Geschrieben von Donnerstag, 25 Juni 2015 12:45

Hackneyed - Interview zum Album „Inhabitants Of Carcosa“ und zur Bandhistorie

Vor geraumer Zeit haben HACKNEYED mit „Inhabitants Of Carcosa“ ein starkes Album abgeliefert, das fast durchweg auf positive Resonanzen gestoßen ist. Über die neue Scheibe und die Historie der Band sprachen wir ausführlich mit Gitarrist Phil (P) und Bassist Fabian (F).

Wie sind die ersten Reaktionen auf euer neues Werk ausgefallen?

P: Die Reaktionen auf unser neues Album fielen bisher überwiegend positiv aus. Sowohl Kritiker als auch unsere Fans haben „Inhabitants Of Carcosa“ gut angenommen. Das freut uns natürlich und gibt uns ordentlich Rückenwind für die kommenden Konzerte und Touren! Dabei ist uns die Meinung der Fans ehrlich gesagt oftmals sogar wichtiger als die einzelner Kritiker. Handelt es sich um eine handfeste, konstruktive Kritik, nehmen wir diese dankend an und diskutieren diese auch intern. Ist die Kritik jedoch rein subjektiv und ohne argumentatives Fundament formuliert, geht sie uns sonst wo vorbei. Für pure Schlechtrederei verschwenden wir keinen Nerv, hehe ...

Von wem habt ihr die ersten Reaktionen bekommen (Familie, Presse, Freunde o.ä.) ?

F: Die ersten Reaktionen bekamen wir lange vor dem offiziellen Release, hauptsächlich von befreundeten Musikern, deren Meinung wir sehr schätzen. Deren Lob hat uns schon während der Vorproduktion das Gefühl gegeben, mit unserer musikalischen Entwicklung auf dem richtigen Weg zu sein. Das erleichtert und verschönt einem bereits die Arbeit am Album!

Wie zufrieden seid ihr mit eurem neuen Werk?

F: Wirklich außerordentlich zufrieden. Klar, jede Band muss ja in gewisser Weise mit der aktuellen Platte zumindest etwas zufrieden sein, sonst lief im Songwriting oder in der Produktion wohl gehörig was falsch. Aber „Inhabitants Of Carcosa“ sehen wir tatsächlich als Höhepunkt unseres bisherigen musikalischen Schaffens an.

Werfen wir einen Blick zurück auf eure Anfänge. Ihr habt relativ jung begonnen, Death Metal zu spielen. Wie seid ihr so früh auf diese Musikrichtung gestoßen?

P: Wir Fünf kommen alle aus der kleinen schwäbischen Gemeinde Abtsgmünd, in der bis einschließlich 2005 das Summer Breeze Open Air stattfand. Das hat uns natürlich geprägt. Die Fink-Brüder Fabian und Philipp haben früher als Belohnung für gute Noten Death Metal Merchandise bekommen und auch bei mir hat die Begeisterung für die harte Musik ganz klar schon sehr früh vor der Plattensammlung meines Vaters angefangen. Als kleiner Stöpsel bin ich da immer besonders gut an die LPs auf damaliger Augenhöhe gekommen und hab mir die unterschiedlichsten, für mich damals gruseligen bis lustigen Cover angeschaut und mir so meine ganz eigene Hitparade zusammenstellen können, haha. Sobald ich dann die Pommesgabel machen konnte, ging es aufs Summer Breeze! Außerdem gab es in der lokalen Szene damals auch hauptsächlich Death-Metal-Bands, zu denen wir eben viel Kontakt hatten.

Selbst euer Debüt kam damals sehr gut bei Presse und Fans an. Wie seid ihr mit dem „Erfolg“ umgegangen? 

P: Wir haben diese Entwicklung unserer Musikkarriere schon von Beginn an bodenständig gesehen und hatten dementsprechend auch keinen Höhenflug, von dem wir hätten abstürzen können. Unsere Familien und unsere Freunde sind und waren zudem immer der wichtigste Stützpfeiler.

Was war damals euer größter Wunsch, neben der Gründung einer eigenen Band?

F: Einmal auf den Brettern einer Bühne beim Summer Breeze Open Air oder gar Wacken zu stehen, das war schon von Beginn an ein Traum.

Welche Bands waren und sind für euch Vorbilder?

P: Zum einen gab es da unsere damaligen lokalen Vorbilder wie MENTAL AMPUTATION, DAWN OF DREAMS oder APOPHIS. Zum anderen gab es aber auch weltweit bekannte Größen wie früher MORBID ANGEL, BLOODBATH oder KATAKLYSM ... oder heute noch GOJIRA, CULT OF LUNA und viele mehr, zu denen wir aufschauen.

Mit welchen davon habt ihr schon die Bühne geteilt?

P: Durch die Festivals und einige Touren mittlerweile eigentlich mit allen, haha!

Was ist mittlerweile euer größter Wunsch?

P: Stand heute wünschen wir uns lediglich, dass wir noch lange so weitermachen können. Es gibt nichts Schöneres, als die Musik zu machen, die einem gefällt und damit auch noch Leute zu begeistern und auf Tour zu sein.

Was waren damals für euch die größten Hürden und Hindernisse?

P: Noch nicht selbst zu Shows fahren zu können, war natürlich ein Problem. Zum Glück erhielten wir auch hier Unterstützung aus der Familie. Mein Bruder Joe hat uns jahrelang sicher zu den jeweiligen Auftrittsorten und wieder nach Hause kutschiert, wofür wir ihm mehr als dankbar sind.

Was hat sich mit dem Erwachsenwerden bei euch geändert? 

P: Aus heutiger Sicht betrachten wir vieles differenzierter und bewerten bestimmte Themen und Situationen anders als früher. Man kann sagen, dass wir über die Jahre hinweg reifer geworden sind. Das hängt natürlich auch mit der Erfahrung zusammen, die wir mit der Zeit sammeln konnten. Unser Musikgeschmack hat sich auch weiterentwickelt, zumindest umfasst er verglichen mit früher ein viel größeres Spektrum, was uns auch beim Songwriting neue Möglichkeiten eröffnet hat. Persönliche Prioritäten hat jeder von uns anders gesetzt. Mittlerweile sind wir ja auch komplett über Baden-Württemberg verstreut. Wichtig ist nur, dass man kontinuierlich am Ball bleibt und alle an einem Strang ziehen, wenn es um die Band geht.

Wurdet ihr manchmal von alteingesessenen Death-Metal-Bands belächelt? So nach dem Motto: Was wollen diese Jungspunde uns alten Hasen eigentlich vormachen?

P: Diese Erfahrung haben wir glücklicherweise nur sehr selten gemacht. Die meisten älteren Bands sind freundlich auf uns zugekommen und haben uns in gewisser Weise auch unterstützt. Gegenwind gab es eher von irgendwelchen Metalfans, die sich selber zu ernst nehmen und uns keinen Erfolg gegönnt haben, aber auch nur anonym und in Foren. Solche voreingenommenen Ansichten haben uns nur bestärkt und uns dazu gebracht, zu sagen: „Jetzt erst recht!“

Im Hinblick auf beinahe acht Jahre Bandbestehen – würdet ihr irgendetwas anders oder gerne ungeschehen machen?

F: Nur eins: Wir würden unsere Brillen von Anfang an bei Fielmann kaufen, haha!

Kommen wir wieder zum Hier und Jetzt. Was bedeutet Carcosa?

P: Wir sind anfänglich durch die erste Staffel der HBO-Serie "True Detective" auf „An Inhabitant Of Carcosa“ gestoßen. Die Serie und auch das meiste an Fan-Art etc rund um den Carcosa-Mythos sind in Sachen Atmosphäre und Look kaum zu übertreffen, was uns natürlich auch dazu angestachelt hat, diese Richtung einzuschlagen. Das Album greift hierbei verschiedene Szenarien auf, wie zum Beispiel ein postapokalyptisches Bild in "Ashfall", wo nur noch verbrannte Erde übrigbleibt, oder in "Death Toll", wo der letzte Mensch das Ende der Erde einläutet. Das sind verschieden Einflüsse. Und „Carcosa“ als kritisches Sinnbild für unsere Welt von morgen, zerstört durch unsere Ignoranz und falschen Umgang miteinander und mit unserer Umwelt ... wir fanden das einfach passend.

Worum geht es in den Texten?

P: Gerade in „In Carcosa (The Yellow King)“ haben wir sehr viele Elemente aus der Serie "True Detective", „An Inhabitant Of Carcosa“ und „The Yellow King“ vereint. Die Kurzgeschichten von H.P. Lovecraft, der zu Lebzeiten übrigens ein großer Fan von Chambers und Bierce gewesen sein soll, war aber einer der Haupteinflüsse gleich mehrerer Songs. Neben „God's Own Creation“ natürlich am deutlichsten in „Re-Animator“ zu hören, dessen Text aber eher auf der Verfilmung von 1985 beruht, als auf Lovecrafts zugrunde liegendem Werk.

Wir sind allesamt große Filmfans und kaum ein anderer Autor hat mehr Genrefilme maßgeblich beeinflusst, als Lovecraft. "Alien", "Das Ding aus einer anderen Welt", "Die Mächte des Wahnsinns" … die Liste könnte man ewig weiterführen. Außerdem ist "Re-Animator" auch heute noch einfach ein saugeiler Film! Übrigens hat Brian Yuzna, Produzent des ersten und Regisseur des zweiten Teils, unseren Song bereits gehört und war durchaus begeistert davon.

Wir können das Anschauen der Serie, oben genannter Filme und das Lesen der Kurzgeschichten natürlich nur wärmstens empfehlen. Dann macht das Anhören unserer Songs vielleicht gleich noch viel mehr Spaß.

Googelt man Carcosa, spuckt einem das Internet etwas über ein Theaterstück aus. Man könnte also denken, es handelt sich eventuell um ein Konzeptalbum.

P: Man kann schon ein Stück weit von einem Konzeptalbum sprechen! Wobei nicht stumpf kopiert und adaptiert wird, sondern in den einzelnen Liedern, wie bereits erwähnt, ein ganz eigenes „Carcosa“ verarbeitet und aufgebaut wurde.

Jetzt mal einige personelle Fragen: Ihr werdet ja von Achim Ostertag gemanagt, dem Veranstalter des Summer Breeze Festivals. Wie seid ihr an Achim gekommen?

P: Wir haben damals als Opener beim Winter Freeze Festival im Januar 2008 gespielt, welches auch von Achim veranstaltet wurde. Mit unserem Auftritt dort haben wir ihn auf uns aufmerksam gemacht und wohl auch ein Stück weit von uns überzeugen können. Er hat uns seine Unterstützung angeboten, die wir natürlich dankend angenommen haben. Durch Achims Zutun kam das Ganze überhaupt erst so richtig ins Rollen …

Verschafft euch seine gleichzeitige Tätigkeit als Veranstalter des Summer Breeze eigentlich einen dauerhaften Slot in dessen Line Up?

P: Das nicht, ein jährlicher Slot auf dem Summer Breeze Open Air ist uns natürlich auch nicht sicher. Sollten wir aber gerade mit einem neuen Album am Start sein, so wie es dieses Jahr der Fall ist, ist der Draht zumindest kürzer, haha ...

Für „Inhabitants Of Carcosa“ standen euch beim Produzieren und bei den Aufnahmen Nikita Kamprad, seines Zeichens Gitarrist bei DER WEG EINER FREIHEIT, und Staffan Karlsson, Produzent von z.B. ARCH ENEMY, SHINING oder den SPIRITUAL BEGGARS zur Seite. Wie sind diese beiden Zusammenarbeiten zusammengekommen?

P: Bei unserer neuen Platte haben wir schon über längere Zeit vorweg an einer sehr ausführlichen Pre-Production gearbeitet. Hierzu haben wir uns quasi wieder an den Ursprung von HACKNEYED – Tims altes Kinderzimmer – zurückgezogen. Dadurch hatten wir schon konkrete Vorstellungen, wie das neue Album klingen und wirken soll ( ... nein, nicht nach Kinderzimmer!). Mit diesen Kriterien haben wir uns auf die Suche nach den entsprechenden Produzenten und Technikern gemacht, die die entsprechende Herangehensweise und einen entsprechenden Sound schon liefern oder eben mit uns ausarbeiten.

Für Nikita haben wir uns entschieden, da wir mit ihm schon seit seinen ersten Bands und Projekten in Kontakt sind und ich auch schon während unseres gemeinsamen Nebenprojekts, Illusion Of Strength, viel von seiner Arbeit gesehen und gehört habe. Für den Gesang habe ich mich für Staffan Karlsson entschieden. Dank Michael Amott, der kurz nach unserer gemeinsamen Tour 2012 mit Arch Enemy den Kontakt zu Staffan hergestellt hatte, durfte ich schon mit Illusion Of Strength mit ihm arbeiten und konnte somit seine besondere Herangehensweise und Fähigkeiten (Ehrlichkeit und Arschtreten) und die daraus resultierende Steigerung an meiner eigenen Leistung kennen und zu schätzen lernen.

Gemastert wurde das Endprodukt dann sogar von Dan Swanö. Warum Dan?

P: Ich, für meinen Teil, bin quasi schon immer großer EDGE OF SANITY und somit Dan Swanö Fan. Und da unser Kumpel Marcus "Magge" Köchel, seines Zeichens Gitarrist bei REVEL IN FLESH, seine Songs bereits jahrelang bei Dan mastern lässt, ist aus der Idee auch schnell ein geiles Ergebnis entstanden. Aus verschiedenen Testmastern konnte uns das von Dan am Ende am meisten überzeugen. Er hat es schlichtweg geschafft, aus unseren Songs das Allerbeste herauszuholen und ihnen den finalen Sound zu verpassen, den wir uns vorgestellt haben.

Ist eure Zusammenarbeit mit Nikita auch der Grund, dass sich DWEF und HACKENEYED zusammen eine Bühne auf eurer Release Party geteilt haben?

F: Unter anderem, ja. Nikita hat beim neuen Song „Death Toll“ ja auch einen Gastauftritt, den wir so schon mal live ausprobieren konnten und der auch beim Publikum super ankam. Zum anderen sind wir aber wie bereits erwähnt schon lange befreundet und bei so einer Album Release Party hat man schließlich auch gern Leute um sich, mit denen man gerne feiert, haha ...

Besteht eventuell sogar die Chance auf eine gemeinsame Tour?

P: Aktuell ist hierzu noch nichts Konkretes geplant. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt?

Was steht generell in naher Zukunft noch so bei euch auf der Agenda?

P: Wir haben letztes Wochenende erst unsere dreiwöchige Album-Release-Tour abgeschlossen. In den nächsten Monaten stehen mehrere Festivals an. Was im Herbst sein wird, wissen wir noch nicht und da lassen wir uns auch gerne überraschen. Auf jeden Fall werden wir demnächst schon bald wieder ins Songwriting einsteigen. Denn noch mal wollen wir unsere Fans nicht wieder vier Jahre bis zur nächsten Scheibe warten lassen.

Angenommen, wir besuchen spontan euren Tourbus – was läuft in eurem Musikplayer?

P: Im Tourbus läuft bei uns alles Mögliche. Zu Anfang der Fahrt überwiegen noch die härteren Klänge: Die neue SLIPKNOT (ich fühle mich zehn Jahre zurückversetzt, die neue Platte knallt wieder richtig!), meine All Time Favourits wie CULT OF LUNA oder GOJIRA, DER WEG EINER FREIHEIT … Und auf dem Heimweg nach stundenlangem Dauergeknüppel sogar klänge wie PORTUGAL THE MAN, GORILLAZ und noch vieles mehr, was für verwunderte Gesichter sorgen könnte!

Was könnt ihr, außer euren aktuellen Scheibe, unseren Lesern als musikalische Tipps mit auf den Weg geben?

P: Auf jeden Fall die neue DER WEG EINER FREIHEIT – ein absolutes Wahnsinns-Album, wenn nicht sogar DAS Album 2015! Außerdem, wie bereits erwähnt, kann man SLIPKNOT 2015 wieder anhören. Auch wenn das vielen zu „untrve“ sein mag, haha! Aber ich finde das sowieso ganz wichtig, jegliche Scheuklappen abzulegen und offen für alles zu sein. Das Leben ist viel zu kurz und die Musikwelt (außer Radio vielleicht, haha …) viel zu genial, um was zu verpassen.

Die letzten Worte gehören euch.

F: Vielen Dank für das Interview! Und an eure Leser und an unsere Fans: Wir hoffen, wir sehen uns vielleicht auf einer der anstehenden Shows und schaffen es, euch ebenfalls zu "Inhabitants of Carcosa" zu bekehren!

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