Freitag, 27 März 2026 06:05

Timeless Rage - My Kingdom Come Tipp

Timeless Rage - My Kingdom Come
    Symphonic Power Metal, Prog

    Label: Metalapolis
    VÖ: 27.03.2026
    Bewertung:8/10

    Bandpage


Symphonic Power Metal ist nicht gleich Symphonic Power Metal – das hat mir dieses Album mal wieder deutlich vor Augen geführt. Fanfaren, Streicher, opulente Chöre, Gesang in der Frequenz einer Hundepfeife? Fehlanzeige! Zwar unterlegt die süddeutsche Band TIMELESS RAGE auch ihre Songs mit orchestralen Sounds, das wirkt jedoch angenehm reduziert.

Was auf ihrem Zweitling „My Kingdom Come“ vor allem ins Auge sticht, sind die anspruchsvoll verschachtelten Songstrukturen, wie ich sie eher aus dem „Prog-Light-Bereich“ kenne. Getragen werden die Stücke zudem durch die beeindruckenden Vocals von Nicolaj Ruhnow, der einen mit seiner Interpretation der unterschiedlichsten Gefühlszustände und Charaktere fast schon in den Bereich eines Metal-Musicals entführt. Ein irgendwie leicht sperriges und zugleich eingängiges Album – sofern man sich ausreichend Zeit nimmt, um diese Eingängigkeit für sich zu entdecken.

Timeless Rage Bandfoto 2026 AUSSCHNITT
TIMELESS RAGE (Pic: Promo)

Gegründet wurden TIMELESS RAGE im Jahr 2012 in Villingen-Schwenningen. Nach der EP „Forecast“ (2013) beschränkte sich die Gruppe zunächst auf ihre Live-Aktivitäten und das kontinuierliche Weiterentwickeln der eigenen musikalischen Fähigkeiten. 2022 folgte mit „Untold“ der erste Longplayer, im Vorprogramm von u.a. U.D.O, AXXIS, MOB RULES oder MASTERPLAN wurde weiter Bühnenerfahrung gesammelt.

2023 konnte die Band Nicolaj Ruhnow als Sänger gewinnen, der unter anderem als Frontmann der deutschen Melodic-Metal-Band DOMAIN bekannt ist und zudem von 2010 bis 2014 bei der britischen NWOBHM-Legende TOKYO BLADE am Mikro stand. Und man muss sagen, der Mann verleiht dem Sound von TIMELESS RAGE etwas wirklich Eigenständiges. Mal episch, dann wieder bedrohlich grollend oder verzweifelt – das Ganze hat etwas Theatralisches, an das man sich erstmal gewöhnen muss, das aber hervorragend zu den Geschichten passt, die in den Songs erzählt werden.

Video „The Devil’s Masquerade“

Der Opener und Titeltrack „My Kingdom Come“ gehört zu den eingängigeren Stücken auf dem Album. Nach flottem Beginn folgen hier mehrere unterschiedliche Parts sowie ein hymnischer Refrain, die geschickt miteinander verwoben sind. Deutlich schwermütiger und fast ein wenig orientalisch angehaucht geht es danach bei „The Seed Of Fear“ zu.

Man merkt: Hier ist eine über lange Zeit gewachsene, auf allen Positionen stark besetzte Band am Start, die sich viel Zeit genommen hat, um an ihren Kompositionen zu feilen, und die bereit ist, ihr Publikum zu fordern. Die Lyrics auf dem Album handeln von Themen wie Freiheit, Macht, Liebe, Selbstzweifeln und dem ewigen Kreislauf von Leben und Tod.

Lyric Video „We All Shall Fall“

„The Devil’s Masquerade“ ist dann so etwas wie der heimliche Hit der Scheibe und überzeugt durch die starken Arrangements der Gitarristen Michael Benk und Christian Pirch im Zusammenspiel mit Keyboarderin Anna Keil. Die Atmosphäre des Songs lässt vor meinem inneren Auge Fantasien einer wilden Jagd durch düstere Katakomben im Stil von „Phantom der Oper“ erscheinen. Auch das ist eine der Stärken dieses Albums: TIMELESS RAGE gelingt es, in den Köpfen ihrer Hörerschaft Bilder zu kreieren und diese zum Leben zu erwecken.

Der vierte Song „Conquistadores“ konnte mich zunächst nicht vollends überzeugen – eine Einschätzung, die ich mittlerweile überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann. Das Stück bleibt im Ohr und ist inzwischen zu meinem persönlichen Highlight avanciert. Danach folgt „Moonbite Serenade“, das zu den atmosphärisch dichtesten Momenten auf dieser Scheibe gehört. Stark, fast wie ein Film-Soundtrack, beginnt auch „A Vampire’s Legacy“, wobei hier der Chorus nicht ganz mit der tollen Strophe mithalten kann.

Video "My Kingdom Come"

Auf genretypische Melodic-Speed-Songs verzichten TIMELESS RAGE komplett, und wenn man in seinen Songs so viele verschiedene Parts durcheinandermixt, läuft man durchaus Gefahr, auch mal den roten Faden zu verlieren oder Langeweile zu produzieren. Doch die Band bekommt zum Glück immer wieder die Kurve. Gegen Ende, bei den Stücken „The Enemy Is You“ und „We All Shall Fall“, darf auch die Rhythmusfraktion Klaus Buchfink (Schlagzeug) und Daniel Wengle (Bass) das Tempo nochmal deutlich anziehen. „The Pale Death“ rundet die Scheibe atmosphärisch hervorragend ab.

Fazit: „My Kingdom Come“ ist ein wirklich starkes und anspruchsvolles Album, das sich aus dem Wust von Veröffentlichungen im Symphonic Power Metal abzuheben weiß. Fans von Bands wie STRATOVARIUS oder MOB RULES, die es auch gerne mal ein wenig frickeliger mögen, sollten auf jeden Fall ein Ohr riskieren – und das am Besten mehr als einmal. Nur zu gerne würde ich mir bei Gelegenheit ein Konzert von TIMELESS RAGE zu Gemüte führen – allein schon, um Sänger Nicolaj Ruhnow mal live in Aktion zu erleben.

Anspieltipps: „The Devil’s Masquerade“ / „Conquistadores“ / „Moonbite Serenade“ / „The Pale Death“

„My Kingdom Come“ Tracklist:
1. My Kingdom Come
2. The Seed Of Fear
3. The Devil’s Masquerade
4. Conquistadores
5. Moonbite Serenade
6. A Vampire’s Legacy
7. Regrets
8. The Enemy Is You
9. We All Shall Fall
10. The Pale Death

TIMELESS RAGE Bandbesetzung:
Nicolaj Ruhnow – Gesang
Anna Keil – Keyboards, Backing Vocals
Christian Pirch – Gitarre, Backing Vocals
Michael Benk – Gitarre, Backing Vocals
Daniel Wengle – Bass, Backing Vocals
Klaus Buchfink – Schlagzeug

Marcus

Als Kind geprägt durch die umfangreiche Plattensammlung meines Vaters, in der von BAP bis Motörhead alles vertreten war, sowie eine dauerhafte Infektion mit dem Kiss-Virus (seit 1979 nicht mehr abgeklungen), entwickelte sich äußerst früh meine Begeisterung für Rock, Hardrock, Metal und Konzerte. Und abgesehen von Paul Stanley und Co. gilt in meinem Fall: Je kleiner, desto feiner! Diese unglaubliche Energie, die ein Clubgig entfachen kann, ist für mich mit nichts zu vergleichen. Insofern ist es gar nicht hoch genug zu bewerten, dass es auch nach Corona und trotz bedenklicher Preisentwicklungen kleine Veranstalter und Locations gibt, die mit Herzblut dafür kämpfen, auch unbekannteren Künstlern eine Bühne zu bieten – das ist keine Selbstverständlichkeit! Daher: Support your local clubs and bands!

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