Far Beyond Innocence - Torture Circus

far_beyond_innocence

Stil (Spielzeit): Thrash/Death/HC (48:09)
Label/Vertrieb (VÖ): Eigenproduktion (2009)
Bewertung: 7 / 10

Link: http://www.myspace.com/fbiaustria
Schwer einzuordnen... Also wenn ich FAR BEYOND INNOCENCE in irgend eine Genre-Schublade stecken müsste, dann fiele mir das ziemlich schwer. Aber das muss ich ja glücklicherweise auch nicht. Also wenn man mal von der oben angegebenen Stilbezeichnung absieht, welche auch nicht hundertprozentig das trifft, womit uns die fünf Österreicher die Ohren versohlen. Ich würde sagen, die Jungs machen ganz einfach modernen Metal, welcher hauptsächlich aus der Neo-Thrash-Ecke beeinflusst wird. Als am ehesten vergleichbare, bekanntere Gruppierung fällt mir so spontan erst einmal LAMB OF GOD ein. Und bei genauerer Überlegung bleibt es auch unspontan dabei. Gut, die Ami-Aggros haben sicherlich einen deutlich höheren Core-Einschlag als unsere Ösis. Breakdowns oder gar fiese Squeals und dergleichen sucht man auf “Torture Circus” weitestgehend vergebens. Doch die allgemeine Vergleichbarkeit zum „Unschuldslamm“ und ähnlicher Bands ist nicht von der Hand zu weisen.

Allerdings kochen FAR BEYOND INNOCENCE eher ihr eigenes Süppchen. Man kann davon ausgehen, dass das Publikum auf deren Liveauftritten recht gemischt ausfällt, da sowohl Anhänger des guten, alten Thrashmetals à la TESTAMENT an FAR BEYOND INNOCENCE Gefallen finden werden als auch knallbunte Metalcore-Kiddies. Genau wie bei LAMB OF GOD oder auch IN FLAMES will man sich hier auf keine bestimmte Zielgruppe festlegen und blickt von der Bühne mit Sicherheit stets auf unterschiedlichstes Fußvolk herab. Dies mag jedoch momentan auch noch andere Gründe haben.

Denn noch sind die alles andere als Unschuldigen lediglich als Support zu bewundern gewesen. Allerdings für die unterschiedlichsten Bands, welche eigentlich nur eines gemeinsam haben: einen ziemlich hohen Bekanntheitsgrad. So wurde beispielsweise schon mit BIOHAZZARD, SODOM, SUCH A SURGE oder auch den BÖHSEN ONKELZ getourt. Große Namen für eine Band, von der ich bisher noch so gar nichts gehört habe. Das liegt allerdings vermutlich hauptsächlich daran, dass sich bisher noch kein Plattenlabel erbarmt hat, den Jungs einen Vertrag anzubieten.

Und so wurde das Debutalbum der bereits 1998 gegründeten Formation noch komplett in Eigenregie aufgenommen und vermarktet. Das hört man dem Scheibchen jedoch nicht übermäßig an. Die Gitarren kommen zwar etwas drucklos daher, sind jedoch wie jedes Instrument sauber definiert und gut vom Rest abzuheben. Mir persönlich gefällt der Drumsound recht gut, welcher sich mit dumpfer Snare und hervorgehobener Doublebase wohltuend in den Vordergrund drängt.

Auch an der Spielweise der Schießbude gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Wie bereits erwähnt, findet die Doublebase viel Verwendung und der Beat wird überwiegend im mittleren, kopfnickertauglichen Sektor angesiedelt. Weder superschnelle Blastbeats noch übermäßig mitreißende Grooves sind auf „Torture Circus“ ausschlaggebend. Man kann sich die Scheibe perfekt nebenbei anhören, ohne dass sie wirklich auffällt. Ab und an hört man mal plötzlich genauer hin, weil es gerade überdurchschnittlich abgeht, aber die meiste Zeit über beobachtet man sich eher dabei, fast permanent gedankenverloren mitzunicken und nach einer guten Dreiviertelstunde festzustellen, dass die Musik aufgehört hat und das Kopfnicken plötzlich fehl am Platz ist.

Und das ist jetzt weder positiv noch negativ gemeint. Also mich persönlich haben FAR BEYOND INNOCENCE nicht sonderlich vom Hocker gerissen. Allerdings kann ich mir das Album auch gut ein paar Durchläufe hintereinander anhören, ohne dass es nervt. Solide Stromgitarrenkost halt. Nicht viel mehr, aber auch nicht weniger. Daran ändert auch die Tatsache, dass sich gleich zwei der fünf Bandmitglieder ausschließlich mit der oralen Geräuschproduktion beschäftigen, nichts. Denn die beiden maskierten Shouter sind nur schwer voneinander zu unterscheiden, wenn sie uns ihre sozialkritischen Stellungnahmen entgegenschreien. Aus irrationeller Sympathie vergebe ich dennoch ein „richtig gut“...

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