Gov't Mule - Mighty High

Stil (Spielzeit): Dub Mix Reggae (66:55)
Label/Vertrieb (VÖ): Blue Rose Records / Soulfood Music  (19.10.07)
Bewertung: 8/10

Link: http://www.mule.net

GOV’T MULE sind ein musikalischen Phänomen. Denn immer, wenn man denkt, dass man Bandleader Warren Haynes und seine Jungens in irgendeine Schublade packen könnte, hauen sie wieder ein Album raus, dass komplett in eine andere Richtung geht. 
Im Rock, im Blues, im Jazz und Southern Rock haben die Amis sich schon ausgiebig ausgetobt, aber weil Langeweile für sie anscheinend Stillstand als Musiker bedeutet, wenden sie sich jetzt mit „Mighty High“ verstärkt dem Reggae zu, wobei die Songs teilweise im Urzustand belassen wurden, zum größten Teil aber im Dub-Stil abgemischt. 
Aus Livesongs wurden die Publikumsgeräusche herausgefiltert, wie zum Beispiel beim ROLLING STONES Coversong „Play With Fire“, oder dem OTIS REDING Cover „Hard To Handle“, Gesangsspuren von Sängern wie Toots Hibbert (TOOTS & THE MAYTALS) oder Michael Franti’s (SPEARHEADS) drübergemischt, Drumspuren komplett ausgetauscht, und schon hat man eine bemerkenswerte Reggae-Dub-Version dieser Songs. 

Das GOV’T MULE mal wieder weit über den Tellerrand schauen, verwundert den eingefleischten Fan mit Sicherheit nicht mehr, denn dafür ist die Band eigentlich schon fast berüchtigt. 
Ebenso ihr Hang zum Experimentellen, denn eigentlich kann ich mir kaum einen Musikstil vorstellen, an dem sich GOV’T MULE nicht versuchen würden, und wahrscheinlich auch beeindruckend könnten. 
Das Besondere daran ist, dass diese Scheiben immer authentisch klingen, und nie den Eindruck machen, als würde hier nur halbherzig etwas Neues ausprobiert. 
Dabei gehen sie so geschickt vor, dass einige Songs in unterschiedlichen Versionen öfter auf der Scheibe auftauchen, ohne dass es einem direkt bewusst wird. 
In diesem Fall waren die Liner Notes von Warren Haynes, der zu jedem Song ein kurzes Statement verfasst hat, wer neben GOV’T MULE zu hören ist, und wie die einzelnen Tracks in diesen Versionen entstanden, mehr als hilfreich. 
Das Warren Haynes „Mighty High“ trotz seiner 13 Songs und über einer Stunde Spielzeit trotzdem nur als EP einstuft, ist für mich ein Indiz dafür, dass es sich bei dem Album um eine einmalige Angelegenheit handelt, und die Band sich schon wieder nach neuen Betätigungsfeldern umsieht. 

Anspieltipps sind das Instrumental „Hard To Dubya“, welches einen extremen Dub-Mix von „Hard To Handle“ darstellt, und durch seine Bläserfraktion mächtig in der Reggaesuppe rührt, ebenso wie „Unthrow The Spear“, bei dem mir vor allem der Sprechgesang von Michael Franti gefällt. 
Um ganz ehrlich zu sein, ich war von dem Album sehr überrascht, weil ich eigentlich nicht so sehr auf Dub Mix stehe, egal bei welchem Musikstil. Mir ist es immer lieber, ich höre eine komplette Band, welche die Songs einspielt, und nicht Songs, die nachträglich mit Overdubs überarbeitet wurden. 

Trotz dieser Tatsache, die man auch jederzeit deutlich heraushört, was die Band auch beabsichtigte, kommt „Mighty High“ sehr „organisch“ rüber, und sollte aufgrund der immer wieder eingestreuten Warren Haynes-typischen Gitarrenriffs nicht nur Reggeafans ansprechen. 
Leicht zugänglich ist „Mighty High“ wirklich nicht, und wie bei vielen GOV’T MULE Alben musste ich mich auch in diese Scheibe erst reinhören. 
Dann aber zündet sie umso mehr, und ich war regelmäßig erstaunt, wie viel Details einem erst beim zigsten Durchlauf auffallen.