Frozen Soul
Es ist Donnerstag, der 19. März, und die erste Band des Abends ist FROZEN SOUL, eine Death-Metal-Band aus Texas. Das Quintett beginnt sein halbstündiges Set vor einem noch recht leeren Gasometer, was die Anwesenden aber nicht davon abhält, ein paar kleine Moshpits aufzumachen. Auch wenn FROZEN SOUL eher generischen Death Metal ohne viel Drumherum spielen, scheint es den Wiener:innen zu gefallen.
Leider lässt die Tonqualität während des gesamten Sets aber zu wünschen übrig, weshalb sich einige Leute dazu entscheiden, doch lieber draußen ein Bier trinken zu gehen und der Saal sich während der halben Stunde eher leert als füllt. Etwa in der Mitte des kurzen Sets hält Sänger Chad Green inne, um eine kurze Ansprache zum Thema "Mentale Gesundheit" zu halten. Direkt danach geht es energiegeladen weiter und FROZEN SOUL schaffen es sogar, die Anwesenden zum Abschluss noch zu einer kleinen Wall of Death zu bewegen.
The Black Dahlia Murder
Nach 20 Minuten Umbauzeit mit swingiger Pausenmusik betreten THE BLACK DAHLIA MURDER die Bühne. Den Melodic-Death-Metallern aus Michigan sieht man schon zu Beginn des Sets an, dass sie Spaß haben. Auch wenn das Publikum – verglichen mit dem vorherigen Set – eher ruhig aufgestellt ist, kennen THE BLACK DAHLIA MURDER kein Pardon. Ihr neun Songs umfassendes Set besteht aus einem Banger nach dem anderen, und ob langjähriger Fan oder jemand, der die Band gerade zum ersten Mal hört, alle kommen auf ihre Kosten.
Für Überraschung sorgt ein Gorilla, der während des Songs „Nightbringer“ einmal über die Bühne hüpft. Zum Ende taut das Publikum dann doch noch ein wenig auf und in der Mitte kommt nach einigem Bitten ein Mini-Moshpit zustande.
The Halo Effect
Um 20:15 Uhr geht es weiter mit noch mehr Melodic Death Metal. Diesmal aus Schweden, von der Göteborger Supergroup THE HALO EFFECT. Die 45-Minütige Show besteht aus elf Songs der beiden bisher veröffentlichten Alben der Band. Neben einer coolen, professionellen Lichtshow überzeugt die Show vor allem durch die Energie und Spielfreude jedes einzelnen Bandmitglieds auf der Bühne.
Auch wenn vor der Bühne die Reaktionen eher verhalten ausfallen gibt es dennoch vereinzelte Moshpits und insgesamt wesentlich mehr fliegende Haare als bei beiden vorherigen Bands. Eine kleine Enttäuschung ist, zumindest für die Redakteurin, das Fehlen der kurz vorher releasten Single „Lest We Fall“, welche die Tourkollegen Marcus Bischoff von HEAVEN SHALL BURN und Brian Eschbach von THE BLACK DAHLIA MURDER featured.
Heaven Shall Burn
Knapp eine halbe Stunde nachdem THE HALO EFFECT ihren letzten Ton gespielt haben, ist es endlich Zeit für den Headliner HEAVEN SHALL BURN. Für die Thüringer ist dies das 18. Konzert in der österreichischen Hauptstadt und laut Gitarrist Maik Weichert das erste nach 25 Jahren, welches nicht an einem Wochenende stattfindet (Anm. d. Red.: Die letzten vier HEAVEN SHALL BURN Konzerte in Wien fanden alle unter der Woche statt).
Nichtsdestotrotz ist die Halle voll und die Leute haben Spaß. Die Haare fliegen, es wird gemosht und die Thüringer ermutigen immer wieder zu einem respektvollen Umgang miteinander. Egal wo und wer, ob im Moshpit oder bei den zahlreichen Walls of Death, steht wie bei allen HEAVEN SHALL BURN-Konzerten neben dem Spaß die Friedfertigkeit während der Show im Vordergrund. Und was für eine Show das Quintett da auf die Bühne stellt!
Zwischen altbekannten Hits wie „Endzeit“, „Übermacht“ und „Black Tears“ streuen HSB ein paar Songs des neuen Albums „Heimat“ ein. Zwischendrin ruft Sänger Marcus Bischoff dazu auf zu rudern, oder den "größten Circle Pit, der in die Halle passt" zu starten. Und es machen so gut wie alle mit.
Natürlich wird es in den Ansagen der Band auch das ein oder andere Mal politisch. Im Gegensatz zu anderen von der Redakteurin erlebten HEAVEN SHALL BURN-Konzerten scheint das Wiener Publikum die politische Position der Band nicht immer zu teilen. Doch auch wenn die Stimmung in bestimmten Teilen des Publikums immer mal wieder gedrückt scheint, zeigt sich die breite Masse davon unbeeindruckt, und gerade zum Ende des Sets hin reißen HEAVEN SHALL BURN die Halle gewissermaßen ab.
Nach zwei Zugaben hat das Publikum immer noch nicht genug und die Thüringer holen einen Trumpf aus der Tasche: ihr Cover des beliebten BLIND GUARDIAN-Songs „Valhalla“. Wie auch BLIND GUARDIAN selbst, schaffen es HEAVEN SHALL BURN binnen Sekunden, dass das gesamte Gasometer diese Hymne singt.
Nach knapp 1,5 Stunden ist das Spektakel vorbei und die Band unter tosendem Applaus von der Bühne verabschiedet. Bis zur nächsten Metalcore-Abrissparty!
