Keys
Lukas Axx – Guitar
Noah Mårdh – Guitar
Vilmer Fall – Bass
Isac Borg – Drums

Marcus

Als Kind geprägt durch die umfangreiche Plattensammlung meines Vaters, in der von BAP bis Motörhead alles vertreten war, sowie eine dauerhafte Infektion mit dem Kiss-Virus (seit 1979 nicht mehr abgeklungen), entwickelte sich äußerst früh meine Begeisterung für Rock, Hardrock, Metal und Konzerte. Und abgesehen von Paul Stanley und Co. gilt in meinem Fall: Je kleiner, desto feiner! Diese unglaubliche Energie, die ein Clubgig entfachen kann, ist für mich mit nichts zu vergleichen. Insofern ist es gar nicht hoch genug zu bewerten, dass es auch nach Corona und trotz bedenklicher Preisentwicklungen kleine Veranstalter und Locations gibt, die mit Herzblut dafür kämpfen, auch unbekannteren Künstlern eine Bühne zu bieten – das ist keine Selbstverständlichkeit! Daher: Support your local clubs and bands!

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