Geschrieben von Sonntag, 21 Juli 2013 13:06

Rockharz 2013 - Der Bericht


Ballenstedt: Das Rockharz zählt seit Jahren zu den besten Festivals in Deutschland, und mit Headlinern wie DARK TRANQUILLITY, KREATOR oder SOULFLY hatten wir auch 2013 jede Menge Spaß!

Eigentlich startete das Rockharz erst am Donnerstag, aber um einigermaßen gute Plätze zu bekommen, beschlossen meine Mitfahrer und ich, bereits am Mittwoch gegen 18:00 Uhr anzureisen. Hätten mehr als 2/3 aller anderen Besucher nicht den gleichen Plan gehabt, wäre er auch wunderbar aufgegangen... so leider nicht. Nachdem ich mein Zelt am anderen Ende des Campingplatzes aufgeschlagen hatte, erkundete ich die Umgebung und stellte fest, dass es trotzdem nur etwa fünf Minuten Fußweg zum Infield waren. Typisch Rockharz – echt grandios!

DONNERSTAG

Am Donnerstag ging es dann endlich los, bei etwa 25°C spielten als eine der ersten Bands des Festivals die GRAILKNIGHTS. Man merkte dabei gleich zu Anfang, dass die Schlange vor'm Eingang, wie bereits die Jahre zuvor, viel zu lang war – der Eingang ist  einfach zu klein. Endlich im Infield, fielen natürlich sofort die typischen Kostümierungen der GRAILKNIGHTS auf, welche ein wenig an die Powerrangers erinnerten. Obwohl die GRAILKNIGHTS so früh spielten, war die Stimmung überraschend gut, besonders überraschend jedoch, wenn man die zu leise Stimme, das zu laute Schlagzeug und den allgemein schwammigen Sound in Betracht zieht. Dennoch war es ein Auftritt der, allerdings größtenteils durch die Kostüme, in Erinnerung bleibt.

Mit AUDREY HORNE ging es kurz darauf weiter und dies mit einer beachtlichen Menge Fans vor der Bühne – eine Masse, die feierte bis zum Abwinken. Vom ersten bis zum letzten Song war das Publikum am Moshen, am Grölen und Headbangen. Die Fans hatten, genau wie AUDREY HORNE selber, verdammt viel Spaß an dem Auftritt und so überraschte es nicht, dass das Publikum am Ende der Show zwar sichtlich erschöpft, aber dennoch enttäuscht war, dass es das nach nur etwa 40 Minuten schon gewesen war.

THE RESISTANCE machten weiter, leider mit einem deutlich kleineren Publikum als zuvor, obwohl die Band teils aus ehemaligen IN FLAMES Mitgliedern besteht. Show machte die Band kaum, die Gitarristen wirkten wie versteinert und schon fast genervt, Drummer Christofer wirkte, als würde er den Gig schnell hinter sich bringen wollen und einzig Sänger Marco und der Bassist Claudio machten ein wenig Show. So überraschte es auch nicht, dass das ohnehin sehr kleine Publikum sich kaum bewegte und, genau wie die Gitarristen, eher genervt rüberkam. Über das Ende des Auftritts schien daher auch keiner wirklich enttäuscht zu sein, wohl auch, weil der Sound auch hier eher käsig als gut war.

Das Problem mit dem Sound hatten kurz darauf leider auch VADER, die davon abgesehen jedoch einen super Auftritt ablieferten, auch wenn der typische Druck, den die Band live eigentlich liefert, einfach nicht so recht rüberkommen wollte. Die Fans störte dies jedoch nicht sonderlich und so feierten diese alle Lieder der Polen mit. Obwohl es noch recht hell war, hielten VADER es offenbar für angebracht, das komplette Lichtequipment der Bühne auszureizen, um ihre Sounds zu untermalen. Das war um diese Zeit jedoch nicht sonderlich sinnvoll, zumindest jedoch amüsant.

Einer der beiden Headlinder des Abends kam um kurz nach zehn Uhr auf die Bühne: SUBWAY TO SALLY. Nach etwa 20-minütigem Warten auf Einlass, kam auch ich endlich auf dem Infield an und war recht negativ überrascht: Die Stimmung war, ganz anders als erwartet, nicht unbedingt berauschend. Überraschend war jedoch, dass der Sound endlich mal stimmte, bis auf die Tatsache, dass die Geige am Anfang ein klein wenig zu leise war, dies war aber schnell behoben. Auch die Feuershow war nicht sonderlich überraschend, ebenso wenig wie die Setlist, die Songs wie „Kleid aus Rosen", „Liebeszauber" oder „Julia und die Räuber" enthielt. Gelegentlich forderten SUBWAY TO SALLY das Publikum auf mitzuklatschen, was meiner Meinung nach nicht sonderlich passte. Letztlich war es ein Auftritt, der – wie es für eine so routinierte Band nicht anders zu erwarten ist – viele gute Momente bot, wenn auch nicht viele Überraschungen.

Die aggressivste Band des ganzen Festivals war wohl die Thrash-Legende KREATOR: ein aggressiver, drückender Sound, ein Publikum, das nach der Aufforderung von Mille „den größten Moshpit, den das Festival jemals gesehen hat" bildete und dazu noch die „Flag of Hate", welche geschwungen wurde. Ein typischer KREATOR Auftritt, bei dem es nichts zu bemängeln gab. Eine erstklassige Show, ein Publikum, das mosht und feiert und ein guter Sound – was will der Metalhead mehr?
Da KREATOR den Abschluss des Donnerstags bildeten, gingen die meisten der Besucher zurück zu ihren Camps, um den ersten offiziellen Tag des Festivals gebührend zu feiern und ausklingen zu lassen. Ich jedoch unternahm einen spontanen Besuch der Stadt Ballenstedt und muss sagen: eine wirklich schöne Stadt, selbst bei Nacht.


FREITAG

„Na ihr Fotzen!" – sowas musste man sich als Fan von den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS gefallen lassen. Zeit für die GRINDFUCKERS und für die Partyband des Festivals. "Das Festival hätte gut werden können, wenn wir nicht wären...", so die Band selber. Aufgelockert wurde das Publikum mit Sprüchen wie: „Mach mich mal 'n bisschen lauter, muss sich nicht gut anhören, ich will nur schreien und das Publikum beleidigen." Auch wurde dem Publikum beigebracht, wie man richtig applaudiert, nämlich mit nur einem Applaus. Der Auftritt war eine einzige Party und die GRINDFUCKERS ließen einen Lacher nach dem anderen los, so zum Beispiel auch: „Zeigt uns eure Feuerzeuge! Nein, ihr sollt sie nicht anmachen, wir wollen sie nur sehen". Das Publikum feierte ausgelassen zu Liedern wie „I've Been Looking For Grindcore" oder „It's The Final Grinddown". Eine Partyband wie keine andere.

Weniger lustig aber dennoch gut ging es wenig später mit ARKONA weiter. ARKONA gelten als geniale Liveband, die gut Stimmung macht – so auch auf dem Rockharz, auch wenn der Sound anfangs grauenhaft war. Die anfänglichen Probleme des zu lauten Schlagzeugs, der zu leisen Stimme und der praktisch nicht existenten Gitarren waren jedoch bald gelöst und so konnten ARKONA in alter Manier loslegen und ihr Publikum, welches immer größer zu werden schien, begeistern.

Als nächstes waren ALESTORM an der Reihe, die leider, wie viele Bands zuvor auch, anfangs einen grottigen Sound hatten, der sich später jedoch besserte. Dass die Band ihrem Namen alle Ehre machen wollte, merkte man nicht nur daran, dass sie Bier in rauen Mengen auf der Bühne genoss, sondern auch gleich zu Anfang, als Christopher Bowes mit einem Styroporhelm auf die Bühne trat und anfing, das Publikum mit Songs wie „The Revenge Of Captain Morgan" oder „Keelhauled" anzuheizen. Das Publikum ließ sich von Beginn des Auftritts an mitreißen und bildete einen Pit, wie er größer kaum hätte sein können und legte das Festival in eine Staubwolke. ALESTORM hinterließen ein Schlachtfeld auf, betrunkene Zuschauer vor der Bühne und bereiteten die Fans stimmungstechnisch perfekt auf die nächste Band vor.

DARK TRANQUILLITY – die Ikonen des Göteborg-Metal. Selten habe ich eine Band erlebt, die so polarisierend ist, nicht zuletzt wegen Sänger und Rampensau Michael Stanne. Mit „Terminus (Where Death is Most Alive)", „Final Resistance", „Misery's Crown" oder „ThereIn" lassen die Schweden altbekannte Brecher von der Leine, doch auch Songs von ihrem zehnten Studioalbum "Construct" gehörten zu ihrer Setlist. Songs, die das Publikum gerne annahm, und so reihten sich auch „The Science Of Noise", „Endtime Hearts" und „Uniformity" in die Setlist der mit 45 Minuten viel zu kurz bemessenen Show ein. Trotz der etwas zu leisen Stimme von Sänger Michael und des nicht vorhandenen Bassisten war das Publikum am Feiern wie bei kaum einer Band zuvor. Blickte man in die Menge, sah man strahlende Gesichter und kaum jemanden, der nicht mitsang – für mich der beste Auftritt des Festivals, DARK TRANQUILLITY sind und bleiben eine der besten Livebands der Welt.

Nach DARK TRANQUILLITY ging es mit ELUVEITIE nach einer kurzen Pause weiter und gleich zu Anfang wurde klar: Hier stimmte einfach alles. Riesige Moshpits bildeten sich vor der Bühne und die Fans feierten Songs wie „Inis Mona" so richtig ab. Ich persönlich muss gestehen, dass ich bei „A Rose For Epona" sogar ein wenig Gänsehaut bekam, ein absolut geiles Liveerlebnis, nicht zuletzt wegen der beiden Showtalente Christian „Chrigel" Glanzmann und Anna Murphy, die es beide verstehen, live eine super Performance abzuliefern. So blieb die Stimmung, die die Bands vorher mühsam aufbauten, komplett erhalten, ja sie steigerte sich sogar noch, sehr zur Freude der Fans und wohl auch zur Freude der noch folgenden Bands.

Mit fortschreitender Stunde wurde es für mich und den Rest der Fans zunehmend schwerer, nicht einfach zurück ins Camp zu marschieren und die Bands einfach mal ausfallen zu lassen, doch zum Glück sah ich noch den Auftritt von SOULFLY, welcher rein technisch der bis dahin Beste war. Obwohl es bereits nach 0 Uhr war, rafften sich die Fans noch einmal richtig auf und feierten den Auftritt mit drei, teilweise sogar vier Moshpits richtig ab und genossen besonders alte SEPULTURA Songs wie „Roots Bloody Roots" oder auch kurze Intermezzi von IRON MAIDEN oder OZZY OSBOURNE. Jeder, der sich vor der Bühne befand, genoss einfach den ausnahmslos geilen Sound und die Stimmung, die zu so später Zeit gar nicht besser hätte sein können.

Erschöpft vom Auftritt der Brasilianer machte ich mich daraufhin auf zum Camp und ließ den Abend bei dem ein oder anderen Bierchen ausklingen, um mich auf den nächsten Tag und vorzubereiten.


SAMSTAG

Mit AKREA ging es am nächsten Morgen gleich mit Melodic Death vom Feinsten los, und trotz der viel zu frühen Uhrzeit haben sich doch einige Fans vor der Bühne eingefunden, um den Oberpfälzern beim Musizieren zuzusehen. Das einzige Problem, das AKREA bei diesem Auftritt zu haben schienen, war, dass es einfach viel zu heiß war, sodass die Meute vor der Bühne nicht so richtig in Schwung kam. Dafür konnten AKREA jedoch nichts, diese lieferten einen souveränen Auftritt ab und hatten keine größeren Schwierigkeiten.

Später am Abend ging es dann weiter mit TANKARD, die sich durch folgenden Satz wohl zur mit beliebtesten Band des Festivals gemausert haben: „Wenn der Veranstalter nicht binnen fünf Minuten Freibier für alle ausgibt, gibt's vom Bassisten Krawalle". Funktioniert hat es leider nicht, aber einen Versuch war es immerhin wert. Die Show war TANKARD-typisch gut, auch wenn die Gitarren ein wenig zu leise und die Drums zu laut waren, aber an die Probleme scheint man sich auf dem Rockharz mittlerweile schon gewöhnt zu haben, immerhin war dies bei fast jeder Band so.

Direkt danach enterten ENSIFERUM die Bühne, die, wie es auch nicht anders zu erwarten war, ebenfalls Soundprobleme hatten, denn hier war alles ein wenig zu leise, sodass man sich im normalen Tonfall unterhalten konnte, wenn man sich in den hinteren Reihen befand. Man hätte zwar auch in die vorderen Reihen gehen können, um ein ganz klein wenig mehr Lautstärke zu haben, doch wäre dies ohne eine Sauerstoffmaske aufgrund des durch die Pits aufgewirbelten Staubs wohl kaum möglich gewesen. Sowohl die Fans als auch die Band feierten aber den Auftritt gut ab und beide Parteien waren am Ende mit dem soliden Gig sichtlich zufrieden.

Ohne Pause wurde es dann Rosa, mit J.B.O. In typischer J.B.O-Manier legte die Rosa-Spaßfraktion los und ließ das Publikum beweisen, wie textsicher es ist. Der Sound war recht angenehm, wenn auch nicht perfekt, doch die Fans ließen sich dadurch nicht vom Feiern abhalten. Wie für die Fans der Fun Metaller typisch, passten sich diese dem Bühnenbild an und so sah man des Öfteren einen roten Powerranger crowdsurfen. Ohnehin waren bei J.B.O. recht viele Crowdsurfer vertreten, die regelmäßig in die Pits vielen. Dies tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch, Band und Fans feierten den soliden Auftritt und hinterließen am Ende ein rosa Schlachtfeld vor der Bühne.

Kurze Zeit später kamen die Power Metaller von Tobias Sammets AVANTASIA auf die Bühne. Ich sah den Auftritt nicht von Anfang an und wunderte mich schon, wieso mir so viele Leute entgegen kamen, teils in AVANTASIA-Shirts. Als ich dann jedoch vor der Bühne stand, wusste ich es: der Auftritt war, gelinde gesagt, zum Kotzen. Zwar waren mit u.a. Michael Kiske (ex-HELLOWEEN), Bob Catley (MAGNUM), Thomas Tettke (HEAVENS GATE) echte Berühmtheiten zusammen mit Herrn Sammet auf der Bühne, die alle ihr Handwerk durchaus verstehen – der Sound war jedoch absolut grauenhaft, sodass man kaum ein Wort verstand und die Instrumente absolut matschig klangen. Da ist auch der talentierteste Musiker nutzlos. Die Passagen zwischen den Songs wurden mit Unterhaltungen zwischen den Musikern ausgefüllt, die vermutlich lustig sein sollten, meinen Humor jedoch nicht trafen, und so verließ ich den Auftritt nach ein knappen halben Stunde wieder. Vielleicht wurde es noch besser, doch was ich gesehen habe, so sehr ich AVANTASIA auch schätze, wurde ihrem Können nicht gerecht.

Die Nordmannen von FINNTROLL machten weiter, brachten den Besuchern richtigen Humppa Metal bei und ließen die Meute tanzen. Der Sound war erstklassig, was mittlerweile schon sehr überraschend war. Die Show war, typisch für FINNTROLL, zwar dezent, aber gut aufgelegt und so überraschte es auch nicht, dass sich die gewaltige Fanmasse bei Songs wie „Trollhammaren" oder „Jaktens Tid" kaum auf den Beinen halten konnte und tanzte, was das Zeug hielt. Ein für mich absolut gelungener letzter Auftritt auf dem Festival.

FIDDLER's GREEN waren zwar noch dran, doch nach FINNTROLL stand mir die Anstrengung sichtlich in Gesicht geschrieben und viele andere verließen ebenfalls das Infield, sodass die Menge bei FIDDLER'S wohl deutlich kleiner gewesen sein muss.

Was soll man sagen? Das Rockharz zählt seit Jahren zu den besten Festivals in Deutschland: Die Leute sind immer zum Feiern aufgelegt, die Größe des Festivals ist perfekt, nicht zu klein und nicht zu groß, die Bandauswahl ist immer allererste Sahne und auch trotz der Soundprobleme, die dieses Jahr bei fast jeder Band gegenwärtig waren, war das Festival ein voller Erfolg. Nächstes Jahr gerne wieder, besonders wenn man sich die bereits bestätigten Bands CHILDREN OF BODOM, ARCH ENEMY und die in diesem Jahr zwar bestätigten, aber leider verhinderten SOILWORK ansehen will.

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