Geschrieben von Montag, 21 Januar 2019 13:00

Grimgod im Interview - "Wenn's nicht rockt, dann isses für'n Arsch!"

Wir sprachen mit dem thüringischen Trio GRIMGOD im Telefoninterview über sein aktuelles Album "Master" (zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht erschienen), Tourpläne und den Ursprung des Spruches "Wir brauchen mehr Kuhglocke". Was Gitarrist Jax Warner, Bassist Kenneth Maxwell und Drummer Richy Wilkinson so alles zu erzählen hatten, lest Ihr hier.

Vielleicht stellt Ihr GRIMGOD zu Beginn einfach mal selbst vor, damit unsere Leser wissen, mit wem sie es hier zu tun haben.

Jax: Ja, was machen wir? Wir machen Musik und zwar hauptsächlich gute. (lacht) Wir haben immer schon viel Metal gemacht und versuchen jetzt quasi eher Musik zu machen, die eine Kreuzung zwischen Hard Rock und Metal ist, gerne auch mit Einflüssen aus anderen Bereichen wie Blues. Man könnte sagen, das Ganze wird ein wenig "vermetalled" – anders kann ich es jetzt nicht wirklich beschreiben. Und da kommt dann am Ende einfach GRIMGOD raus und das ist das, was uns dann, glaube ich, auch ein bisschen einzigartig und wiedererkennbar macht.

Ihr habt auch vorher schon gemeinsam bei anderen Bands gespielt …

Jax: Zusammen waren wir vorher nur in einer Band, das war die Band VAGABOND, mit der wir Thrash Metal gespielt haben. Da waren wir noch zu viert und hatten einen zweiten Gitarristen dabei. Als der dann 2013 … oder 2012 … Also 2012 war ja Weltuntergang, da hat er auch noch bei VAGABOND gespielt und dann hat es quasi noch ein halbes Jahr gedauert, bis Ralf (der zweite Gitarrist,Anm.d.Red.) die Band verlassen hat. Ralf war seinerzeit derjenige, der den Stil von VAGABOND maßgeblich beeinflusst hat und da haben wir uns musikalisch schon etwas unterschieden.

Wenn es nach mir gegangen wäre, wären die Lieder damals schon immer lieber etwas grooviger und rockiger gewesen. Also sprich, wenn wir damals auch nach der Trennung direkt mit VAGABOND weitergemacht hätten, hätte der Stil sich ohnehin eher in diese eher rockige Richtung entwickelt und dann haben wir an der Stelle gesagt, dass wir lieber einen Cut machen und eine neue Band gründen, uns einen neuen Namen geben und direkt die Musik machen, die rauskommen würde, wenn nur ich sage, was an der Gitarre passiert, nur Richy sagt, was am Schlagzeug kommt und Kenneth sagt, was am Bass abgeht.

Richy: Ich hake mal kurz ein: Ich war vor GRIMGOD eher im Death Metal aktiv und auch da haben wir immer schon gesagt, dass wir nicht diesen extremen Speed Metal mit 1000 bpm Blastbeats machen wollen, sondern es lieber immer groovig haben und das haben wir jetzt bei GRIMGOD einfach beibehalten – es ist kein Gebolze, aber geht trotzdem schon gut vorwärts. Ab und an mischen wir dann ein bisschen langsames Zeug mit dazu. Und das war dann auch der große Unterschied zu dem damaligen Thrash Metal, bei dem wir auch eher schnell unterwegs waren. Jetzt sind wir lieber ein bisschen langsamer unterwegs, bisschen mehr Groove …

Kenneth: … bisschen mehr Eier ….

Richy: Genau ... bisschen mehr Eier … bisschen viel mehr Eier …

Kenneth: Zusammenfassend kann man glaube ich sagen, dass wir jetzt halt einfach das machen, worauf wir Bock haben und dabei lassen wir uns auch gar nicht wirklich in eine Schublade reinstecken …und das ist dann einfach GRIMGOD. Man könnte auch sagen: "Play with your cocks out" – einfach mit Eiern spielen.

Jax: Genau, wenn's nicht rockt, dann isses für'n Arsch.

Grimgod

Ihr seid ja auch – und da muss ich Euch ein Kompliment für dieses grandiose Wortspiel machen – als "Grimfluencer" auf allen sozialen Medien unterwegs und da gab es zuletzt einen kleinen Tourreport aus Berlin. Erzählt doch mal!

Richy: Das kommt eigentlich eher aus dem Privatleben. Ein guter Bekannter von mir kümmert sich auch um das Management von LINDEMANN und hat mich da eben vor einiger Zeit gefragt, ob ich bzw. wir nicht Lust hätten, bei einem Video mitzuspielen – und da ist es natürlich naheliegend, dass man da als Band dann auch hinfährt. Und als RAMMSTEIN-Hörer der ersten Stunde – damals 1994 so als 10-jähriger kleiner Bub war RAMMSTEIN schon so der Schubs in die Rock- und Metalszene – da ist das natürlich schon eine große Ehre, da dann bei dem Videodreh von DEM Mann mitwirken zu können, mit dem damals alles losging. Das war natürlich grandios.

Jax: Also es hat jetzt eigentlich echt wenig bis nichts mit der Band zu tun, sondern ist echt privat gelaufen, aber wir haben es natürlich ein bisschen zur Promo genutzt – man wäre ja doof, wenn man das nicht machen würde.

Kenneth: Wir wollten ja, dass das Video gut wird, also haben wir gesagt, "Komm, da fahren wir hin". (lacht) War auf jeden Fall ein geiler Tag und eine coole Erfahrung.

Richy: …. aber nicht zu viel erwarten, es ist HipHop geworden! (lacht) Ah nein, streich das!

Aber jetzt habt ihr da ja den Fuß in der Tür, also 2019 GRIMGOD als RAMMSTEIN-Support auf Tour?

Richy: Nein nicht so ganz, das darf man da jetzt nicht unbedingt überbewerten …

Nein, nein, ich wollte auch nur eine Überleitung für Eure Pläne 2019 schaffen.

Richy: Ja aber dann musst Du den Satz doch umbauen, da ist doch RAMMSTEIN dann Vorgruppe für GRIMGOD …

Ich dachte, AIRBOURNE sei schon Vorgruppe für Euch … aber fangen wir lieber vorne im Jahr an. Im Februar erscheint ja der zweite Teil Eures "Beastmaster"-Doppelalbums. Hattet ihr das von vornherein schon immer als Doppelalbum konzipiert? Es ist ja jetzt relativ viel Zeit zwischen beiden Alben vergangen.

Jax: Also das mit dem Doppelalbum war tatsächlich von Anfang an so geplant.

Kenneth: Wer die Scheibe hat, weiß es und kann es sich auch herleiten.

Jax: Also die Fans der ersten Stunde wissen das auch, weil wir das beim Release des ersten Albums damals schon so kommuniziert haben. Dementsprechend gab es zu dem ersten Album auch einen Pappschuber, in dem eben dann auch Platz für den zweiten Teil ist. Da gibt es auch irgendwo noch ein Video auf unserer FB-Seite, auf der wir das genau erzählen.

Der Hintergrund ist folgender: Wir hatten die Band damals frisch gegründet und wollten natürlich auch so schnell wie möglich zurück auf die Bühne und auftreten. Da konnte man dann natürlich nicht die alten Songs von VAGABOND nehmen, sondern das geht eben nur mit komplett neuen Songs von der neuen Band. Jetzt schreib' aber mal in kurzer Zeit so viele Songs, dass ein Album damit voll wird und man ein abendfüllendes Programm hat – das geht ja nicht, wenn es eben gleichzeitig auch qualitativ hochwertig sein soll.

Also haben wir uns gesagt, dass wir erstmal nur die Hälfte des Albums aufnehmen und das dann entsprechend auch schon veröffentlichen, so dass wir etwas haben, was wir an die Leute weitergeben können. Bis wir andersherum 12 oder sogar 14 Songs fertig gehabt hätten, wäre für uns viel zu viel Zeit vergangen, bis wir an die Öffentlichkeit hätten gehen können. Aber sieben Songs, das war in relativ überschaubarer Zeit machbar, also haben wir das entsprechend so gemacht um danach eben wieder Luft zu haben und an den nächsten sieben Songs zu arbeiten und das Album damit dann zu komplettieren.

Richy: Die erste Platte ist dann auch als normales Jewelcase veröffentlich worden, das aber noch einen zusätzlichen Pappschuber hat mit einer entsprechenden Aussparung beim Löwen vom "Beast"-Album und eben einer zweiten Leerhülle, die wir statt mit dem Album mit Patches und Aufklebern befüllt haben. Und diese CD wird dann jetzt durch die "Master" ersetzt.

Kenneth: Wenn man ganz genau hinguckt, sieht man auch, dass zum Beispiel der Rückenprint bei der "Beast" noch nicht komplett ist, auch da kommt der Rest dann mit der "Master".

Ich durfte in das neue Album ja vorab schon reinhören und bin auch wirklich extrem begeistert – wie läuft bei euch generell der Songwriting-Prozess?

Jax: Das ist tatsächlich von Song zu Song unterschiedlich. In den meisten Fällen ist es so, dass wir uns bei unserer Probe, bevor wir mit der tatsächlichen Probe beginnen, erstmal gemeinsam warmspielen und ein bisschen jammen und da kommen dann schon mal Riffs bei heraus. Manchmal ist mir auch ein paar Tage vorher schon ein Riff eingefallen, das ich dann beim Jammen, ohne es den beiden anderen vorher zu sagen, einfach unterbringe und dann entwickelt sich das einfach. Wenn's cool war, wird dann erstmal das Handy gezückt, um die Idee schnell aufzunehmen und dann kann sich das Stück für Stück und nachdem auch jeder seinen Senf dazugegeben hat, zu einem ausgewachsenen Song entwickeln.

Wenn dann die Grundstruktur steht, fange ich meist an, mir einen passenden Text zu überlegen und schaue, was da auch in Sachen Melodie und Betonung gut funktionieren könnte. Manchmal ist es aber auch so, dass jemand von uns zuhause schon eine geniale Idee hat und quasi bei der nächsten Probe mit einem zu 80 Prozent fertigen Song ankommt – das gibt’s auch.

Richy: Wir legen uns da auch nicht fest. Das ist, glaube ich, auch das, was es dann interessant macht. Manches entsteht hier im Probenraum, manches zuhause – auch Teile: Mir geht es oft so, dass ich bei der Probe mit bestimmten Teilen nicht zufrieden bin, mir spontan aber auch nichts einfällt und ich dann eben zuhause rumprobiere und dann kommt meist doch nochmal was Cooleres dabei 'rum.

Kenneth: Wir haben auch relativ viele angefangene Songs, zu denen wir nur Songschnipsel haben, weil wir gesagt haben, "Ok, das ist cool, aber wir machen jetzt erstmal hier weiter" und die liegen dann erstmal da und sind ja nicht verloren. Und wenn dann die nächste Idee kommt und man sagt, "Ich hab' was gefunden, was dazu passt", dann kramen wir den Schnipsel nochmal hervor, probieren aus, ändern nochmal was. Und manchmal kommt da ein cooles Ergebnis raus oder wir experimentieren eben weiter, arrangieren nochmal anders. Ich denke, da arbeiten wir beim Songwriting generell einfach alle auch ganz gut zusammen.

Grimgod

Das Album erscheint am 02. Februar – wie geht es danach für euch weiter? Rock am Stück ist ja schon bestätigt mit der Post-Headliner-Show nach AIRBOURNE. Was habt ihr ansonsten noch in der Pipeline?

Richy: Am 30. März haben wir noch in Bad Salzungen im KW70 einen Auftritt als Co-Headliner mit MCBETH.

Kenneth: Dann haben wir noch eine Sache, die wir noch nicht verraten dürfen, aber das wird auf jeden Fall eine große Sache und ist nicht in Deutschland. Das ist dann auch ein etwas größeres Festival als das Rock am Stück, so viel kann man schon verraten, aber für alles andere heißt es dann "Später, Peter"!

Richy: Aber ich denke, da werden auch so noch ein paar Termine dazukommen.

Kenneth: Wir sind aktuell auch noch mit dem Booking beschäftigt.

Habt ihr tourmäßig auch schon was geplant oder liegt der Fokus in diesem Jahr eher auf den Festivals?

Kenneth: Wir sind da offen für alles …

Richy: … wobei das Thema Festivals da eigentlich schon fast wieder gegessen ist, da ist bei vielen das Booking schon fertig. Da plant man jetzt dann eher schon für 2020.

Kenneth: Wir machen im Herbst auf jeden Fall noch ein paar Weekender-Touren, da sind wir vom 02.10. bis zum 05.10. mit AIRSTRIKE zusammen unter anderem in Neukirchen und im Rockheaven in Aldenhofen unterwegs, und zwei Wochen später geht es dann noch auf Tour nach Italien. Und zwischendrin am 12.10. spielen wir noch eine Headlinershow im Blackland in Berlin.

Viele angesagte Locations sind halt auch schon voll bis unters Dach. Da erfordert so eine Tour tatsächlich ein bis eineinhalb Jahre Vorlaufzeit. Dieses Jahr haben wir uns da ansonsten einfach auch sehr auf die neue Scheibe konzentriert, dass wir da was Geiles haben und das ist ja letztendlich, wie ich finde, auch gelungen. Das ist eine Scheibe, die man sich anhören kann und gar nicht merkt, wie schnell die eigentlich vorbei ist. Wenn ich die so höre, denke ich immer "Die ist so schnell vorbei …

Richy: … mach nochmal!"

Kenneth: Genau, "Mach nochmal!" – aber wir sind gespannt, mal sehen, was das neue Jahr noch bringt. Wir sind quasi für jeden Scheiß zu haben. Also wer uns buchen will, einfach anschreiben!

Ihr macht auch noch ziemlich viel in Eigenregie, oder?

Einstimmig: Alles!

Jax: Und das wirklich auch bewusst. Wir haben schon ein paar Angebote von Agenturen oder Firmen allgemein bekommen, die gerne mit uns arbeiten würden, aber da sagen wir aktuell noch, dass wir erstmal dankend ablehnen, einfach weil wir der Meinung sind, dass wir bei dem aktuellen Zustand der Band und auch mit dem aktuellen Bekanntheitsgrad noch alles selbst gut auf die Reihe bekommen. Wir wollen es mit dem "groß werden" da auch nicht übertreiben und überboosten.

Wir wollen lieber gemächlich in die ganze Geschichte reinwachsen, weil es eben auch noch ein Privat- und Arbeitsleben gibt. Daher schauen wir lieber, dass das natürlich und stetig wächst. Wenn wir da jetzt eine große Firma hätten, die uns von heute auf morgen auf große Tour schickt, da gäbe es bei allen einfach Probleme mit dem Privatleben, das funktioniert so nicht.

Kenneth: Wobei das für mich nicht mal der ausschlaggebende Punkt ist: Ich denke, es macht jetzt einfach Sinn, ein entsprechendes Fundament aufzubauen, so dass die Band dann eben auch Bestand hat. Ein One-Hit-Wonder sein wollen wir alle nicht, davon gibt es schon mehr als genug. Die sind dann auch in einem Jahr weg vom Fenster und interessieren keinen mehr. Und wir wollen halt Gas geben …

Richy: … aber auf Stein bauen und nicht auf Sand.

Kenneth: Das einzige, was wir ausgelagert haben, ist das Booking, das läuft über eine Agentur. Alles andere – Design, Shirts, Internetseite – das machen wir alles selbst.

Richy: Auch das ist durch die Vergangenheit ein bisschen gewachsen. Wir spielen alle schon seit Jahren in verschiedenen Bands und solche Dinge müssen eben immer gemacht werden. Da fuchst man sich mit der Zeit dann einfach in die Themen rein und hat eben gelernt, mit Grafikprogrammen umzugehen und Webseiten zu bauen, ist ins Thema Social Media reingewachsen usw.

Finale Frage: Ihr habt recht häufig den Hinweis auf "Wir brauchen mehr Kuhglocke" – wer von euch ist der große Christopher-Walken-Fan, der den Spruch etabliert hat?

Jax: So oft kommt er eigentlich nicht, das ist aktuell nur bei einem Song, bei dem wir das haben, als Intro zum Einzählen. Ich hatte dann auf der Tour mal den Spruch etabliert, um den Song ein bisschen lustig einzuleiten. Aber wo man das oft mitbekommen hat in letzter Zeit war eine andere Band, die DIRTY DENIMS aus den Niederlanden, die das da häufig propagiert haben. Aber halt unabhängig von uns und das fand ich schon wieder witzig, dass die da quasi den selben Spruch nehmen.

Grimgod

Wobei das ja seinen Ursprung in diesem uralten Saturday-Night-Life-Sketch mit Christopher Walken hat. Da spielen sie dann "Don't Fear The Reaper" und der Typ hüpft andauert mit Kuhglocke im Weg rum und der Walken stürzt rein und fordert eben permanent: "More Cowbell!"

Kenneth: Ahhhh – wieder was gelernt!

Jax: Das war doch auch der Produzent bei "Waynes World 2", oder? Also der Schauspieler. Das hab ich jetzt auch ganz neu gelernt, dass da bei Saturday Night Life "Wayne's World" schon ewig lief, bevor sie da den Film 'raus gemacht haben, wie sie da immer im Keller sitzen – Mike Myers und der andere Typ. Das war da ja echt ein Running Gag und danach haben die erst die Filme daraus gemacht. Da gibt’s auch einen Clip mit Tom Hanks als Roadie von AEROSMITH …

… mit AEROSMITH, die bei Mutti in der Küche sitzen und Kinderfotos gucken …

Jax: Das sollten wir eigentlich auch machen. 'ne Couch haben wir schon hier, dann machen wir einfach "Grimworld" – (singt): Grimworld, Grimworld, Partytime, Excellent, Schwing!

Ich denke, das ist das perfekte Schlusswort. Vielen Dank für das Interview.

Nachtrag – Dass den Worten auch Taten folgen, haben GRIMGOD unter Beweis gestellt, als sie einige Wochen nach dem Interview tatsächlich die erste Folge "Grimworld" veröffentlicht haben, in der sie noch einmal über das anstehenden Album und die zugehörige Releaseshow plaudern: