The Beauty Of Gemina - The Myrrh Sessions

The Beauty Of Gemina - The Myrrh Sessions
„Don´t fear the silence – discover the difference", die Worte aus dem ersten Trailer zum Album sagen bereits viel über das nunmehr fünfte Album der Schweizer Synthie-Rocker THE BEAUTY OF GEMINA aus. Mit „The Myrrh Sessions" wagt die Band um Mastermind Michael Sele wie derzeit viele Acts die Veröffentlichung eines Akustikalbums. Kann die LP, die mit zahlreichen Neuinterpretationen und zwei neuen Songs aufwartet, aus der Masse herausstechen? Nun, wir werden sehen...

Mit dem Opener „Myrrh I" öffnet sich das Tor zu jener Welt, die THE BEAUTY OF GEMINA von einer vielleicht nicht gänzlich anderen, aber doch von einer neuen Seite zeigt. Der Instrumentalsong, der nur auf dem Piano gespielt ist, wirkt zunächst sehr komplex, vermag jedoch durch das Spiel mit unterschiedlichen Dynamiken eine Art erwartungsvolle Spannung aufzubauen und zu halten, bevor er dann mit wenigen leisen Tönen ausklingt.

Generell ist der Sound der Platte mit den verschiedenen Instrumenten, seien es die Gitarren, das Piano, die Percussions oder die Violinen, sehr gut abgemischt. Michael Seles Stimme, die gewohnt schön dunkel und sanft ist, erinnert jetzt, da sie im Akustikgewand stärker im Vordergrund steht, teilweise stark an CHRIS REA.

Bei „Narcotica" fällt der Kontrast zur Originalversion ziemlich deutlich aus. Akustisch klingen die Gitarren schon fast ein wenig nach Country und der Song ist wesentlich langsamer, weswegen der Songtext mit den vielen Wiederholungen von „I wish myself away" stärker ins Zentrum rückt.
„Rumours" gefällt mir im Original schon sehr und ist für mich hier sehr gut umgesetzt. In der Instrumentierung setzt das Piano schöne Akzente.

„Suicide Landscape", welches neben „Dark Rain" für mich den Höhepunkt des Albums bildet, ruft bei mir schon mit der ersten gesungenen Zeile Gänsehaut hervor. Das Original zeichnet sich ja durch tolle tanzbare Beats aus – hier wird die Düsternis in der verlangsamten Version stärker ausgekostet. Die Violinen, die die Melodie der Rhythmusgitarre übernehmen, steigern sich mehr und mehr, was wunderbar zu den gesungenen Wiederholungen der Zeile „Still dancing in my hand" passt. Dazu kommen gegen Ende die Percussions mit geschickt eingesetztem Becken. Das Tutti mit Piano wird schneller und schneller, bis es schlagartig vorbei ist. Nice.
In „Listening Wind" taugt mir die wunderbar düstere Dramatik, die durch den modernen Violinsound unterstrichen wird. Seles Stimme hat eine gewisse Eigenheit, die mir auch beim Hören der anderen Songs auffällt. Es ist einfach nicht die ganze Zeit die typische männliche „Gothictonlage".
Auch „Kingdoms Of Cancer gefällt durch seine sehr schön ausgearbeitete Instrumentierung.

Leider flacht „The Myrrh Sessions" zum letzten Song hin merklich ab.
„The Lonesome Death Of A Goth DJ" ist wirklich sehr, sehr verändert, ich erkenne es im neuen Stil kaum wieder. Man könnte den Sound als gut gespielte Loungemusik mit gewisser Würze bezeichnen. Vor allem das schnelle Gitarrenpicking fällt hier auf. Insgesamt jedoch „einhörbedürftig". „Last Night Home" kann mich dann auch nicht mehr zurück auf das vorherige Begeisterungslevel bringen und nach dem mir teilweise zu hoch gesungenen „Stairs" wirkt „Obscura" trotz schöner Momente nur mehr wie ein letztes Aufbäumen vor dem unweigerlichen Ende mit „Last Words".

Alles in allem kann ich guten Gewissens eine Kaufempfehlung an all diejenigen aussprechen, die die Musik von THE BEAUTY OF GEMINA schon kennen und lieben gelernt haben. Für einen Fan ist dieses Album das I-Tüpfelchen, denn es zeigt die Band wirklich noch einmal von einer anderen Seite und beweist, dass die Musiker wirklich mit Herzblut und einer Menge Können bei der Sache sind. Ich fand zwar das Debütalbum „Diary Of A Lost" ziemlich gut und habe mich gefreut, dass so viele Songs davon auf „The Myrrh Sessions" gelandet sind, aber mir fehlt dennoch die Fantiefe und gegen Ende die Spannung, um dieses Album auf die gleiche Stufe mit dem für mich bisher besten Akustikalbum, „Acoustic" von DEINE LAKAIEN, stellen zu können.

Tracklist:

01. Myrrh 1 – 4:04
02. Narcotica – 4:08
03. Rumours – 3:58
04. Suicide Landscape – 4:37
05. Dark Rain – 4:23
06. Listening Wind – 4:39
07. Golden Age – 3:31
08. The Lonesome Death Of A Goth DJ – 4:57
09. Hunters – 6:19
10. Kingdoms Of Cancer – 5:39
11. Myrrh II – 2:15
12. Last Night Home – 5:54
13. Stairs – 4:38
14. Obscura – 4:55
15. Last Words – 2:42