Eyehategod - A History Of Nomadic Behavior Tipp

Eyehategod - A History Of Nomadic Behavior
    Sludge Doom Metal

    Label: Century Media
    VÖ: 12.03.2021
    Bewertung:9/10

    Eyehategod


EYEHATEGOD sind schon ein Phänomen: Mehrmals aufgelöst und wiederbelebt, liefern die Südstaaten-Jungs beinah regelmäßig unregelmäßig – mit vielen Jahren Pausen zwischen ihren Werken – fies-geniale Alben und konnten trotzdem nie den Status einer Underground-Band hinter sich lassen.

Sound aus dem Untergrund ...

So hat sich die Band um den genialen, in zig Bands mitmischenden Jimmy Bower und ihren wahnsinnigen und nahtoderfahrenen Sänger Mike IX Williams knapp sieben Jahre Zeit gelassen, mit „A History Of Nomadic Behavior“ den Nachfolger zu dem 2014 erschienenen Werk „EyeHateGod“ einzutrümmern. Diese lange Zeit hat das Quartett also nicht nur mit mehreren Touren verbracht, sondern auch nebenbei ein verdammt gutes neues Werk aufgenommen.

Und wieder einmal liefern EYEHATEGOD das ab, was man von ihnen erwartet und was sie am besten können: einen dreckigen Bastard aus Southern Sludge Metal, gepaart mit crustigen, grungigen und doomigen Einflüssen. Die Songs kommen ohne jeglichen Schnickschnack daher – straighte brutale Riffs, wenige Melodien und nur gelegentliche Soli reichen EYEHATEGOD, um ihren Sound auf die Welt loszulassen. Über jedem Riff thront die wahnsinnige und verstörende Stimme von Mike IX Williams, der wie eh und je Gift und Galle spuckt und faucht.

In den Texten verarbeitet die Band alles, was sie zusammen die letzten Jahre erlebt hat. Den Hurrikane, die schwere Lebererkrankung des Sängers, politische Ungerechtigkeiten, stressigen und unbequemen Touralltag und auch die aktuelle Pandemie. Trotzdem weigert sich die Band, sich selbst als politisch zu bezeichnen. Williams sagt dazu:

“We’re not a political band, but it was hard not to be affected by the news from the past year. During this recording, I thought a lot about how stupid humanity has become and how America is now completely divided with these people who don’t believe in science and blindly follow liars and nonsensical ideologies. Some of those feelings maybe found their way into these songs, but it is mostly subliminal.”

Das glaube ich ihm jetzt mal so, obwohl sich die knapp 40 Minuten doch anders anhören. Generell sind EYEHATEGOD-Alben schwer verdauliche Kost, was dazu führt, dass man nach einem Hördurchgang erst einmal eine Erholungspause braucht, bevor man sich ein zweites Mal an die Songs trauen will.

... oder doch Kult?

Im Endeffekt lohnen sich aber immer mehrere Hördurchgänge: EYEHATEGOD-Alben liegen zwar schwer im Magen, wissen aber durchaus zu überzeugen. Allerdings fällt einem beim Durchhören wenig Entwicklung oder Veränderung auf, wodurch viele Hörer wahrscheinlich denken, dass ein Album wie das andere klingt. Gegebenenfalls ist das auch der Grund, warum EYEHATEGOD nie den Status des Geheimtipps verlassen konnten.

Ich persönlich liebe die Jungs genau aus diesem Grund – es sind eben manchmal doch die kleinen Nuancen, die schwer auszumachen sind und jedes EYEHATEGOD-Album unvergessen werden lassen. Ich bin froh darüber, dass diese verrückte Band dann und wann mal verstörende Geräuschkulissen abliefert, ohne sich großartig verändert zu haben.

Fazit

Underground hin oder her, EYEHATEGOD haben bei mir eine Art Kultstatus, allein schon für ihren einzigartigen Sound. Und “A History Of Nomadic Behavior” untermauert diesen Status definitiv. 

Line-Up:
Mike IX Williams – Gesang
Jimmy Bower – Gitarre
Gary Mader – Bass
Aaron Hill – Drums