Forgotton Sunrise - Willand


Stil (Spielzeit): Viele Stile (71:41)
Label/Vertrieb (VÖ): My Kingdom Music/Aural Music (17.04.2007)
Bewertung: Estland Rocks (8,5/10)
Link: http://www.forgottensunrise.com/

Also, letztes Jahr haben LORDI den Eurovision Song Contest gewonnen. Seither ist Fans harter Musik dieser Wettbewerb geläufig. Wenige Jahre vorher fand er in Tallinn statt, das bekanntlich in Estland liegt. Genau aus diesem kühlen Land stammen FORGOTTEN SUNRISE. Das hat jetzt zwar nichts mit LORDI zu tun, und beim Eurovision Contest sind sie auch nie aufgetreten, aber mir fällt keine andere estnische Band ein, um einen Bezug herzustellen. Nach einigen Mini bzw. Single-CDs und dem `94er Longplayer "RU:MIPU:DUS" folgt jetzt mit "Willand" das zweite echte Langeisen. Das Line-Up bzw. die gespielten Instrumente machen klar: hier gibt es beatorientierte Electromusik mit Gitarreneinschlag.

Wer sich "Willand" anhören möchte, sollte vor allen Dingen offen sein für verschiedene Eindrücke, denn FORGOTTEN SUNRISE sind weit davon entfernt, sich nur einem Stil zu widmen. Eine Melange aus derart vielen verschiedenen Einflüssen habe ich selten gehört. Das Label nennt diesen Sound "Deathbeat" (electro-gothic-dark)". Doch damit sind nicht annährend alle Stile abgedeckt. 
Trip-Hop, Breakbeat, Techno, EBM, Synthpop, Industrial, Metal,... FORGOTTEN SUNRISE vermischen einfach alles, und was wie ein Experiment klingt, das eigentlich auf Grund Ermangelung einer festen Linie zum Scheitern verurteilt zu sein scheint, klappt erstaunlich gut. Man geht also experimentierfreudiger ans Werk als z.B. THE PRODIGY in ihren besten Tagen, wobei "Willand" wegen der nicht zu verachtenden Härte wohl nicht sehr radiotauglich ist. Obwohl mit "Manyone" ein astreiner EBM-Clubhit auf dem Album enthalten ist.

Doch ist es auch diese Vielseitigkeit, die den Zugang erschwert. Denn die einzelnen Parts sind zwar nachvollziehabr, aber die Struktur einzelner Stücke ist etwas  gewöhnungsbedürftig. Es braucht etwas Zeit um die zu verstehen, und nicht jeder Song entwickelt sich zu einem Knaller, aber die überwiegende Anzahl der 12 Stücke ist sehr gut gemacht. Alle Songs vereint ein düsterer Grundcharakter, der dem Sinnspruch der Band auf ihrer Homepage entspricht: "Negative Music For Positive Results", und über allem thront die sehr gute Stimme von Leader Anders Melts. 
Dem aufgeschlossenen Hörer bieten FORGOTTEN SUNRISE mit "WIlland" über siebzig Minuten ein Kunstwerk in vielen Klangfarben, das ein wenig krank anmutet, ziemlich trippy ist und so verstörend, dass man nach dem Genuß mit offenem Mund, bzw. durchgepusteten Ohren dasitzt, und sich fragt: "Was hat mich da überrollt?"