Caliban - Say Hello To Tragedy



Stil (Spielzeit): Metalcore (49:59)
Label/Vertrieb (VÖ): Century Media (21.08.09)
Bewertung: 7,5/10
Link: http://www.myspace.com/caliban
Am Anfang dieses Reviews ist eindeutig Metalcore als Stil angegeben. Nun mögen sich manche Menschen (oder eher Hardcore-Fans) darüber aufregen, schreien, mit den Fäusten hämmern, ungläubig mit dem Kopf schütteln, denn: Metalcore - das ist doch DIE Schublade überhaupt, mittlerweile gerne genommen für alles, was harte Gitarren und den Wechsel aus Growls und cleanen Vocals besitzt. Und doch hilft es nichts: CALIBAN passen auch mit ihrem siebten Album einfach perfekt in diese Schublade und lassen kaum ein Metalcore-Klischee aus. Die Überraschung: Ihnen ist trotzdem (oder gerade deswegen) erneut ein richtig gutes Album gelungen.

Die Deutschen mögen sich auf „Say Hello To Tragedy" zwar experimenteller als in der Vergangenheit geben, ein Befreiungsschlag, mit dem sie den Metalcore weitestgehend hinter sich lassen, gelingt ihnen allerdings nicht. Vielleicht will die Band das aber auch gar nicht. Und man muss den Musikern attestieren, dass sie das, was sie machen, sehr routiniert und annähernd perfekt tun. Schlecht, das sei ganz klar gesagt, ist keine einzige der neuen Nummern. Eine Abrissbirne wie „24 Years" kann man sich als CALIBAN-Fan nur wünschen, „End Of Sickness" ist ebenfalls ein gefundenes Fressen für die Moshpit-Fraktion, „Calibans Revenge" hingegen enthält intensive Melodien. „Walk Like The Dead" enthält ambitionierte cleane Vocals und dreht das typische Konzept einmal um: Statt direkt heftig loszuballern und erst im Chorus melodisch zu werden, wird schon zu Beginn hochmelodisch musiziert, bevor gebolzt und dann der anfängliche Chorus wiederholt wird. Auch Keyboards kommen mittlerweile zum Einsatz („No One Is Safe"), „All I Gave" hingegen könnte fast als Ballade durchgehen - wenn da nicht die Growls wären. Trotzdem lebt der Song von seiner bedrückenden, tieftraurigen Stimmung.

Der Sound von „Say Hello To Tragedy" ist vor allem eins: wuchtig, wuchtig und nochmals wuchtig. Die richtige Anlage vorausgesetzt, drücken einen die Gitarren permanent gegen die Wand, verursacht das Schlagzeug heftige Tritte in den Magen. Dass die Musiker selbst ihr Handwerk absolut hervorragend verstehen, muss eigentlich nicht zusätzlich erwähnt werden.

Obwohl sich CALIBAN knietief im Metalcore-Morast bewegen, hat „Say Hello To Tragedy" seine abwechslungsreichen Momente und klingt ambitioniert, allerdings nur in Maßen. Wenn die Deutschen noch einen Ticken experimenteller und melodischer zu Werke gegangen wären, hätte ich noch einen halben Punkt mehr vergeben. Das wird CALIBAN-Fans nicht stören (oder vielleicht doch, die Kommentare werden es zeigen...), die werden sich das Teil eh holen. Wer außerhalb der Fanschar einfach nur starken, aber teils vorhersehbaren Metalcore genießen möchte, sollte sich „Say Hello To Tragedy" jedoch ebenfalls gönnen.

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