Eisheilig - Imperium

eisheilig

Stil (Spielzeit): Gothic / Elektro (36:37)
Label/Vertrieb (VÖ): Drakkar Records / Sony (18.09.09)
Bewertung: 6 / 10  

Link: http://www.myspace.com/eisheiligband

Alles wird schlecht... Und damit meine ich jetzt nicht die musikalische Entwicklung der Band, sondern damit beurteilt die Band die Entwicklung unserer Gesellschaft. Gut, diese Art von düsterer Weltanschauung vertreten recht viele Gruppierungen im gitarrenlastigen Sektor der aktuellen musikalischen Bandbreite. Da gibt es zum einen die unzufriedenen Grindcore-Kapellen, welche ihre nihilistische Anti-Haltung in pure vertonte Aggression verpacken. Zum anderen sind da die politisch motivierten Punk-Bands, welche ihre „Die Welt ist schlecht“-Attitüde stets mit einer „Tu was dagegen!“-Message paaren. Und es gibt die schmollende Gothic-Fraktion. Also diejenigen, welche unter der alltäglichen Belastung scheinbar mehr als alle anderen zu leiden haben und drohen, daran zugrunde zu gehen.

Zu diesen Schwärzersehern gehört die bochumer Combo EISHEILIG. Immer schön anprangern! Es gibt zwar auch vereinzelte Aufforderungen zu aktiver Weltverbesserung, doch hauptsächlich wird hier gejammert. Nicht zu selbstbemitleidend oder weinerlich, nicht zu hasserfüllt oder misanthropisch. Doch stets unzufrieden. Wenn ich auch selber nicht (mehr) der größte Freund dieser Art von Musik und Weltanschauung bin, so kenne ich doch etliche Referenzbands und solche, die es gerne wären. Und ich muss sagen: Hier wird schon durchaus auf verhältnismäßig hohem Niveau gejammert.

Zerfließen andere Gothic/Elektro-Bands wie DIARY OF DREAMS oder BLUTENGEL in für sämtliche Beteiligten unerträglichem Selbstmitleid, so sind die Texte von EISHEILIG im direkten Vergleich sehr viel rationaler und wirklich anspruchsvoll. Anders als bei den sämtliche Genre-Klischees bis auf’s letzte auslutschenden Kitsch-Brüdern ILLUMINATE sind bei unseren vier Eisheiligen intelligente Wortspiele und hintergründige Parolen zu finden. Teilweise recht offensichtlich und wortwörtlich, dann wieder in pathetische Metaphern verpackt, aber stets nachvollziehbar. Also zumindest die hier verwendete Ausdrucksform überzeugt mich persönlich auf ganzer Linie.

Was etwas weniger überzeugt, ist die gesangliche Darbietung dieser lyrischen Ergüsse. Meist wird einfach nur vorgelesen. Da hat der Papa Dennis seine kleinen Erben um sich versammelt und liest mit finster verstellter Stimme aus seinem teutonischen Schmöker. Also nicht falsch verstehen – er trägt seine Texte schon rhythmisch vor. Doch richtig melodische Gesangseinlagen wie auf dem tollen Debutalbum oder, als man sich noch auf dem Weg in unsere Welt befand, sucht man hier weitestgehend vergebens. Es wird dadurch jedoch immerhin die beabsichtigte Stimmung rübergebracht. Düster und pessimistisch.

Diese Stimmung wird von seinen drei Mitstreitern an Bass, Gitarre und Trommel sowie stets präsenter Keyboarduntermalung entsprechend unterstrichen. Langsam und schleppend begleiten überwiegend minimalistische Riffs die traurigsten Synths. Einige Tracks verzichten sogar vollkommen auf Instrumente und begleiten die Lyrik lediglich durch stimmungsvolle Beats und Samples wie das wirklich schön anzuhörende „Das letzte Gericht“, welches hauptsächlich von den sakralen Chören getragen wird. Andere Titel versuchen, durch relativ (!) schnelle, treibende Rhythmen eine Art Tanzflächen-Kompatibilität aufzubauen, doch das will nicht so recht gelingen. Für richtige Stampfer, welche die breite Menge zu bewegen vermögen, klingen die vier Bochumer einfach zu depressiv.

Außerdem mangelt es neben der tanzbaren Geschwindigkeit auch etwas an basslastigem Sound. Ich will nicht behaupten, „Imperium“ sei minderwertig produziert. Allein die Tatsache, dass dies von der Band selber übernommen wurde, lässt mich da ein Auge zudrücken. Doch ist dies von der allgemeinen Stimmung her eher ein Album, welches man sich abends alleine zuhause anhört und nicht zum Tanzen. Allerdings ist es für genau diesen Zweck bestens geeignet. Die depressive Meute wird jubilieren (bzw. anerkennend nicken).

Zum Schmunzeln finde ich übrigens die Aussage von „Tanzt das Kapital“ in Verbindung mit der Tatsache, dass EISHEILIG-Promos mit Wasserzeichen versehen und deren Songs auf Myspace verstümmelt wurden. Ich wette, die Scheibe hat einen guten Kopierschutz...