Lee Harvey And The Oswalds - Still Confused, But On A Higher Level





Stil (Spielzeit): Prog (51:23)

Label/Vertrieb (VÖ): STF Records/M-Sytem (08.10.2007)

Bewertung: 7,5/10

Link: http://www.leeharvey.de

Um ganz ehrlich zu sein, beim ersten Durchlauf dieses Albums hatte ich eigentlich beschlossen, es nicht zu mögen, denn was LEE HARVEY & THE OSWALDS auf ihrem zweiten Silberling auftischen ist einfach ein extrem kruder Stilmix.

Die Münchner gehen dabei von Jazz- und Fisionklängen mit ausgeprägten Bläserparts über Polkarhythmen bis zum Metal mit Blackmetal-Gesang. Ska kann auch schon mal vorkommen, Elektroparts bleiben nichts aus und Klezmer (eine Art jüdischer Jazz) scheint auch hier und da Pate gestanden zu haben. Und das alles auf sieben Stücken und in nicht einmal einer Stunde?
Ja und aus irgendeinem Grund ist es nicht annähernd so anstrengend, wie es eigentlich bei diesem Mischmasch sein müßte, aber irgendwie gelingt es LEE HARVEY & THE OSWALDS dabei nie den Song aus den Augen zu verlieren. OK, die längeren Jazzimprovisationen sind nicht unbedingt etwas, das ich selbst brauche, aber die meisten Songs machen trotz allem Spaß und darauf kommt es doch am Ende an.
Allerdings kann man schon eine Art System im Chaos erkennen. Tendenziell sind die Songs zu Anfang des Albums eher Bläserorientiert und werden gegen Ende härter, was in dem ziemlich brachialen und mehr als 13 minütigen „Salvia Divinorum“ gipfelt. Mein Favorit ist aber wohl „Drunken Soldiers Killed My Mama“, daß mit seinem Polkarhythmus etwas von Zigeunermusik hat.

Die schwierigste Frage ist am Ende eigentlich, wem man dieses Album jetzt ans Herz legen soll. Der Metaller wird einige Momente finden, aber von den jazzigen Phasen abgeschreckt werden. Jazzfreunde könnten ihren Spaß haben, aber einig Passagen zu hart finden. Humpa-Jünger könnten angesprochen werden...doch auch hier sind die Jazz- und Fusionparts zu dominant. Also werden sich LEE HARVEY & THE OSWALDS wohl ihre eigene Nische suchen müssen. Verdient sie zu finden, haben sie allemal.