Lazarus A.D. - Black Rivers Flow


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Stil (Spielzeit): Thrash Metal (41:43)
Label/Vertrieb (VÖ): Metal Blade (28.01.2011)
Bewertung: 6/10

Link: www.lazarusad.com

LAZARUS A.D. haben es allein mit ihrem Debütalbum „The Onslaught“, 2007 in Eigenregie veröffentlicht, 2009 von Metal Blade weltweit mit Ausrufezeichen unters Volk gebracht, an die Speerspitze der Thrash-Revival-Bewegung geschafft.
Nun ist das verflixte zweite Album da. Und verflixt ist es in der Tat. Was andere wahrscheinlich als „gelungene Erwachsenwerdung“ bezeichnen werden, ist für mich die erste Enttäuschung des noch jungen Jahres. Im Vergleich mit „The Onslaught“, das von ungestümer, jugendlicher Rohheit war – schnell, böse, verspielt und vertrackt, aggressiv und trotzdem irgendwie auch fröhlich, spaßig – erweist sich „Black Rivers Flow“ als glatt, modern, langweilig.

Am Debüt begeisterte mich die Unvorhersehbarkeit des Songwritings, die vielen Ecken und Brüche, die der Spannungsverlauf nahm, die genial unsinnigen Taktwechsel und Geschwindigkeitssprünge. Darüber hinaus war das Geschrei von Frontmann Jeff Paulick Thrash Metal pur – fieses Keifen, hier und da Gangshouts, perfekt. Wahnwitzige Gitarrensoli, die sich ab und an zu Doppel-Leads steigern. Und über allem ein krachig-klares Schlagzeug mit dem besten Beckensound, den man sich vorstellen kann.

„Black Rivers Flow“ hingegen ist glattgebügelt. Statt der Klarheit aller Instrumente stehen nun (wie heutzutage leider üblich) fett bratende Gitarren im Vordergrund; der Preis für diese Modernisierung ist, dass Paulicks Bass nur an Solostellen rauszuhören ist und das Schlagzeug außer dem Rhythmus nichts mehr zur Atmosphäre beitragen kann. Damit ist schon mal ein Großteil jenes unvergleichlichen Oldschool-Feelings, das „The Onslaught“ auszeichnete, flöten gegangen.
Zudem gab es einige Veränderungen im Songwriting. Statt jugendlichem Chaos der Marke „Boah, das Riff ist geil, lass uns das mal da noch hinten dran hängen“ gibt es auf „Black Rivers Flow“ neun fein ausgearbeitete Songs, brav mit Strophe, Refrain, Soloteil. Das Tempo insgesamt wurde um einiges gedrosselt; statt schnellem Thrash-Uffta überwiegen nun stampfende Midtempo-Grooves.
Zu allem Überfluss gibt es in jedem zweiten Song richtigen Gesang. Zugegeben, Paulick und Dan Gapen (Gitarre) machen das ziemlich gut! Teils zweistimmige, mit Verve und ohne schiefe Töne vorgetragene, eingängige Melodien machen aus den Songs Ohrwurmkandidaten.

Problem: So etwas möchte ich nicht hören, wenn ich LAZARUS A.D. in den CD-Spieler einlege! Und wie ich werden wahrscheinlich viele Fans reagieren, mit Verwunderung und Enttäuschung. Moderner Metal statt wütendem Oldschool-Thrash. „Black Rivers Flow“ wird in meiner Playlist schnell wieder von „The Onslaught“ abgelöst werden.

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