Korpiklaani - Karkelo



Stil (Spielzeit): Folk Metal/Humppa (51:25)
Label/Vertrieb (VÖ): Nuclear Blast (24.06.09)
Bewertung: 7,5/10
Link: http://www.korpiklaani.com
Es gibt im Viking oder Pagan Metal angesiedelte Bands wie MOONSORROW, die mit zwei überlangen Kompositionen eine ganze CD ausfüllen können und für so viel Abwechslung und Anspruch sorgen, wie es manche Bands nicht mit fünf Alben schaffen. Es gibt aber auch Bands, die ebenfalls auf ein großes instrumentales Spektrum zurückgreifen und in ihrer finnischen Heimatsprache singen, dabei aber Wert auf einfache Partysongs legen. Eine solche sind zweifellos KORPIKLAANI, die mit „Karkelo" immerhin schon ihr sechstes Album seit 2002 veröffentlichen.

Jeder, der sich eine KORPIKLAANI-Scheibe anhört, weiß im Grunde, was ihn erwartet: Größtenteils finnischsprachiger, fröhlicher Folk Metal mit vielen Akkordeon-Einsätzen und anderen „Naturinstrumenten", sprich, das Keyboard wird nie benötigt. „Alles schon mal gehört", könnte man meinen, und tatsächlich können KORPIKLAANI sicher keinen Innovationspreis einheimsen. Allerdings muss hier ein dickes „aber" folgen, denn „Karkelo" macht eine erstaunlich gute Figur. Zuerst fällt auf, dass das Album fantastisch produziert wurde und mächtig drückt. Ein solch fetter Sound sorgt direkt für einen positiven Eindruck, aber auch an der Musik gibt es kaum etwas zu meckern. Die Songs auf „Karkelo" klingen nämlich überraschend abwechslungsreich und nur selten wirklich aufgesetzt schunkelig. Neben Uptempo-Partyhits wie „Vodka" und „Juodaan Viinaa" gibt es auch etwas gemäßigtere Songs („Uniaika", das schleppende „Huppiaan Aarre) und überhaupt sehr melodische Nummern („Isku Pitkästä Ilosta" oder das gar nicht mehr so fröhliche „Kultanainen"; der Brecher „Sulasilma" wird von einem sehr eingängigen Lead eröffnet). „Mettänpelion Valtiaalle" stellt sogar ein kleines Epos dar, das mit einem ruhigen Akustikpart beginnt und wieder endet. Keine Frage, neben dem partytauglichen Material, für das KORPIKLAANI eigentlich stehen, gibt es auf „Karkelo" auch so einige Momente, die jeden Folk Metal-Begeisterten ansprechen sollten, der eigentlich sonst nicht so viel mit dieser Band anfangen kann.

Für mich stellt „Karkelo" eine angenehme Überraschung dar und ist eben nicht der erwartete Humppa-Overkill geworden. Die Scheibe weiß im Gegenteil durch Abwechslung zu punkten, auch wenn das natürlich nichts daran ändert, dass die Vocals von Fronter Jonne immer noch nicht das sind, was man als wirklich guten Gesang bezeichnen würde. Andererseits passt seine Stimme natürlich perfekt zum Stil, und das Endergebnis klingt rau, melodisch, frisch und fett, so dass das neue KORPIKLAANI-Album jedem Folk Metal-Fan mit leichten Abstrichen empfohlen werden kann. Es sei denn, man kann wirklich gar nichts mit fröhlichen Sounds anfangen und benötigt ein wenig Anspruch, dann sollte man einen großen Bogen um „Karkelo" machen...