Palmer – Surrounding The Void

Palmer – Surrounding The Void
    Post-Metal, Sludge

    Label: Czar Of Bullets
    VÖ: 24.02.2017
    Bewertung:7/10

    palmernoise.com


Nach sechsjähriger Pause beglückt uns die Schweizer Combo PALMER mit ihrem dritten Album „Surrounding The Void“, das wieder über das Label Czar Of Bullets vertrieben wird, und mit dem sie sich in der internationalen Post-Metal-Szene den gebührenden Respekt verschaffen wollen.

Nach der Gründung 2000 und der ersten EP 2004 folgte 2008 das Debüt „This One Goes To Eleven“ und 2011 dann die zweite Scheibe „Momentum“. Der lange Zeitraum zwischen den Veröffentlichungen spiegelt sich auch im typischen langsamen und schwerfälligen Slowmotion-Sound wider. Bereits optisch macht sofort das Bandlogo neugierig, das als Ambigramm gestaltet ist, und somit um 180 Grad gedreht als gleicher Schriftzug wieder lesbar ist.

Der Opener „Home Is Where I Lead You" begleitet uns durch karge Post-Metal-Landschaften, in der schneidende Riffs kantige Felsen formen, an denen sich die brüllende Stimme von Sänger Steve Diener reibt. PALMER begehen Pfade, die Genre-Pioniere wie NEUROSIS oder ISIS bereiteten, verlassen diese allerdings immer wieder, um in progressive Gefilde vorzudringen und sphärische Soundscapes auszukundschaften.

Der Hörer macht sich auf einen beschwerlichen Weg. Ihn erwartet ein Wechselbad der Gefühle. Vorbei an zähfließenden Lavamassen taucht er ein in die heißen Quellen des Prog-Rock, der mit cleveren Breaks und einer Menge Stilvariationen Kontraste erstellt, nur um im nächsten Moment den eiskalten Gewässern des Ambient zu entsteigen. „Mysery“ zieht einen unaufhaltsam in einen Sludge-Sumpf, aus dem man gerade noch vom ruhigen Mittelteil gerettet wird, bevor der etwas proggigere Sog nach unten am Ende wieder zunimmt.

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PALMER – Headbanging in Zeitlupe

Die Eidgenossen marschieren nicht durchs Album. Die entladene Wut zwingt sie in die Knie. Mit der post-metallischen Last auf den Schultern kriechen sie. Auf der wahnsinnigen Alptraumreise „Divergent“ wird der Hörer in der unheimlichen, hallenden Atmosphäre einer Höhle zurückgelassen, bis ihn das instrumentale Licht „Artein“ den Weg nach oben in Ruhe und Harmonie weist, das aber in seiner Abgespactheit unterschwellig schon wieder die Bedrohung andeutet.

Mal schleppt sich die Musik staubtrocken durch die gleißende Stoner-Rock-Wüste, bevor ein ins Gesicht gießender schwarzer Regen diese wieder in eine finstere Soundwelt verwandelt. PALMER bleiben unberechenbar. Wilde und komplexe Auswüchse in „Digital Individual“ und „Fate_Hope“, die auch gerne sperrig in VOIVOD-Art daherkommen, ziehen hypnotisch in den Bann. Im Brocken „Importunity" findet man noch den höchsten Anteil an Metal-Erz – mit einem wuchtigen Riff, dem später sogar so etwas wie ein Solo folgt. Das ist Headbanging in Zeitlupe.

„Rising" wird zu einer Berg- und Talfahrt, in der die beiden Pole Spannung und Entspannung ein äußerst dynamisches Szenario bieten. Zarte, soundtrackartige Parts wechseln sich mit wütenden, verstörenden Eruptionen ab. Wie ein schwarzes Loch saugt der letzte Track „Implosion“ alle Elemente des Albums mithilfe postrockiger Klänge in sich auf und zeichnet ein pessimistisches Zukunftsbild von Leere. Einziger Stolperstein auf der Reise, der einen zu Boden zwingen könnte, ist ein gewisses Gefühl von Langatmigkeit und Trägheit, das einen mit wachsender Spieldauer überkommt. Aber es liegt eben in der Natur der Sache, dass PALMER gerade die tiefste Gangart auf diesem anstrengenden Trip bevorzugen.

Wie man es dreht und wendet: PALMER liefern auf „Surrounding The Void“ gut produzierten Metal mit künstlerischer Tiefe ab, mit dem man sich in stilistischen Ausflügen auf eine Odyssee in das Unheilvolle begibt.

Besetzung:


Jan Wälchli – Gitarre

Ueli Heiniger – Bass

Remo Röschli – Schlagzeug

Steve Diener – Gesang

Tracklist: 


1. Home Is Where I Lead You

2. Misery

3. Divergent

4. Artein

5. Digital Individual

6. Fate_Hope

7. Importunity

8. Rising

9. Implosion

 

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