Samstag, 27 Juni 2026 13:16

Modula Nation - The Rift

Modula Nation - The Rift

MODULA NATION sind die österreichischen FAITH NO MORE: Scheißen auf Trends und Genreschubladen, kombinieren alle möglichen Hard- und Heavy-Einflüsse mit Funk und Elektro, stehen auf pluckernde Bässe und bisweilen harte Riffs und können auch mal echt anstrengend werden. In den 90ern wären die Jungs im Zuge der Crossover-Welle gut mit Bands wie FREAKY FUKIN WEIRDOZ oder MOLOTOV getourt – mit letzteren standen sie passenderweise sogar schon auf der Bühne.

Wir lieben es, Sounds und Genres zu verschmelzen, die wir gerne hören. Es ist wie das Mixen eines verrückten Cocktails. Prost, falls Ihr Lust habt.

— Heinz Wallner, Sänger und Songwriter

„The Rift“ ist nach einigen Singles das erste Album des Vierers aus Graz und startet nach kurzem „Radiosender-Suche“-Intro (vielleicht nicht die originellste Idee) mit dem trocken treibenden, gleichnamigen Space-Rocker „The Rift“, der mich mit Industrial-Riffs und Schreirefrain an FILTER erinnert. Das ist schonmal eine amtliche Referenz, und auch im weiteren Verlauf des Albums fällt mir neben dem gelungenen Soundmix die Dynamik der Aufnahmen sehr positiv auf – die Scheibe klingt ausgesprochen druckvoll, warm und ausgewogen.

"The Rift" Album-Trailer

Groovig und nicht immer leicht verdaulich

„Silicon Carne“ hält ein Lick aus der klassischen Funk-Gitarrenschule bereit, leitet in einen Pre-Chorus mit Bläsern – sehr geil – und mündet in irgendwas Refrainmäßigem, das am Ende in eine Art Wah-Wah-Jam-Session ausartet. Hier poppt nach fünf Minuten das Wort „nervig“ in meinem Kopf auf, aber ich erwähnte es, ab und an wird's anstrengend.

„Headlights“ rockt dafür absolut entspannt und geradlinig nach vorne, biegt in ein fettes Rock-Solo ab und endet vergleichsweise simpel mit melodischem Gesang und Tongewaber. Passt, wie der Österreicher sagt! „The Breakout“ nimmt sich dann mit dickeierigem Slap-Bass seinen Raum und überrascht mit verzerrten Vocals sowie einer vergleichsweise feinen, mehrstimmig gesungenen Melodie im Refrain. Dieser hätte so auch gut auf ein BLACKMAIL-Album gepasst … da sind sie also wieder, die deutlichen Referenzen aus den 90er und 00er Jahren.

MODULA NATION selbst bezeichnen ihren Stil als „Fusion aus Psychedelic-Space-Rock kombiniert mit schweren Industrial-Riffs, komplexen Rhythmen und tighten Grooves“. Ich würde noch Alternative Rock und Electro hinzufügen, wenn man einen Song wie „Shred“ nimmt, für mich übrigens ein Skip-Kandidat: Monotoner Beat trifft auf flirrende Soundscapes, später gekrönt durch nerviges Saitengewichse, bedrohlichen Pressgesang und alles steuert … ja, wohin eigentlich?

„I Won't Let Them“ wirkt da mit seiner prägnanten Textzeile wie Balsam. Auch hier flirren lustige Sounds im Hintergrund, fette Riffs lassen meinen Kopf nicken und der Refrain strahlt mit angenehmen Drum'n'Bass-Vibes und Sitar(?)klängen.

Prätentiöses Finale

„Soul Fever“ sticht als Abschlusstrack mit 80er-Kitschvibe und exaltiertem Gesang heraus. Ein schwülstiges Saxophonsolo und der Switch zu spanischem Gesang machen das Ganze für mich prätentiös und nahezu unerträglich. Erinnert mich an den Glam-Rock von MÅNESKIN und dauert inklusive ausgiebigem Jamteil über 10 Minuten, führt aber letztlich leider auch nirgendwo hin. Mein Gitarrenlehrer mochte solche Musik …

Was bleibt also? MODULA NATION packen auf „The Rift“ das sprichwörtliche Feuerwerk an Ideen in knapp 42 Minuten – und das geht mal richtig gut auf, mal kippt die Experimentierfreude ins Anstrengende. Wer auf FAITH NO MORE steht und mit Musik für Musiker klarkommt, wird jedoch viele Anknüpfungspunkte finden. Und wer's lieber geradeaus mag, sollte vorsichtshalber erstmal in „Headlights“, „The Breakout“ oder „I Won't Let Them“ reinhören.

Modula Nation - "The Breakout" Video
Chris

Als Kind der 90er liebe ich Grunge und Alternative Rock, meine bevorzugten Genres sind jedoch Death, Groove, Dark und Thrash Metal. Ich kann Musik und Künstler schwer voneinander trennen und halte Szene-Polizisten für das Letzte, was Musik braucht. Cool, dass Du vorbeischaust!

Mehr Alternative Rock / Indie Reviews