Freitag, 19 Dezember 2025 10:14

David Gilmour - The Luck And Strange Concerts (2CD)

David Gilmour - The Luck And Strange Concerts (2CD)

Wenn Gitarrist David Gilmour Solo-Konzerte gibt, kümmert er sich auch stets um das alles überstrahlende PINK-FLOYD-Vermächtnis. Nach den umjubelten und ausverkauften Auftritten seiner letztjährigen "The Luck And Strange"-Tournee erscheint eine Live-Nachlese auf einer Doppel-CD, aufgenommen an verschiedenen Orten, zur Hälfte befüllt mit Gilmour solo, zur anderen mit PINK FLOYD.

Zuerst einmal ein dickes Lob an den Gitarristen und Sänger selbst. Der schafft es auch im hohen Alter Ende 70 noch, mit seinen wahnsinnig gefühlvollen Leads, Licks und Soli für wohlige Gänsehaut-Momente zu sorgen. Seine markanten Vocals sind zum Großteil geschmackvoll und sicher, Wackler fallen kaum auf. Die formidablen Musiker, die Gilmour um sich schart, machen einen großen Unterschied - das aktuelle Livematerial wirkt deutlich dynamischer, lebendiger und erdiger, als die PINK-FLOYD-Gigantomanie Ende der Achtziger oder Mitte der Neunziger Jahre.

Natürlich fehlen einem bei den PINK-FLOYD-Nummern auf "The Luck And Strange Concerts" Nick Mason und besonders Richard Wright (RIP) schon irgendwo, doch Gilmours Mitmusiker lassen die Songs befreiter und luftiger wirken. Das hört man gut auf der Doppel-CD, deren Klang transparent und präzise, aber zu keinem Zeitpunkt klinisch wirkt.

Gilmour solo: mehr "strange" als "luck"

Das gilt auch für Gilmours Solo-Nummern, die im Vordergrund stehen. Gleich neun von zehn Songs des aktuellen Albums "Luck And Strange" haben es in die Setlist geschafft - und ausgerechnet "Yes, I Have Ghosts" ist nicht dabei. Dazu kommen drei Nummern des Vorgängers "Rattle That Lock".

Trotz der bestens aufgelegten Band und des brillanten Gitarristen Gilmour sind seine Solo-Nummern spektakulär unspektakulär. Wenige Lichtblicke finden sich mit dem wirklich packenden "In Any Tongue", der zweiten Hälfte von "The Piper's Call", "Scattered" mit seinem tollen Solo und den Gastbeiträgen von Gilmours Tochter Rosary in "Vita Brevis" und "Between Two Points", welche die Nummern vor der völligen Bedeutungslosigkeit bewahren. Der Rest ist weichgespültes, seichtes Geschwurbel, das man sich nur anhört, um den Meister an seiner Sechssaitigen zaubern zu hören. Klingt hart, ist aber leider so. Weiß man allerdings auch nicht erst seit gestern - die letzten PINK-FLOYD-Studioalben legten schon vor Jahrzehnten Zeugnis davon ab.

Satt gehörte PINK-FLOYD-Classics

Die andere Hälfte des mit 2 Stunden und 17 Minuten beachtlichen Programms machen die Songs aus, ohne die es (zum Glück) nicht geht. Auch, wenn "A Great Day For Freedom" ebenfalls total verzichtbar ist (und schon immer war), und es kaum was zu hören gibt, was nicht schon auf allen vorherigen Gilmour-Live-Releases zu hören war, machen die PINK-FLOYD-Interpretationen auf "The Luck And Strange Concerts" sehr viel Freude. Das liegt, wie bereits erwähnt, an dem befreiten und leidenschaftlichem Spiel der Musiker.

"Time" wird überraschend schmissig dargeboten, auch "Breathe (In The Air)" brilliert mit lässiger Unaufgeregtheit. Mit seinem selbstverständlichem Understatement wirkt auch "High Hopes" ein ganzes Stück dynamischer und eindringlicher. Es scheint, als habe sich Gilmour von den übergroßen PINK-FLOYD-Fesseln befreit.

"The Great Gig In The Sky" gewinnt durch die zurückhaltende Instrumentalisierung eine ganz neue Facette, der vielfältige Gesang kommt noch stärker zur Geltung. "Comfortably Numb" scheint wie eh und je, das hörbar mitsingende Publikum sorgt für Gänsehautmomente.

David Gilmour plays PINK FLOYD 2024

Gilmours Solo-Sachen kann ich nicht wirklich etwas abgewinnen. Die sind zu sacht, zu poppig, zu unspektakulär. Selbst GENESIS in ihrer zuckersüßen Mainstream-Phase klangen überzeugender. Das schmälert das exzellente Gitarrenspiel und den starken Gesang in keinster Weise - und die PINK-FLOYD-Nummern gewinnen sogar an Dynamik und Frische.

Hörenswert ist Gilmour live also nach wie vor - wenn auch eher in Form einer bei einem Streamingdienst selbstgebastelten "David Gilmour plays PINK FLOYD"-Playlist ohne seinen Solokram. Oder in Form der beeindruckenden audiovisuellen Rückschau "Live At The Circus Maximus, Rome". Inszenierungen an bedeutenden Orten beherrscht er ja, der gute David.

"The Luck And Strange Concerts" Trackliste:

CD1
5 A.M.
Black Cat
Luck and Strange
Breathe (In The Air)
Time
Fat Old Sun
Marooned
A Single Spark
Wish You Were Here
Vita Brevis
Between Two Points
High Hopes

CD2
Sorrow
The Piper’s Call
A Great Day For Freedom
In Any Tongue
The Great Gig In The Sky
A Boat Lies Waiting
Coming Back To Life
Dark And Velvet Nights
Sings
Scattered
Comfortably Numb

Chrischi

Musik ist immer da. Sie ist ein Geschenk und wird nie vergehen. Sie ist Seelentröster, Stimmungsmacher, Runterbringer, Frustbewältigung, Freiheit und Gefühl. Und weil sie oft genug so unfassbar geil ist, sollten wir drüber reden. 

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