Nach „Youngblood“, ihrem starken Output von 2013, hatte ich die Band erstmal wieder ein wenig vom Radar verloren, doch umso mehr Spaß macht es mir, nun diese gereifte Version von AUDREY HORNE zu entdecken. Man merkt zu jeder Sekunde, dass hier fünf befreundete Musiker am Werk sind, die sämtliche Facetten der letzten 50 Jahre Rock und Metal lieben und perfekt beherrschen, und die einfach Bock haben, gemeinsam geile Songs zu schreiben und diesen ihren persönlichen Stempel aufzudrücken.

Schon das Eröffnungsriff des Openers und Titelstücks „Achilles“ jagt mir in Verbindung mit dem eindringlichen Text einen wohligen Schauer über den Rücken – das gelingt heutzutage wahrhaft nicht vielen Songs! „In The Eye Of The Hurricane“ präsentiert danach Stadionrock vom Feinsten – EUROPE, die SCORPIONS und irgendwie auch ein bisschen MANOWAR lassen dezent grüßen, auch wenn der Sound ein ganz anderer ist.
Stets greifbar ist das Faible der Gitarristen Thomas und Arve für IRON MAIDEN und THIN LIZZY, zugleich verarbeiten AUDREY HORNE Riffs und Melodien, wie sie auch OZZY OSBOURNE („Pretty Little Lies“) in den 80ern gut zu Gesicht gestanden hätten. „God Damn Beautiful“, bei dem Basser Espen den Gesang übernimmt, ist die tanzbarste Nummer auf dem Album und könnte auch aus der Feder von THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA stammen.
Trotz all dieser Einflüsse tue mich ein wenig schwer damit, AUDREY HORNE als weitere Hard-Rock- oder Heavy-Metal-Band zu klassifizieren, denn das würde ein falsches Erwartungsbild erzeugen. Bei ihren Kompositionen schwingt stets etwas ganz Eigenes und auch eine Prise Indie mit, wie ich es in den 90ern an einer Band wie THERAPY? geliebt habe.
Enormen Anteil daran hat Sänger Toschie, der gänzlich anders klingt als alle populären Metal-Tenöre und an dessen Stimme ich mich auch immer wieder erstmal ein bisschen gewöhnen muss. Ein Song wie „Hell Is Eternity“ wäre eigentlich prädestiniert für Bruce Dickinson, und doch vermisse ich den Maiden-Fronter hier zu keiner Sekunde.
Bei aller Begeisterung muss ich betonen: „Achilles“ ist kein Album, das einen beim allerersten Hören komplett vom Hocker reißt – bewusst verzichten AUDREY HORNE auf zu anbiedernde Refrains, und den einen Überhit wie seinerzeit „Redemption Blues“ sehe ich hier nicht. Stattdessen gibt es zehn Kompositionen (plus dem Zwischenspiel „Prodrome“), die homogen ineinandergreifen, von Gitarrist Arve wuchtig und basisch produziert wurden und in denen es unzählige grandiose Momente zu entdecken gibt, sofern man der Scheibe mehrere Durchläufe und die entsprechende Aufmerksamkeit gönnt.
Im Oktober kommen AUDREY HORNE auf Club-Tour, und ihr Ruf als exzellente Live-Band eilt ihnen voraus. Mit „Achilles“ im Gepäck bahnt sich da Großes an!
„Achilles“ Tracklist:
01. Achilles
02. In The Eye Of The Hurricane
03. Vampires
04. God Damn Beautiful
05. Pretty Little Lies
06. Prodrome
07. Insanity
08. Hell Is Eternity
09. Six Feet In The Ground
10. Running Through The Night
11. New Star Falling
AUDREY HORNE live 2026:
08.10.26 DE - Köln / Gebäude 9
09.10.26 DE - Essen / Turock
10.10.26 DE - Münster / Sputnik Café
11.10.26 DE - Hamburg / Bahnhof Pauli
13.10.26 NL - Leiden / Nobel
14.10.26 NL - Eindhoven / Effenaar
15.10.26 BE - Kortrijk / CVC Club
16.10.26 FR - Paris / Nouveau Casino
17.10.26 FR - Grenoble / L’Austra Rocks
18.10.26 CH - Zürich / Plaza
20.10.26 DE - München / Backstage Halle
21.10.26 DE - Bamberg / Live Club
22.10.26 DE - Frankfurt / Das Bett
23.10.26 DE - Dresden / Puschkin Club
24.10.26 DE - Berlin / Hole 44
04.12.26 NO - Kopervik / Ovenpå
05.12.26 NO - Bergen / USF Verftet
AUDREY HORNE:
Toschie – Gesang
Arve „Ice Dale“ Isdal – Gitarre
Thomas Tofthagen – Gitarre
Espen Lien – Bass
Kjetil Greve – Schlagzeug


