X-odus - Your Doom Proceeding



(Symphonischer) Black Metal
Label/Vertrieb (V.Ö.): Faithless Wreckords (Ende 08)
Bewertung: 7,5 / 10
Link: http://www.x-odus.com/

Auch wenn das Album „nur“ 7,5 Punkte bekommen hat, möchte ich es euch ans Herz legen. Mehr ging nicht, da es doch einige Schwächen aufweist, die man objektiv nicht wegdiskutiert bekommt. Der Sound ist oft (merkwürdigerweise: nicht immer) eher etwas flach und unterkühlt und schafft es nur bedingt, die eingeplante Aggressivität auf den Hörer überspringen zu lassen. Außerdem sind die Songs nicht immer schlüssig durchstrukturiert.

Und dennoch: das Teil hat mir von der ersten Sekunde an höllisch viel Spaß gemacht und fühlt sich zumeist eher wie eine „9“ an. Nur und nur geil. Woran liegt’s? Hmm…Erst mal die Band kurz vorstellen: X-ODUS sind aus der Ecke Worms / Alzey und obwohl es sie seit 2001 gibt und sie in Eigenregie auf ihrem Zwergenlabel Faithless Wreckords nun schon das vierte Album veröffentlichen, tippe ich mal, das sie kaum einer kennt. Was für Beteiligte wie Unbeteiligte ab „Your Doom Proceeding“ eher schade wäre…

Als letztes Urmitglied ist ein „Thomas“ verblieben, der mittlerweile die Gitarre von einem „Dirk“ übernommen hat und auch für die Regler zuständig ist. Und nunmehr wohl auch wesentlich für das Songwriting: denn bislang scheinen (lt. gefundener, eher negativer Reviews) Death & klassischer und Nu-Metal dominiert zu haben. Deren Reste kann man vielleicht auch immer noch erkennen.

Aber es hat sich eine sehr schwarzmetallische Schlagseite eingeschlichen, was bei den Haupteinflüssen von Thomas, nämlich ANOREXIA NERVOSA, DIMMU BORGIR, NAGLFAR, EMPEROR auch nicht weiter verwundert. Da gibt’s aber auch noch mehr Leute mit ganz anderen Einflüssen… Das kann man alles auf der Homepage nachlesen.

Auch nicht so spannend ist die Sub-Lade, in die man X-ODUS stopfen könnte. Black Metal (der symphonischen Art) ward erwähnt. Daneben etwas MeloDeath und Thrash. Und das Keyboard dringt auch mal in Gothic- / Soundtrack-Bereiche vor… Einmal gemahnt ein Klargesang. an Emo und anderes Zeug für Studenten der Sozialpädagogik.

Viel spannender ist, dass die Jungs irrsinnig Spaß machen. Mir. Und woran lag’s doch gleich?

Schlichtweg am Spielwitz; der sich zwar nicht nur in der Gitarrenarbeit austobt… aber dort ganz besonders. Die ist filigran, technisch versiert und hat häufiger als der Rest auch mal einen stattlichen Sound abbekommen. Aber das klingt alles viel zu sachlich und ernst. Und wird der Band und ihrem Gute-Laune-Black-Metal nicht gerecht.

Ich krieg das Grinsen nämlich kaum noch aus dem wackelnden Kopp über diese Spielfreude und das Album rotiert und rotiert nun schon so einige Male … Das Grinsen resultiert aber auch daraus, dass die Kapelle dieses geile Black-(MeloDeath)-Riffgewitter mit einem gut vernehmlichen Augenzwinkern vorträgt.

Das ist alles Cliché pur und dennoch kein Klamauk; musikalisch darf man das ernst nehmen, auch wenn der Spaßfaktor über die „10“ hinauszuschießen droht… und die Keys ein, zwei Mal etwas sehr dick auftragen --- geschenkt! (Selbst-) Ironie ist eine so seltene Gabe... besonders im METAL! Zumal die Keys in der Regel die weiteren atmosphärischen wie die humoristischen Highlights des Albums stellen…

Rätselhaft bleibt mir indes, wie es möglich ist, mit einem so kruden Musikgeschmack, dessen Einfluss man auch noch gut heraushört, eine derart spielwitzige Mucke zu fabrizieren. Rätselhaft auch, wie man zweierlei schafft: völlig ausgelutschte BM & DM Riffs so zu arrangieren, das das Resultat frisch wie der junge Morgen wirkt (erinnert mich in diesem Punkt an die griechischen Symphonic Black Metaller von TRANSCENDING BIZARRE?); und: wie man es schafft so viele Breaks einzubauen und dabei so locker, beschwingt und kompakt rüberzukommen, dass man fast darüber hinweg hört.

Ich finde zwar außer EMPEROR alle o.g. Referenzen mal so richtig sch…, aber als Einflusshaber scheinen sie wirklich etwas zu taugen, wie „TB?“ und nun X-ODUS beweisen.

Wer grundsätzlich auf Black und MeloDeath steht und dazu etwas Humor hat (sehr groß ist die Schnittmenge ja wohl nicht), tut sich den Gefallen und besorgt sich das vielleicht fröhlichste Black Metal Album aller Zeiten.