Geschrieben von Montag, 25 November 2013 18:15

Maggy Simpson - Interview zu "Lab Rat And Lobster" mit Bat Kinane

Bat Kinane ist ein Stehaufmännchen. Kaum liegt ein altes Projekt oder eine Band auf Eis, kommt er auch schon wieder mit neuen Ideen um die Ecke. So auch diesmal, denn nach einem Soloalbum und einem GLYDER Album mit neuem Line Up hat er jetzt mit MAGGY SIMPSON ein weiteres, neues Projekt am Start, um seine musikalischen Ideen zu verwirklichen. Grund genug, dem alten Iren mal wieder auf den Zahn zu fühlen.

Hi Bat, wie gehts denn so?

Alles ist soweit ok, Dirk.

Seit dem letzten Interview zum Release des GLYDER Albums „Backroads To Byzantium" und zu deinem Soloalbum „Lifetime To Kill" ist eine Menge Zeit vergangen und es ist einiges passiert. Kannst du uns eine kurze Zusammenfassung geben, warum GLYDER erneut auf Eis liegt? Aus meiner Sicht war es das stärkste Album, das GLYDER bis dahin veröffentlicht hat.

Ich glaube auch, dass wir ein großartiges Album eingespielt haben, aber wir waren als Band besonders im Hinblick auf Liveshows nicht stark genug. Die Band hatte das Potential, aber weiterzumachen hätte auch bedeutet, zurück auf den Status einer Garagenband zu gehen, um die Erfahrungen zu sammeln, die wir gebraucht hätten. Außerdem hat unser Sänger Jackie einfach zu weit weg gewohnt (Nord-Irland), um regelmäßig proben zu können. Und das wäre einfach dringend notwendig gewesen.

Ich sehe im Moment zwar nicht, dass GLYDER wieder durchstarten werden, was aber auch nicht völlig ausschließt, dass es irgendwann in der Zukunft mal ein paar Reunion Gigs geben könnte. Ich weiß es wirklich nicht. Ich glaube, wir alle haben uns einfach in zu unterschiedliche Richtungen bewegt, sodass eine Reunion im Moment ziemlich unmöglich erscheint. Und wenn ich ehrlich bin, bin ich gerade sehr glücklich darüber, mit Shane (Counter) zusammenzuarbeiten – und meinen Solopfad möchte ich auch weiter fortsetzen. Wir haben mit GLYDER wirklich ein paar ganz tolle Dinge abgeliefert, aber das ist jetzt einfach ein Teil der Vergangenheit.

Du hast Shane schon angesprochen. Mit ihm hast du jetzt das Projekt MAGGY SIMPSON gestartet. Erzähl doch mal, wie es zu der Zusammenarbeit kam.

Shane ist vor zehn Jahren nach Irland gekommen und ein Bekannter meines Cousins. Wir haben schnell herausgefunden, dass wir sehr viel gemein haben. Wir sind beide sehr kreative Songwriter und wir lieben beide Metal. Wir haben vor ein paar Jahren mal ein paar Songs zusammen geschrieben und dann irgendwann den Punkt erreicht, an dem wir uns entschlossen haben, gemeinsam ein Album aufzunehmen.

Das Album „Lab Rat And Lobster" wurde bereits im Juni veröffentlicht. Wie waren denn die Kritiken bislang?

Die Reviews waren sehr unterschiedlich. Die Leute kannten GLYDER, damit hatten wir sehr gute Kritiken, und mit dem neuen Album haben wir offensichtlich ein paar Leute verwirrt. Das finde ich jetzt noch nicht einmal negativ. Die Menschen versuchen alles immer irgendwie in Schubladen zu packen, und wenn das mal nicht direkt funktioniert, sind sie frustriert. Ich will nicht sagen, dass wir das Rad neu erfunden haben, aber wir sind schon anders.

Auf dem Album hast deinen Stil erneut geändert. Es ist zwar immer noch starke Rock Musik, aber es klingt wesentlich experimenteller als traditionell. Siehst du das auch so? Und war es eher dein oder Shanes Einfluss, diese Richtung einzuschlagen?

Shane ist sehr vom Progressive Rock beeinflusst und der Anteil, den ich an dem Album habe, besteht zum größten Teil aus Sachen, die nicht zum Heavy Rock von GLYDER gepasst haben. Wir haben keine Entscheidung getroffen, wie die Scheibe klingen sollte, sondern einfach komponiert und geguckt, was dabei herauskommt. Shanes Prog Rock Ader und meine eher songorientierte Art hat sich einfach gut ergänzt und uns zu dem Ergebnis geführt.

Auf deinem letzten Soloalbum „Lifetime To Kill" warst du zum ersten Mal für die Leadvocals verantwortlich. Ich hatte beim Hören der Songs von „Lab Rat And Lobster" den Eindruck, dass du deine Stimme sehr weiterentwickelt hast und viel variabler einsetzt. Hast du speziell an deiner Stimme gearbeitet?

Eigentlich glaube ich gar nicht, dass ich für diesen Job geeignet bin, aber Shane und ich waren der Meinung, dieses Album in erster Linie für uns selber zu schreiben. Also haben wir uns gedacht, egal wie es sich am Ende anhört oder was dabei herauskommt, es wird für uns auf alle Fälle gut genug sein. Aber es war nicht leicht, und ich habe für die Vocals sehr viel Zeit investiert. Die Stimme ist wie ein Instrument, du kannst sie rau oder verzerrt oder sanft klingen lassen und damit verschieden Stimmungen in den Songs unterstreichen.

Ich habe in den letzten Jahren viel gesungen. Ich weiß zwar, dass ich nie ein Ausnahmesänger sein werde, aber ich fühle mich mittlerweile sehr wohl dabei. Es ist einfacher, nicht mit Sängern zu arbeiten, da sie häufig unter dem LSD (Lead Singer Disease) leiden, was nichts anders heißt, als dass sie schnell zu Diven werden. Also muss ich auch vorsichtig sein und darf nicht zu viel singen, sonst krieg' ich noch dieselbe Krankheit, haha!

Auf eurem Beipackzettel zum neuen Album steht, dass du und Shane sehr von KING'S X beeinflusst seid, und dass diese Band mit ein Grund dafür war, warum ihr angefangen habt, Songs für „Lab Rat And Lobster" zu schreiben. Ich dachte immer, ich kenne dich mittlerweile ganz gut, aber da hab' ich mich wohl geirrt, denn ich habe dich noch nie vorher über KING'S X reden hören, haha ... Gibt es noch andere „geheime" Einflüsse?

Oh, ich liebe KING'S X seit ich "Out Of The Silent Planet" gehört habe, als ich ungefähr 18 Jahre alt war. Als Musiker mag ich viele Bands und Musikrichtungen, nicht nur Metal und Rock. Ich denke, jeder seriöse Songwriter sieht das so.

Bat, wie lange habt ihr beiden an den zehn Songs von „Lab Rat And Lobster" gearbeitet und wie war eure Arbeitsteilung in Bezug auf das Songwriting?

Ok, einige meiner Sachen datieren – wie schon erwähnt – auf die GLYDER Tage zurück, die anderen Ideen sind einfach während des Songwritings entstanden. Shane hat viel Material mit eingebracht, das er in den letzten zwei bis drei Jahren geschrieben hat. In Prozent würde ich sagen, 60 Prozent der Musik ist von Shane und ich habe den Rest und die Lyrics beigesteuert.

Ihr habt bis auf die Drums alle Instrumente selber eingespielt. Für die Drums war erneut Davy Ryan zuständig, dein alter Buddy aus GLYDER Zeiten. Wer von euch beiden ist denn für die Soli verantwortlich gewesen?

Wir haben uns die Soli auf dem Album geteilt. Shane ist ein sehr guter Gitarrist, und wenn man genau hinhört, kann man die unterschiedlichen Stile von uns auch heraushören.

maggy-simpson-lab-rat-and-lobsterDer Titel „Lab Rat And Lobster" ist nicht gerade ein typischer Rock-Titel. Das Artwork ist ebenfalls sehr speziell und nicht typisch für das Genre. Wie seid ihr auf diesen Albumtitel gekommen und wer hat das Artwork entworfen, das zwar nicht genretypisch ist, aber perfekt zum Titel passt?

Das kann ich dir gar nicht mehr so genau sagen, aber ich glaube, ich hatte den Titel irgendwie im Hinterkopf. Er hat eine Verbindung zu Lieber and Stoller, die ein fantastisches Songwriter-Duo waren, das die meisten großen Hits der 60er geschrieben hat. Nicht dass ich damit sagen will, dass unsere Songs auch solch ein Hitpotential hätten ... Das Artwork stammt von einem Typen namens Neil Hutchinson, den ich über's Internet gefunden habe. Ich habe eine grobe Idee mit Photoshop entworfen, damit er weiß, was ich ungefähr haben wollte. Und das, was jetzt das Album ziert, ist dabei herausgekommen.

Wenn ich den Gitarrensound von MAGGY SIMPSON und GLYDER vergleiche, komme ich zu dem Ergebnis, dass du offensichtlich einiges geändert hast. Du benutzt wesentlich weniger Overdrives und Distortion, wodurch der Gitarrensound sehr „clean" rüberkommt. Stimmt das so?

Wir haben hauptsächlich die Verstärker-Verzerrungen und virtual amps benutzt. Wir haben nicht viel von dem traditionellen Equipment verwendet, obwohl wir aufgrund der Prog-Elemente sehr viele unterschiedliche Klangvarianten benutzen.

Ich weiß aus der Vergangenheit, dass du sehr viel Wert auf die Lyrics und deren Inhalt legst. Kannst du uns kurz erzählen, um was es in den Songs geht?

„High Time To Die" handelt von dem alten Klischee des Rock'n Roll Lifestyles. Du weißt schon: Sex, Drugs und Rock'n Roll. Wenn du hoch fliegen willst, musst du auch bereit sein, zu sterben. Es hat sich oft bewahrheitet, dass der große Karrierekick und die Anhebung der Verkaufszahlen der Tod des Künstlers sind.

„Sorry" handelt davon, dass wir oft etwas sagen, ohne vorher darüber nachzudenken. Wenn du noch jung bist, sagst du oft Sachen, ohne dir über die Konsequenzen im Klaren zu sein. Wir denken, wir kennen einen Menschen gut, obwohl es nicht der Fall ist. Es gibt Menschen, bei denen du denkst, dass sie unverletzlich sind, aber du kannst sie doch leicht verletzen. Da reicht manchmal ein einfaches „Sorry". Wenn eine Entschuldigung aber nicht akzeptiert wird, sind wir patt gesetzt.

In „Last Days Of Cool" geht es darum, dass du in deiner Jugend Drogen nimmst, besoffen bist und ungeschützten Sex hast. Oft macht man das nur, um bei seinen Kumpels als cool zu gelten. Aber irgendwann kommt mal eine Wendepunkt und die meisten Menschen ändern ihr Verhalten. Manche Menschen verpassen aber diesen Wendepunkt, und was vorher noch cool war, ist im Alter oft nur noch albern. Manche Menschen werden erwachsen, manche eben nicht.

„Spending Time" handelt davon, dass wir in der Zeit vor den Handys und Smartphones viel mehr Zeit investiert haben, um uns zu verabreden. Wir haben viel genauer in eine Menschenmenge geschaut, um das bekannte Gesicht eines Freundes zu erkennen, mit dem wir verabredet sind. Leute habe sich verspätet und man hat gewartet – ist vielleicht nass geworden, weil es geregnet hat. Dafür haben wir viel Zeit aufgewendet.

„Free Your Mind For You" ist ein Song über Tagebücher, in denen wir Fotos, Gedichte oder Songtexte aufbewahrt haben, um unsere Gefühle und Erinnerungen – gute wie schlechte – auszudrücken. Erlebnisse, die uns erschaudern lassen. Und manchmal ist es besser, solch schlechte Erinnerungen nicht zu archivieren, weil es besser ist, sie zu vergessen. Solche Bücher sollte man verbrennen, um seine Gedanken frei von Schuld und Schande zu halten.

„Gun Fun" soll uns daran erinnern, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Waffen und Gewalt immer mehr die Oberhand gewinnen. So viele Nachrichten handeln davon, dass sich Menschen gegenseitig Gewalt antun, und das wird von der Presse sensationsreißerisch aufgebauscht. Dieser Song ist vor den dramatischen Ereignissen in den USA im Dezember 2012 entstanden. Waffen werden im Kino und TV und auch in manchem Musikgenre verherrlicht und verharmlost. Im Chorus ist ein Zitat aus dem Clint Eastwood Film „The Outlaw Josey Wales": "Don't piss on my back and tell me it's raining".

"On Blabbermouth" geht es darum, dass das Internet eine Plattform für die übelsten Menschen ist. Die Leute können sich hinter der Anonymität des Netzes verstecken und Sachen von sich geben, die sie von Angesicht zu Angesicht nie aussprechen würden. Der Song wurde inspiriert von den hässlichen Kommentaren auf Blabbermouth, die es zu einem Bericht über einen ermordeten METALLICA Fan gab. Damit will ich nicht die Seite selber an den Pranger stellen, sondern die kranken Typen, die solche Seiten besuchen und für ihre Kommentare nutzen. Das Ganze mit einer Zensur zu belegen, wäre aber auch keine Lösung. Es ist Zeit, dass man sich im Internet mit seinem wahren Namen bekennen muss.

„Coldest Eyes": Es ist schwer vorzustellen, dass die Augen der übelsten Verbrecher irgendwann mal die Augen eines unschuldigen Kindes waren. Der Typ in dem Song hat vielen Menschen die Unschuld genommen, aber auch als er alt und grau ist, kann man seine Taten in seinen Augen sehen.

„Stoner Blues" ist einfach nur eine Geschichte über die Eskapaden eines jungen Kiffers und reine Fiktion.

In „Cosmic Bottle" geht es um die goldene Kapsel mit Nachrichten, Musik und allen Informationen über die Menschheit, die 1977 mit VOYAGER1 ins Weltraum geschossen wurde – in der Hoffnung, dass eine fremde, außerirdische Intelligenz die Kapsel findet. Die Geschichte ist natürlich auch fiktiv und die Kapsel wird tatsächlich von einer gottlosen, intelligenten Lebensform gefunden. Sie hören unsere Musik und beschließen, die Erde aufzusuchen. Als sie dort ankommen, ist der Planet ausgestorben. Die Menschheit hat sich selbst ausgelöscht und die Aliens können zwar keinen Kontakt mehr herstellen, aber von unseren Fehlern lernen.

Bat, du hast angekündigt, dass ihr MAGGY SIMPSON vielleicht vom Projekt zu einer vollwertigen Band umfunktionieren möchtet. Ich würde das natürlich sehr begrüßen. Hättest du für diesen Fall schon Namen von Musikern, die dafür in Frage kommen würden?

Nein, eigentlich haben wir auch gar keine konkreten Pläne für so etwas. Versteh' mich nicht falsch, ich würde nichts lieber tun, als live auf der Bühne zu stehen und auf Tour zu gehen. Aber das ist heutzutage ein sehr großes Risiko, da die Rockszene im Ganzen etwas strauchelt und stockt. Rock Musik ist nicht mehr ganz so populär, wie sie es einmal war. Wir sind beide über 40, ich habe mittlerweile zwei Kinder und ich kann es mir nicht leisten, auch nur einen Cent mit so einer Aktion zu verlieren. Meine Familie hat einfach oberste Priorität. Außerdem bräuchten wir für unsere Musik gute Musiker, die aber schwer zu finden sind, wenn kein Geld da ist.

Welche drei Alben hast du dir zuletzt gekauft?

Ich kaufe mir nicht viele Alben. Nicht weil ich nicht wollte, aber mir fehlt einfach die Kohle dafür. Und ich mag auch nicht, was Spotify der Musik angetan hat. Für mich gilt aber: Wenn du sie nicht schlagen kannst, dann heul' mit den Wölfen. Und da ja auch jeder meine Alben hören kann, fühle ich mich auch nicht schuldig. Aber das heißt auch nicht, dass ich das alles befürworte.

Ich habe mir das Album einer irischen Thrash-Metalband namens ANIMATOR gekauft, und glaub' mir, die Jungs sind Weltklasse. Wenn ich eine Band live sehe und sie CDs verkaufen, dann schlage ich öfter zu. VOLBEATs „Outlaw Gentlemen And Shady Ladys" habe ich mir auch gekauft und ich liebe die Scheibe. Und dann ist da noch das Album einer Countryband namens THE ZAC BROWN BAND, das ich mir gekauft habe, weil sie einfach grandiose Musiker und Songwriter sind.

Hast du, wie immer, ein paar abschließende Worte für unsere Leser?

Ok, also ihr werdet uns wahrscheinlich nicht live sehen, aber ihr könnt euch unsere Songs online anhören und uns auf unserer Facebook-Seite ein "Like" geben. Wenn ihr uns mögt, erzählt es weiter. Und wenn wir genug Interesse geweckt haben, gibt es für uns vielleicht doch noch die Chance, dass wir einen Band werden, die auch auf Tour gehen kann.

Bat, danke, dass du mal wieder sehr ausführlich auf meine Fragen geantwortet hast. Ich wünsche dir mit MAGGY SIMPSON allen nur erdenklichen Erfolg und ich gebe die Hoffnung nicht auf, euch doch bald live zu sehen.