Tomas, ihr seid jetzt schon fast am Ende der Tour. Wie läuft es bisher?
Großartig! Ich glaube, wir sind jetzt bei Show Nummer neun oder so. Acht, neun hintereinander, ohne Off-Day. Gestern habe ich mich ein bisschen müde gefühlt. Aber wenn man auf die Bühne geht, bekommt man immer einen neuen Energieschub.
Ihr spielt zwei neue Songs vom aktuellen Album, das im November erschienen ist. Werden sie gut angenommen?
Ja, ich finde schon. Die Leute singen fleißig mit und wenn Patrik (v.) „Defenders Of Jerusalem“ ankündigt, sagt er zum Beispiel „Defenders Of Hamburg“ oder den jeweiligen Stadtnamen, und die Leute übernehmen das im Song, das macht Spaß.
Gab es einen besonders erwähnenswerten Moment auf dieser Tour?
Für mich war ein Highlight, als wir in München gespielt haben und auch Leute aus dem BLOODBOUND-Fanclub, die „Bloodheads“, da waren. Wir haben ordentlich Bier geholt und eine riesige Party gemacht. Es waren bestimmt 20 oder 30 Leute. Einige von denen hatten wir seit Jahren nicht mehr gesehen. Richtig schön, sie wieder zu treffen.
Gibt es etwas, das du am Touren in Deutschland besonders magst oder nicht magst?
Ich mag Deutschland sehr. Es ist gut organisiert, die Locations sind toll und die Leute sind freundlich und hilfsbereit. Das Einzige, was man vielleicht vermisst, ist schwedisches Essen und Snacks. Wir haben in Schweden zum Beispiel Chips mit Dillgeschmack, sowas gibt es hier nicht. Aber gestern hat mir ein schwedischer Freund welche zur Show mitgebracht, das war eine coole Überraschung.
Ihr tourt mit BRAINSTORM, die sehr traditionellen, bodenständigen Heavy-/Power Metal spielen, und ANGUS MCSIX, dem absoluten Paradebeispiel einer modernen Gimmick-Band. Wie siehst du euren Slot zwischen diesen beiden Bands?
Es macht total Spaß, mit den beiden zu touren. Einige Mitglieder kennen wir schon länger, deshalb fühlt es sich im Bus wie eine große Familie an. Musikalisch sind wir mit BLOODBOUND vielleicht wirklich irgendwo dazwischen, das passt schon ganz gut.
Für uns stand und steht immer das Songwriting im Vordergrund. Das Image mit Nosferatu und so weiter hat sich eher zufällig ergeben. Mark Wilkinson, der auch viel mit IRON MAIDENs „Eddie“ gearbeitet hat, hat unser erstes Artwork gestaltet – und wir dachten, die Nosferatu-Figur würde sich gut als Maskottchen eignen.
Wie wichtig ist es heutzutage für eine Band, ein klares Trademark oder Thema zu haben?
Wahrscheinlich wird es immer wichtiger. Aber manche Bands übertreiben es vielleicht ein bisschen. (lacht) Ich würde nach wie vor immer den Fokus mehr auf die Musik legen als auf Kostüme und so weiter.
Tomas Olsson verortet BLOODBOUND ziemlich genau zwischen bodenständig-traditionell und modern-ausgeflippt.
Ihr seid jetzt seit über 20 Jahren als Band aktiv. Was hat sich im Laufe der Jahre in eurer Arbeit verändert?
Wir sind natürlich erfahrener geworden. Produktion und Songwriting sind strukturierter. Wir haben inzwischen einen klaren Ablaufplan und wissen, wann wir welche Schritte angehen müssen. Vieles in der Produktion ist technisch auch einfacher geworden. Man kann viel mehr im Nachhinein bearbeiten.
Aber live zu spielen ist eigentlich immer noch genau wie früher ... Außer, dass wir ein bisschen mehr Orchester- und Chorparts einspielen können – und gerade auch für Backing Vocals ist das praktisch. Wir singen die Harmonien zwar auch live, aber die Soundbedingungen sind von Halle zu Halle so unterschiedlich, dass man sich nicht immer darauf verlassen kann, dass man sich wirklich hört.
Textlich ging es auf den letzten Alben eher um Mythologie und Geschichte, davor hattet ihr aber auch typische Fantasythemen. Interessiert ihr euch auch privat für Fantasy?
Ja, zum Teil schon. Daniel (dr.) wahrscheinlich am meisten, er spielt viele Games in dieser Richtung und liebt es, auf Mittelalter-Events zu gehen. Auf Gotland gibt es immer ein großes Festival, zu dem die Leute von weither anreisen und auch Live-Rollenspiele spielen, da ist er oft dabei.
Ich selbst schaue eher Fantasy-Filme oder -Serien. „Game of Thrones“ war eine große Inspiration. Aber mein Lieblingsthema aus der BLOODBOUND-Diskografie war vermutlich das Wikinger-Album „Tales From The North“. Es hat total Spaß gemacht, sich in die nordische Mythologie einzuarbeiten.
Gibt es eine historische Epoche oder ein allgemeines Thema, das du zukünftig lyrisch noch behandeln möchtest?
Ich kann mir vorstellen, fürs nächste Album bei den historischen Themen zu bleiben und entweder eine Fortsetzung oder vielleicht sogar ein Prequel zu finden. Aber auch manches aus der griechischen Mythologie würde mich reizen, zum Beispiel die Prometheus-Sage. Und ich mag auch Science-Fiction, zum Beispiel die „Alien“-Filme. Also, da ist noch vieles möglich.
Was möchtet ihr mit der Band noch erreichen – sagen wir, vor eurem 30-jährigen Jubiläum?
Ich würde gerne noch häufiger mit Gastmusikern arbeiten. Wir haben schon mal darüber gesprochen, unsere großen Idole anzufragen, zum Beispiel Michael Kiske. Aber wir wollen da kein reines Namedropping betreiben, es muss auch wirklich zum Song passen – so wie Brittney Slayes, sie war perfekt für „The Nine Crusades“.
Und ich würde super gern mal in Australien spielen. Dort habe ich ungefähr anderthalb Jahre gelebt. Aber auch Südamerika wäre interessant. Und es gibt noch so viel mehr zu sehen! Aber jetzt stehen erstmal die Sommer-Festivals an. Im August spielen wir zum zweiten Mal in Tokyo, darauf freue ich mich schon riesig.


