Skarab - Skarab


skarab st big

Stil (Spielzeit): Sludge / Prog / Metal (43:34)
Label/Vertrieb (VÖ): Zeitgeister Music (Juli 2012)
Bewertung: 8/10

Link: Labelhomepage

„Klingt wie...“ gilt hier nicht. Mir fällt tatsächlich keine Band ein, die als Vergleich zu SKARAB herhalten könnte. Und obwohl die düstere Stimmung der Musik definitiv dafür spricht, stellt sich die Frage: Ist das überhaupt Metal?

SKARAB stellt sich diese Frage sicher nicht, denn wenn sie etwas auf selbst so große Kategorien geben würden, klängen sie nicht, wie sie klingen. Und das wäre ein Jammer. Denn obwohl ich ungefähr ein Dutzend Durchläufe gebraucht habe, um den ersten Eindruck („gibt mir nichts“) zu überwinden – jetzt bin ich bei „find ich klasse“ angekommen.

SKARAB ist der neueste Spross von Zeitgeister Music, dem Bonner Kollektiv von Undergound-Künstlern, das mich schon mit so einigen schönen Scheiben beglückt hat. Bei den Zeitgeistern gibt’s gefühlt mehr Projekte als Leute, die mitmachen, und so ist es auch kein Wunder, bei SKARAB bekannte Gesichter wiederzusehen: Klabautamann-Gitarrist Tim Steffens, der beim Komponieren offenbar den Hut auf hatte, und Christian Kolf,  der wie so vielen Zeitgeister-Bands auch dieser seine Stimme leiht.

Dunkel, kraftvoll und emotional, selten zum Schreien angeraut, singt er düstere Verse, die den Hörer ratlos zurücklassen („lambs were eating scorpions and shaving themselves for a warm coat“), zugleich aber eine Stimmung verbreiten, als würde man allein und nur mit einer Fackel bewaffnet durch eine von H. P. Lovecraft erdachte Stadt irren.

Kolf komplettiert damit Musik, die sich ausschließlich im Midtempo bewegt und eher auf Groove als auf Härte setzt. Selten erinnern SKARAB an Klabautamanns Black Metal; in „Sunset“ erhebt sich die Gitarre beispielsweise zu einem schwarz flirrenden Riff. Aber meistens sitzt man zwischen allen Stühlen, SKARAB machen einfach düstere, vereinnahmende, Bilder beschwörende Musik. Metal zwar, das darf man wohl sagen, aber grenzen- und schrankenlos, subtil und hintergründig. Irgendwie ist hier alles drin von Prog- über Groovemetal bis hin zu Industrial und Sludge, und das alles aufgenommen mit einem durchlässigen Sound, der etwa dem satt schmatzenden Bass metal-untypisch viel Raum lässt.

Kurz gesagt: abgefahrene Scheiße, die SKARAB hier auf ihrem Debut abliefern, und das auf ziemlich hohem Niveau. Beim nächsten Album würde ich mir wünschen, dass alle Riffs und Melodien so zwingend und mitreißend sind wie zum in Beispiel „Sculpting in Time“ oder „I am the winding Stair“ und die Elemente, die SKARAB besonders machen, noch klarer herausgearbeitet werden.

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