Geschrieben von Montag, 27 April 2026 14:30

An Evening With MACHINE HEAD in Berlin

Machine Head live Machine Head live @ Cengiz Aglamaz

Berlin, 18.04.2026 - Während Kollege Heiko in der Uber Eats Music Hall Kreator dabei zusieht, wie sie die Bühne zerlegen, entscheide ich mich für “An Evening With Machine Head”: Keine Vorband, keine Umbaupausen, nur knapp drei Stunden Dauerabriss mit MACHINE HEAD.

Die Bude ist zwar nicht restlos ausverkauft, aber rappelvoll ist es allemal. Der zusätzliche Platz wird dankend angenommen zum Toben im Dauerpit. Dieser baut sich auch bereits vom ersten Moment an auf, das Licht geht aus und “Imperium” wird angestimmt. Nervenkitzel macht sich breit, Pyro wird gezündet und die Band betritt unter lautem Applaus die Bühne.

“Ten Ton Hammer” und “Is Anybody Out There?” folgen und sorgen direkt für einen brachialen Einstand. Was direkt auffällt: Robb Flynn labert für seine Verhältnisse ungewöhnlich wenig. An seiner Seite schrubbt Wacław "Vogg" Kiełtyka von DECAPITATED die Saiten. Er wirkt neben Frontsau Flynn zwar manchmal etwas statisch, liefert als Live-Ersatz für den privat verhinderten Reece aber eine hervorragende Performance ab.

... als wären wir wieder 20

Bei „The Rage To Overcome“ gönnt uns die Band endlich ein paar Sekunden zum Luftholen, bevor sich bei „Unhallowed“ die ersten Surfer über unsere Köpfe auf den Weg nach vorne machen. „Slaughter The Martyr“ wird dann zur echten Offenbarung: Der Song baut sich mit einem unfassbaren Druck auf, um schließlich in einer Wall of Death zu münden. Die ganze Halle macht mit. Und auch wenn der durchschnittliche MACHINE HEAD-Fan mittlerweile eher stramm auf die 40 zugeht (Anm. Chefred: Die 50, mein Lieber, die 50!), heute Abend tun im Pit alle so, als wären sie wieder 20. Jammern über die schmerzenden Knochen und blauen Flecken können wir schließlich am morgigen Sonntag. 

In einem etwas ruhigeren Moment wirft Rob einen Becher Bier ins Publikum, welcher auch tatsächlich gefangen wird und stimmt breit grinsend “We Are The Champions” an, welches lauthals mitgesungen wird. Mit „Aesthetics Of Hate“ folgt ein Highlight vom “The Blackening”-Album und Robb und Vogg spielen Rücken an Rücken die Soloparts runter. Pures Riff-Gewitter. Songs wie „Game Over“ und das extrem treibende „Outsider“ verwandeln den Floor endgültig in ein hüpfendes Tollhaus. “Bonescraper“ walzt schließlich alles nieder wie ein Elefant und versprüht herrliche GOJIRA-Vibes.

Circle The Drain – leider auch akustisch

Der anschließende Akustik-Teil zündet leider überhaupt nicht – „Circle The Drain“ als Akustik-Version verpufft im Raum. Bei „Darkness Within“ holt Robb dann sein bisher unterdrücktes Redebedürfnis vom Anfang der Show nach und hält eine ellenlange Ansprache. Doch auch der Song plätschert akustisch eher vor sich hin. Man wird das Gefühl nicht los, dass die Columbiahalle für solche intimen Lagerfeuer-Momente einfach eine Nummer zu groß ist.

Doch der kurze Durchhänger ist extrem schnell verziehen, außerdem gibt's somit Zeit zum Bierholen. „Catharsis“ baut die Spannung schließlich wieder auf, bevor der Song weiter in „Bulldozer“ übergeht. Ab hier herrscht wieder das gewohnte Chaos im Pit.

Let freedom ring – und alle sind dabei

„Put your phone down and headbang!“, brüllt Flynn ins Mikrofon und legt mit “Davidian” schließlich nach. Pyro wird nochmal gezündet und die Halle brüllt lauthals „Let freedom ring with a shotgun blast!“ – Herrlich. Den krönenden Abschluss macht dann wie gewohnt der 10-Minuten-Epos "Halo", bevor wir schweißgebadet und bestens gelaunt in die Berliner Nacht entlassen werden.

Cengiz

Seit 2012 bin ich mit Kamera und offenem Ohr für BurnYourEars unterwegs.

Ich habe viele Jahre professionell in der Konzertbranche gearbeitet und viele weitere Jahre Shows, Artists und Festivals privat und semiprofessionell begleitet und begleite diese teilweise immernoch.

Mein musikalischer Horizont kennt keine Grenzen: Von synthlastigem Metal über Rap bis hin zu Screamo – Hauptsache, es groovt und hat Tiefgang.

Live-Konzerte sind meine Passion. Zahllose Gigs und Festivals später bin ich immer noch süchtig nach der Energie, die nur Live-Performances entfachen können. Denn egal wie brillant eine Platte klingt, erst auf der Bühne zeigt sich die wahre Magie einer Band.

Meine All-Time-Favourites? Machine Head, Heaven Shall Burn und Parkway Drive (bis "Reverence"). Aber meine Playlist ist so vielfältig wie ein Festivalprogramm – von Crossfaith bis Lamb of God ist alles dabei.

Wer einen Blick auf meine fotografische Reise durch die Musikwelt werfen möchte: Mein Portfolio mit Konzertbildern seit 2012 findet ihr auf fotocengiz.de.

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