Moshquito - Behind the Mask




Stil (Spielzeit): technischer Death-Thrash (49:56)
Label/Vertrieb (VÖ): Reartone Records (15.02.08)
Bewertung: 8 / 10
Link: www.moshquito.de

MOSHQUITO rockten schon Datschas und die Betriebsspeisesäle westsächsischer VEBs, da flippte (damals flippte man noch) ausgesuchtes FDJ-Publikum zum sagenumwobenen Auftritt des duften Udo Lindenberg über die Plaste-Sitze von „Erichs Lampenladen“. Anfang der 80er also, da wurde eine Coverband mit Namen ARGUS mit Argusaugen von Undercoveragenten des MfS bespitzelt, die die Rudelbildung seltsam gewandeter Gestalten als kultur- und sicherheitspolitische Herausforderung betrachteten. Schikaniert von den dekadenten Klängen PRIESTs, MAIDENs oder ACCEPTs, schikanierten die verschreckten Ermittler der StaSi sicherheitshalber `mal zurück.

Die Truppe benannte sich, ebenfalls sicherheitshalber, in MOSHQUITO um und rüstete auf: SLAYER, ANTHRAX, CELTIC FROST. Ich vermute, dass dieser Umstand das MfS derart zermürbte, das es den späteren Montagsdemonstrationen nichts mehr entgegenzusetzen hatte. --- Nachdem nunmehr zweifelsfrei geklärt ist, wem wir den Mist mit dem Mauerfall zu verdanken haben und alles Geschichte ist: Das MfS, die DDR, der Palast der Republik und mittlerweile auch genannte Bands (auch wenn die das zum Teil noch gar nicht bemerkt haben) können wir uns den Urhebern der gesamtdeutschen Krise zuwenden:

Denn MOSHQUITO sind noch. Und sie erfreuen sich bester Gesundheit. Genau genommen waren sie noch nie so fit wie heute. Und „Behind the Mask“ ganz sicher das beste Album der Vereinsgeschichte. MOSHQUITO A.D. 2007/8 sind keine Coverband mehr und auch nicht mehr die Rumpelthrash-Kapelle der Anfangstage eigener Kreativität.Diverse Demos, drei Full-Length-Alben und eine Live-DVD haben ihre Erfahrungswerte hinterlassen. Man kommt heutzutage mit technisch anspruchsvollem und geschmackvollem Death-Thrash aus dem Knick, der allerdings nur dann wirklich überzeugen kann, wenn der Konsument sich und dem Album Zeit lässt. --- MOSHQUITO sind definitiv keine Ohrwurmlieferanten; kein Track bleibt gleich hängen wie ein „Welcome Home (Sanitarium)“.

Andererseits schaffen sie es, spannende und interessante, harte Gitarrenmusik zu generieren, die nicht auch nach dem 3. Durchlauf noch Spaß macht, sondern ab dem 3. Durchlauf immer mehr Spaß macht. Die Einflüsse und die Erfahrungen sind vielfältig: METALLICA, BLACK SABBATH, DEATH u.v.a.m. Das Ergebnis ist weder leicht, noch unverdaulich. Das Album ist gitarristisch absolut gesättigt mit allem, was mich am Metal begeistert. Romantisch verspielte Akustikparts, knackhartes Riffing und immer wieder saugeile Leads, die den ganz großen Namen in gar nichts nachstehen und dazu komplexes, verspieltes oder auch geradeaus geprügeltes Drumming. Die Zahl der Akkord- und Rhythmuswechsel je Stück ist exakt an der Grenze zur Unübersichtlichkeit. Mehr dürfte nicht sein. Mehr ist aber auch nicht. Auf den Punkt, sofern man nicht schunkelige Hitsingles als notwendig erachtet.
Und während ich bei den ersten beiden Durchläufen den relativ monoton gegrowlten Gesang abturnend und trist fand, stelle ich irgendwann später fest, das der ganz hervorragend passt, weil eine größere Variabilität, bei all dem, was da instrumental abgeht, vielleicht doch eher störend wäre.

Kurzum, je länger / öfter ich „Behind the Mask“ blicke / höre, desto feister wird das Teil. Dass ich, Wessi der ich bin, die Truppe, sprich Gevater Ingo „Igor“ Lohf, quasi als historische „V.I.P.“ erachte, hat damit gar nichts zu tun. Erhöht allenfalls den Sympathiefaktor. Und so genieße ich bei Rotkäppchensekt und einer schönen „Schlager Süßtafel“ einen letzen Durchlauf für heute…

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