Ganz neu im September 2025 eröffnet, darf ich zum ersten Mal im BETTY antanzen und freue mich nicht nur über das angenehme Ambiente, sondern auch über die erschwinglichen Getränkepreise, die an manch anderen Veranstaltungsorten mittlerweile jenseits von Gut und Böse sind. Der heutige Abend ist tatsächlich auch der letzte Termin der Tour, und das wird sich in den Performances zeigen. Nach mehr als zwei Wochen intensiver Shows sind die Bands nicht müde – im Gegenteil! Komplett eingespielt und selbstsicher kaschiert das Muskelgedächtnis jede Unsicherheit. Ich muss auch gar nicht so lange warten, bis ich von der ersten Vorband COLD NIGHT FOR ALLIGATORS überrascht werde, über die ich mich selbstverständlich im Voraus absolut gar nicht informiert hatte.
COLD NIGHT FOR ALLIGATORS
COLD NIGHT FOR ALLIGATORS sind ebenfalls eine dänische Progressive-Metal-Band, die sich vor allem durch technische Riffs und dramatischen Gesang auszeichnet, der auch den Core-Genres zuzuordnen ist. Erst im Januar dieses Jahres haben sie ihre neue Scheibe „With All That’s Left“ veröffentlicht, die sie nun auf der DREAMCRUSH-Tour auch live präsentieren können.
Als musikalisch vergleichsweise sanfter Einstieg kann das Publikum ein wenig warm werden, und mit Sicherheit wird auch das eine oder andere Interesse geweckt, wobei ich einige Stimmen vernehmen kann, die eher weniger begeistert sind.
Da der Hauptact MØL dem „hoffnungsvollen Black Metal“ zuzuordnen und damit generell ein wenig schwer zu kategorisieren ist, sind die beiden Vorbands ebenfalls divers aufgestellt. Das kann den Nerv der Zuschauer:innen treffen – oder auch überhaupt nicht. Ich persönlich finde, ein kleiner Blick über die gewohnten Genregrenzen hat noch nie geschadet, und genauso spannend und überraschend ist auch die zweite Vorband TAYNE.
TAYNE
Auch hier habe ich keine Ahnung, was mich erwarten wird. Mit einer Industrial-Noise-Pop-Band habe ich jedenfalls nicht gerechnet. Das Trio aus London schafft es, eine spannende, düstere Stimmung aufkommen zu lassen und ist gleichzeitig heavy, aber auch tanzbar. Das Debütalbum „Love“ durfte ebenfalls Ende Januar das Licht der Welt erblicken. Mir macht der Auftritt super viel Spaß, und gleichzeitig merke ich immer wieder, wie enttäuscht ich darüber bin, dass sich Deutsche bzw. deutsche Metal-Fans eher selten dazu hinreißen lassen, ein wenig lockerer zu werden und vielleicht auch mal die Hüfte von links nach rechts zu schieben – macht Spaß, vertraut mir!
MØL
Schließlich betreten MØL die Bühne, und die Präsenz der Band ist wirklich unglaublich. Sie präsentieren eine gute Auswahl aus den Alben „Jord“, „Diorama“ und selbstverständlich „DREAMCRUSH“, wobei ich doch gerne ein paar mehr Tracks vom Neuling gehört hätte.
Viele Tracks, die mich bereits auf der Scheibe überzeugen konnten – beispielsweise „Garland“ oder „CRUSH“ – haben live noch einmal eine komplett andere, intensivere Energie. Diese ist unter anderem auch der Rampensau Kim Song Sternkopf zu verdanken, der uns wirklich auf die netteste Weise anschreit, die man sich vorstellen kann. Publikumsscheu ist er jedenfalls nicht und begibt sich gerne in den Zuschauerraum, wo er uns auch mal direkt ins Gesicht schreit.
Auch das Publikum ist endlich komplett aufgetaut und scheint irgendwie sehr berührt und verzaubert von der musikalischen Darbietung des Abends zu sein. Nachdem uns „Bruma“ in die Nacht entlässt, bin ich nicht die Einzige, die sehr glücklich über die Entscheidung ist, bei der Kälte heute das Haus verlassen zu haben.
In solchen Momenten kann ich alle Couchpotatoes noch einmal dazu ermutigen, mal wieder Clubkonzerte zu besuchen. Aufgenommene Musik zu hören ist ein komplett anderes Erlebnis als Livemusik, und die Szene braucht euch, damit auch kleinere, publikumsnahe Bands auftreten können und nicht nur die Stadiongrößen.
Der letzte Termin der DREAMCRUSH-Tour war ein wilder Ritt durch alle möglichen Genres. Langweilig wurde mir auf gar keinen Fall, und Spaß hatte ich sowieso. Auch in Zukunft werde ich mir die Möglichkeit, MØL live zu sehen, nicht entgehen lassen – und ihr euch hoffentlich auch nicht.
