Hokum - Pi

Stil (Spielzeit): Progressive Heavy Death/Thrash Metal (42:09)
Label/Vertrieb (VÖ): Eigenregie (11.07.08)
Bewertung: 7/10

Link: http://www.hokum.de
http://www.myspace.com/hokumheadquarter

Oans, zwoa, gsuffa!
Allzu alkoholisiert dürften HOKUM ihren ersten Longplayer nicht aufgenommen haben. Denn „Pi“ ist entsprechend dem mathematischen Pendant einer transzendenten Zahl ein Album mit recht komplexer Musik. Die Rand-Münchner versuchen mit ihrer Mischung nach einer Promo und einer EP nun in voller Länge etwas für den anspruchsvolleren Hörer härterer Tonbereiche in die Welt zu exportieren.

Ein Bruch kommt selten allein. HOKUM brechen des Öfteren mit Rhythmen oder Melodien, verlassen aber dabei nicht eine Songstruktur. Hardrockig grooven die Süddeutschen zu Beginn durch ihre kollabierenden Synapsen, prügeln thrashig auf ihr Instrumentarium ein und zwitschern melodiöse Soli dazwischen. Dies alles wird von der Rhythmus-Fraktion auf vielfältige Weise begleitet, wobei man hier eigentlich nicht von Begleitung sprechen kann.
Schon im ersten Track bekommt der Trommler vom Dienst kleine Parts, in denen er die Beweglichkeit seiner Extremitäten demonstrieren darf. Unter anderem in „Live To Suffer“ kommt diese Aufgabe auch dem Mann am Tieftöner zu, so dass auf „Pi“ jeder der Musiker seine Fähigkeiten darstellen darf, was in seiner Gesamtheit ziemlich komplex wird.
Deshalb fällt eine musikalische Genre-Einordnung nicht ganz leicht, wo HOKUM nach Gutdünken Elemente verwenden, die ihnen gefallen. Als im ersten Song der Gesang einsetzt, hätte ich mich zunächst für Thrash entschieden, obwohl ich im selben Moment auch ein kleines bisschen enttäuscht war. Denn es gibt zwar einige Momente, die gesanglich mit Growls ganz ordentlich versetzt werden, aber das so genannte Shouting hat etwas wenig Substanz. Oftmals ist es eher ein Sprechgesang, der den Übergang in aggressives Schreien verpasst hat. Im Sinne eines Wiedererkennens sind die Gesangparts allerdings nicht ganz unwichtig, da neben langen und komplizierten Instrumentalteilen die gesungenen Abschnitte die Struktur der Stücke besser aufrechterhalten.

Viel Zeit für Schwierigkeit bleibt in „The Dawn Of Change“, das mit gut achteinhalb Minuten der längste Song ist. Hier bekommt man auch zum ersten Mal wirkliches Sprechen und cleanes Singen geboten, wofür ich teilweise eher plädieren würde. Bei der Länge dieses Stückes und der vorgeführten Komplexität kommen mir – nicht zum ersten Mal – DREAM THEATER in den Sinn. Man findet einen kurzen Jazz-Einwurf, dann wird wieder gerifft, was die Finger hergeben und auch der Bass klingt mal im Vordergrund. Im Gegensatz zu dem amerikanischen Traumtheater bauen HOKUM aber mehr dissonante Elemente ein, wenn man noch von dem härteren Gesang absieht.
Noch deutlicher erscheinen mir Parallelen zu DREAM THEATER bei dem letzten Stück „?“, welches als zweitlängstes rein instrumental bestritten wird. In dem Schlussstück findet man lustig, kindliche Spielereien, die doch sehr dem „Instrumedley“ der Amis ähneln. Dabei wird man erstaunlicherweise in den über sieben Minuten nicht den Künsten überdrüssig, was nur für die Band sprechen kann.

Mit „Pi“ verweben HOKUM einige Gangarten härterer Klangwelten miteinander. Auf technisch hohem Niveau klingt die Platte filigran, rockig, hart und melodisch. Auch wenn der Gesang streckenweise etwas anstrengend ist und man soundtechnisch wahrscheinlich noch an Kleinigkeiten feilen könnte, sind HOKUM definitiv keine blutigen Anfänger. „Pi“ ist für denjenigen durchaus hörenswert, der sich die Boxen auch mal direkt ans Ohr hängt – oder anders herum.

Manuel

"Größtenteils harmlos."

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