Elikan Dew - Cosmic Debris Warning

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Stil (Spielzeit): Indie/Alternative/Rock (40:18)
Label/Vertrieb (VÖ): Eigenproduktion (29.04.11)
Bewertung: 8/10
Link: Offizielle Bandseite

Sonnenstrahlen im Gesicht, mehr liegend als sitzend im Sommer-Sonne-Liegestuhl, das kühle Bier in der Hand haltend, lümmelte ich auf der großen Grünfläche des damaligen Mellow-Parks vor der aufgebauten Openair-Bühne zum alljährlichen Mellow-Jam. Im Rahmen dieser Veranstaltung habe ich ELIKAN DEW zum ersten Mal live gesehen, als Hauptact der dreitägigen Veranstaltung. Damals hatte ich nur einen Gedanken: Hier spielt INCUBUS' Nachwuchs, und das auch noch mit solcher Wucht und Intensität, dass ich damals vor Lokal-Ehrfurcht gleich mal in der Liege blieb, statt aufzustehen und abzuzappeln.

Nicht wenige Jahre später haben sich die Dinge geändert: Der alterwürdige Mellowpark musste wegen großkotziger Kündigungs- und Bauvorhaben stinkreicher Kulturbanausen aka XYZ Immobilien [ Name geändert ;-) ] seinen Platz räumen. Auch ELIKAN DEW haben mittlerweile einige Jahre ins Land gehen lassen, seit sie ihr erstes Album "Meet On Plateau" veröffentlicht haben. In einem offenen Brief an alle Weggefährten, Fans, Freunde und Bandbekannte verkündete die Band vor einiger Zeit, sich nach dem kommenden und letzten Konzert am 29.April 2011 auflösen zu wollen. So sieht man der kommenden Release-Show zum zweiten Album "Cosmic Debris Warning" mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Es ist schade, solche Projekte nach den Jahren der Arbeit dann auseinander brechen zu sehen, einfach, weil man als junger Musiker selbst weiß, wie viel Arbeit dahinter steht, und wie undankbar das Bizz schlussendlich ist. Nun gut, Träne weggedrückt.

Was steckt nun drin, in "Cosmic Debris Warning"? Mehr Indie als Melodic-Rock auf jeden Fall, diese Entwicklung war jedoch recht vorhersehbar für jene (und mich), die den Werdegang der Band verfolgten. "Static Magnetic" macht durch sauber voranstapfenden Beat und warme halb-crunchige Off-Beat-Riffs volle Packung Laune und würde super ins Konzept der Rockbar-Party-Reihe des berühmten Berliner MAGNET CLUBs passen. Wenn Henrik Käthe dann mit seinem Organ in den ersten Vers einsteigt, bekommt der Hörer ein gutes Gefühl davon, was die Anspielung auf INCUBUS vom Anfang sollte. Super! Mit Songs wie "Fen Fire" und "85" geben sich die Jungs partiell vertrauten Klängen der Vergangenheit hin, ohne den trockenen Indie jedoch außen vor zu lassen. Der Bass knatzt angenehm im Ohr, die Gitarren fahren mit weniger Gain und mehr klarer Klangtiefe. In "Short Way To Happiness" verpasst mir der Refrain mit Käthes "[...] we have years and years to come [...]" eine Gänsehaut, die ich von MUSE Sessions her kenne.

Mit "Intrigue In The Cabinet" zaubern ELIKAN DEW weiter astreinen Indie/Pop aus dem Hut, der neben bekannten Größen wie PHOENIX weder gezwungen noch unauthentisch klingt. Ein ähnliches Gefühl erwirkt auch "Goodbye Plastic Smile", der sich mir nach einem Grinse-Intro als saftiger Indiefloor Dancer präsentiert. Der Hang zu weiteren Melodien in Gesang und Melodiegitarre gibt "Cosmic Debris Warning" zusätzliche Facetten, die so manchem fruztrockenen Album des Gernes fehlt. "Never Never Land" und "Mr. Magic V" kommen dann mit einer hingerotzten Laune um die Ecke, dass sich die einstweilige 60er-Attitüde von MY CHEMICAL ROMANCE aufdrängt. Etwas verwirrt bin ich nach "Sweet Shot" und "Gigantic Space Knife", die mit ausladenem Charakter und dem Fehlen bekannter Strukturen etwas neben dem Rest des Albums stehen. Indie mit Prog-Rock, sehr interessant und erinnert an JENIFEREVER. Der letzte Track heißt "Lazuli" und schließt die zweite Platte sehr ruhig und nachdenklich auf knappen drei Minuten. Es ist ein ruhiger, sehender Abtritt, ohne viel Tam-Tam und kidschiges Bamborium.

Wer musikalisch seine Tanzbeine gerne zwischen MUSE, WOLFMOTHER, ETERNAL TANGO oder auch THE SUBWAYS schwingen lässt, hat mit diesem sehr szenig produzierten Album seine helle Freude, für alle Langzeitfans und Begleiter der Band ist es ohne Frage ein Pflichtkauf. Die Band bestritt eine kompetente Wandlung im Strom der Gerne und erklingt auf "Cosmic Debris Warning" trotzdem vertraut. Der Daumen bleibt ganz klar oben für den (leider) schon geträumten Traum.