Dargolf Metzgore - Bloodrush

dargolf

Stil (Spielzeit): Deathmetal (27:34)
Label/Vertrieb (VÖ): Eigenproduktion (19.09.09)
Bewertung: 7 / 10

Link: http://www.myspace.com/dargolf
Außen pfui, innen hui... Also die musikalische Darbietung auf „Bloodrush“ ist sehr viel besser, als der Name und das Artwork verspricht. Ich meine – kann man denn einen bescheuerteren Bandnamen wählen als DARGOLF METZGORE? Was ist das? Ein Name? Also falls Dargolf tatsächlich ein geläufiger Vorname sein sollte, bitte ich all diejenigen, welche persönlich darunter zu leiden haben, meine pietätlose Verhöhnung zu entschuldigen. Es geht ja auch mehr um die Kombination mit der abartig lächerlichen linguistischen Kreation „Metzgore“. Da kann man seine Band auch gleich „Akkurater Komposthaufen“ nennen... Naja, zumindest ist dieser Bandname so schlecht, dass er fast schon als genial einzustufen ist. Ebenso wie das Coverartwork, welches sich mit seiner bösartigen Pferdchen-Kreatur auch auf der schmalen Grenze zwischen purer Geschmacklosigkeit und augenzwinkernder Genialität befindet.

Doch genug gewettert. Widmen wir uns lieber den guten und ganz nebenbei auch einzig relevanten Seiten von DARGOLF METZGORE. Was dem potentiellen Hörer auf „Bloodrush“ geboten wird, lässt sich schwer einordnen. Grundsätzlich sind die fünf Schwaben definitiv im Deathmetal-Sektor anzusiedeln. Innerhalb dieser Schubladenbarrieren wandert man jedoch ein wenig umher und besucht sowohl die fiese Deathgrind-Ecke als auch die Winkel, in denen klassischer US- und Schweden-Death regieren. Hauptsächlich hält man sich jedoch in der Melodic-Death-Region auf, um zu beweisen, dass es auch melodisch zugehen kann, ohne poppig wie moderne IN FLAMES oder nervig herumposend wie CHILDREN OF BODOM zu klingen. Am ehesten kann man die melodischen Riffings wohl mit DARK TRANQUILLITY zu ihren besten Zeiten vergleichen. Doch das ist noch nicht alles! Wenn man mal gerade nicht doublebaselastig daherbrettert oder die Tonleiter rauf- und runterklettert, dann ist man auch gerne bereit, die Schublade kurz zu verlassen, um gelegentlich den einen oder anderen Einfluss aus der Heavy-Metal-Tonne zu stibitzen. Leider.

Doch darüber sehe ich angesichts der teilweise wirklich gut abgehenden Bang-Passagen gerne hinweg. Was vor allem begeistert, das ist die Stilsicherheit der Band. Die Songs wirken trotz der Vielzahl an eingeschlagenen Richtungen nie aufgesetzt oder unstrukturiert. Ganz im Gegenteil. Es ist doch sehr verwunderlich, dass DARGOLF METZGORE mit ihrer musikalischen Versiertheit noch kein Label gefunden haben, welches sich bereit erklärt, die Jungs unter seine Fittiche zu nehmen. Andererseits braucht die Band scheinbar auch keine weitere Unterstützung. Wozu einen namhaften Producer verpflichten, wenn man doch auch selber ausreichend in tontechnischen Angelegenheiten bewandert ist? Was Gitarrist Felix Fried auf diesem sieben Tracks umfassenden Zweitwerk zusammengemischt hat, muss sich hinter keiner prominenten Genre-Veröffentlichung verstecken. Der Sound ist klar definiert und ausreichend druckvoll.

Ebenso überzeugend kommt der typische Mix aus solide grunzenden und fies kreischenden Vocals rüber. So muss das sein. Diese Form von Stimmbandbeanspruchung und das schnelle, sichere Drumming erinnert etwas an brutale Deathmetal-Combos wie OBSCENITY, wobei die intensiven Growls und Screams auch auf einem ILLDISPOSED-Album nicht negativ auffallen würden. Frontmann Christian Wolf legt sich wirklich ins Zeug und steht seinem Vorgänger auf der ersten EP in nichts nach. Dieses Debut war zwar noch etwas chaotischer, abwechslungsreicher und auch lustiger, doch wird „Bloodrush“ mit Sicherheit flächendeckender Anklang finden, da die Scheibe wesentlich ausgereifter klingt und mit einem noch besseren Soundgewand versehen wurde. Nun gut, mein Fall sind die melodischen Gitarrendudeleien nicht unbedingt, doch hab ich das auch schon woanders sehr viel penetranter gehört. Vielseitigkeit, Brutalität, jede Menge Groove und vor allem Songs wie der geniale, mit einem richtig schön bösartigen Refrain ausgestattete Titeltrack reißen das Album dann doch noch raus...

Mehr Death Metal Reviews