Geschrieben von Mittwoch, 26 Juli 2023 19:25

Eremit - Interview mit Sänger Mo zu „Wearer Of Numerous Forms“

Eremit - Interview mit Sänger Mo zu „Wearer Of Numerous Forms“ Eremit

EREMIT aus Osnabrück haben mit ihrem neuesten Werk „Wearer Of Numerous Forms“ (im Folgenden auch als „Eremit 3“ betitelt) den ersten Zyklus ihres Gesamtkonzeptes abgeschlossen. Wir waren mit Sänger und Gitarrist Mo im schriftlichen Austausch, über mehrere Wochen während ihrer Tour, sodass sich ein ausführlicher Schriftverkehr mit einem intensiven Einblick in das Denken und Wirken von EREMIT ergeben hat.

Für diejenigen, die EREMIT noch nicht kennen: Wer seid ihr? Wer gehört zur Band? Was spielt ihr?

Hey there! EREMIT ist ein künstlerisches Projekt, welches als Band 2015 gestartet wurde. Über die Jahre hat sich aber mit einem wachsenden mythologischen Überbau, Buchveröffentlichungen und kohärenten Merchandise-Linien ein Kunstprojekt herauskristallisiert, welches ganzheitlich mehr ist, als „nur“ eine Metal Band.

Der Kern der Band sind Marco Baecker am Schlagzeug, Pascal „Kalle“ Sommer an der Gitarre sowie Moritz „Mo“ Fabian, der Gitarre spielt, singt und das zur Band gehörige Buch schreibt und overall als Art Director aktiv ist. Dazu kommt Hendrik „Brede“ Bredemann, der uns lange Zeit als uralter Freund begleitet hat und mittlerweile Trompete bei EREMIT spielt.

Und was wir spielen? Wir sagen, um es kurz zu halten, immer einfach „Doom“. Wenn man es präzisieren wollen würde, könnte man vielleicht sagen, dass wir Extreme Metal spielen, der im Tempo an Funeral Doom und Drone erinnert, doch immer wieder walzt wie Death Metal – und das Ganze in einem akustischen Gewand von Sludge. Das alles in einem kuratierten künstlerischen Gesamtkonzept, verbunden mit deutlich kommunizierten politischen Werten.

Steht ihr nur im Dienste der Band oder was treibt ihr noch so nebenher?

Keiner von uns lebt finanziell von der Band. Ich persönlich würde von mir sagen, dass ich für die Band lebe. Wir sind alle Individuen und die Band, EREMIT, nimmt für jeden von uns unterschiedlich viel Platz in unserem Leben ein. Ich habe vor kurzem meinen Masterabschluss in Politikwissenschaften absolviert, Kalle ist ein wortwörtlicher Weltenbummler und Marco arbeitet im sozialen Bereich.

Wie sind die ersten Reaktionen auf euer neues Werk ausgefallen?

„Junge, wie lang ist dieses Album?“ – So in etwa, haha! Ich glaube, die Länge des Albums hat zunächst für ein wenig Aufsehen in der Szene geführt. Nachdem wir drei der insgesamt acht Vinylseiten des Albums als (partial) Track-Premieren veröffentlicht hatten, waren die Feedbacks schon überwiegend positiv.

Wir sind froh, dass so viele Menschen an unserer Kunst interessiert sind und die Geschichte, die wir mit EREMIT erzählen, verfolgen und sich darauf einlassen. Auch und vor allem, wenn es heißt, ein zweistündiges Doppel-Album aus drei Songs zu durchleben.

Wie geht ihr mit positiven Reaktionen und auch mit Kritik um?

Wir lesen Reviews schon ganz gerne. Es ist spannend für uns zu hören oder zu lesen, wie unsere Kunst auf Menschen wirkt. Das ist im Prinzip nichts anderes, als wenn Menschen auf Live-Shows zwischen den Songs Dinge rufen oder nach der Show zu uns kommen. Eine Kommunikation über die Kunst ist Teil.

Negative Kritik gibt es auch, klar. Auf künstlerischer Ebene ist das meist eher Entertaining für uns, wenn Menschen unsere Songlängen, oder unseren generellen Approach zu Musik nicht verstehen, beziehungsweise damit nichts anfangen können. Unsere Musik ist sehr nischig und extrem, das ist uns schon bewusst.

Ansonsten gibt es auch Feedback und „Kritik“ an uns, da wir klare antifaschistische sowie antisexistische Positionen vertreten. Dass wir damit in Teilen den konservativen Block in der Metalszene vor den Kopf stoßen, der weiter in einer vermeintlich unpolitischen Szene einfach nur feiern will und nicht versteht, dass so Macht- und Privilegienstrukturen erhalten werden, ist uns bewusst und ist eine nötige Auseinandersetzung und Reibungspunkt in der Szene.

Wie zufrieden seid ihr mit eurem neuen Werk?

Oh, das ist eine Frage, die jeder von uns unterschiedlich beantworten würde und auch zeitlich sensitiv ist. Übermorgen startet unsere Tour am Release-Tag selbst, und auch ich werde erst dann die physischen Tonträger in der Hand haben. Da habe ich persönlich sehr viel Arbeit reingesteckt, sie sind ein großer Bestandteil eines Zufriedenheitszustandes von mir. Das heißt, ich kann die Frage, Stand jetzt, nicht abschließend beantworten.

Wenn du mich jetzt persönlich fragst und auf die Songs auf dem Album abzielst, kann ich sagen, dass auf „Eremit 3“ meiner Meinung nach der stärkste EREMIT-Song ever ist. Zeitgleich gibt es aber auch Stellen, die ich handwerklich bemängeln würde. Wir sind Menschen. Es gibt keine Perfektion. Wir arbeiten stetig an uns!

Bisher bestanden eure Songs „nur“ aus Gitarre, Drums und Gesang. Auf „Wearer Of Numerous Forms“ taucht auch eine Trompete auf, die sich sehr passend und interessant einfügt. Wie ist die Idee entstanden?

Die Trompete ist in der Tat neu auf „Eremit 3“. Die Idee entstand vor einigen Jahren, als wir bei einer Show bei einer Vorband Saxophon im Einsatz gesehen haben. Ich war beeindruckt und besprach das mit Marco im Backstage. Ne halbe Stunde später oder so kam Brede, der damals noch „nur“ Roadie und Best Buddy war, und sagte relativ zurückhaltend, dass er schon seit vielen Jahren Trompete spielen würde. Das war uns neu und wir waren sofort Feuer und Flamme für die Idee, die Trompete in unser Klangkostüm einzuweben.

Kann man bei kommenden neuen Songs auch nochmal andere Instrumente erwarten?

Ja. Ich habe letztes Jahr begonnen, Saxophon zu spielen und es gab auch schon EREMIT Live-Peformances, wo ich Saxophon gespielt habe. Ich bin interessiert daran, weitere Einflusssphären in die EREMIT-Klangwelt zu holen. Nicht nur, um „artsy“ zu sein, sondern da und dort, wo es für uns künstlerisch Sinn macht. Außerdem kann es uns dabei helfen, unsere Vision, unsere Geschichte mit mehr Kraft zu erzählen, stärker zu transportieren.

Eure Songs waren auch bisher schon recht lang. Aber mit „Conflicting Aspects Of Reality“ treibt ihr das Ganze auf die Spitze, mit einer Spielzeit von knapp über einer Stunde. Warum?

„Conflicting Aspects Of Reality“ ist in der Tat ein vollständiges Album, für sich genommen. Nicht nur von seiner faktischen Länge, sondern auch von seinem mythologischen Inhalt her. Es war der erste Song, den wir für „Eremit 3“ geschrieben haben und es war nicht unser Plan einen einstündigen Song zu schreiben. Er ist einfach immer weiter gewachsen, unaufhaltsam möchte man fast sagen.

Natürlich kann man das Stück teilen. Die Vinyl-Aufteilung zeigt das auch deutlich. Und ich denke, das ist die perfekte akustische Repräsentation dessen, was inhaltlich in diesem Kapitel passiert. Dieses Kapitel hat viele Unterkapitel, verschiedenen Handlungsräume, die durchschritten werden. Verschiedene Passagen, die man als Betrachter:in, als Leser:in, als Zuhörer:in durchlebt. In der orchestralen klassischen Instrumentalmusik würde man vermutlich von verschiedenen Sätzen sprechen, welche in Verbindung ein gesamtes Werk bilden. So sehen wir es mit unseren Songs auch.

Warum dann noch zwei Songs folgen und „Eremit 3“ somit zu einem Doppel-Album wurde, ist der mythologischen Einheitlichkeit geschuldet, weil im ersten Zyklus alle drei Full-Length-Alben drei Kapitel/Songs enthielten. Uns war klar, dass wenn wir mit „Conflicting Aspects Of Reality“ schon von der Spielzeit her das Quorum für eine LP erfüllt haben, dass wir dann noch zwei weitere Songs schreiben „müssen“.

Wie spielt man so einen Song live? Dann ist die Spielzeit ja fast um ...

Da kann ich nur hoffen, dass du oder die Leser:innen es zu einem der Dates unserer anstehenden Tour schafft.

Man konnte im Vorfeld zu den Aufnahmen eine streng limitierte Pre-Version eures neuen Werks ergattern, mit deren Einnahmen ihr eure Produktion mitfinanzieren wolltet. Wie genau lief das ab? Und konntet ihr euer erhofftes Ziel damit erreichen?

Ja, wir haben recht früh eine „Fellow Pilgrim“-Edition von „Eremit 3“ angeboten, um den Produktionsprozess finanziell zu ermöglichen. Die Finanzierungsstütze, um die wir unsere „Die-Hard“ Fans gebeten haben, bezog sich also allein auf die Produktion der physischen Tonträger – ein Unterfangen, welches enorm ressourcenbedürftig war. Als kleine Underground-Doom-Band in verhältnismäßig kleiner Auflage eine 4x12“ zu veröffentlichen, ist extrem teuer. Wir sind nicht METALLICA oder so, die sowas aus dem Arm schütteln können und immense Stückzahlen haben.

Die Version ist innerhalb weniger Stunden ausverkauft gewesen, also das hat uns sehr überrascht und daher gut funktioniert. Ich würde aber, Stand jetzt, nicht nochmal in der Art eine Pre-Order umsetzen. Es kann einfach zu viel schief gehen und ich mag es nicht, bei Menschen in der Kreide zu stehen. Viel lieber produziere ich und trete dann mit einem bereits fertigen, real existierenden Produkt in der Hand an die Öffentlichkeit. Das wird eher unser Weg in der Zukunft sein, wenn uns finanzielle Hürden nicht wieder in Pre-Order- oder Kick-Starter-Terrain zwingen.

Was habt ihr euch Spezielles ausgedacht für die Glücklichen, die so eine Variante bekommen werden?

Diese „Fellow Pilgrim“-Edition beinhaltet sowohl die Vinyl- als auch die CD-Version von „Eremit 3“. Dazu kommt ein Art-Print-Set, welches verschiedene Kunstwerke, die wir für „Eremit 3“ beauftragt haben, als Kunstdrucke beinhaltet. Das Herzstück der Version ist ein handgefertigter Anhänger aus Kupfer oder Bronze, der auf der Rückseite den individuellen Namen der Person, welche die Version gekauft hat, trägt.

Das war ein sehr spannender und neuer Prozess, bei welchem ich mit Spiritual Mystikk zusammengearbeitet habe, einer kleinen mir bekannten Schmuck Manufaktur.

Eure Alben und euer Merch sind nahezu immer limitiert, oft in überschaubaren Mengen. Was ist die Idee dahinter? Einige eurer Items gibt es auch nur bei euren Konzerten zu kaufen. Warum ist das so?

Als allererstes weise ich hier immer daraufhin, dass unsere finanziellen Ressourcen begrenzt sind und wir zeitgleich einen sehr starken ethischen wie künstlerischen Anspruch an die Produkte haben, die wir herstellen und welche EREMIT physisch werden lassen. Das ist die Ausgangslage und daraus resultiert dann, dass wir, wenn wir zum Beispiel Hoodies herstellen, keine 150 Stück Auflage herstellen lassen können, weil wir uns das einfach nicht leisten können.

Wir haben immer mal wieder bestimmte Items oder Varianten, die es nur auf Live-Shows gibt. Das hat diverse Gründe: Zum einen ist es eine Art „giving back“ an die Menschen, die Zeit und Geld investieren, um uns live zu sehen. Wir schätzen das wirklich sehr, wenn Menschen sich dazu entscheiden, zu unseren Shows zu kommen. Denen dann besondere Items anzubieten, die es nur dort gibt, erzeugt einen speziellen Charme und ein bestimmtes „togetherness“.  

Der zweite Grund ist eher pragmatisch. Wir haben oft von einem Apparel Item verschiedenste Farbvarianten, gerne mal zehn oder mehr. Das wird dann natürlich wiederum aufgeschlüsselt in fünf oder sechs verschiedene Größen, die wir anbieten. Das ist eine Menge Arbeit, dies in unseren Online Store einzupflegen und entsprechende Produktfotos zu machen. Produktfotos sind mir persönlich wirklich wichtig. Ich mache nicht einfach ein Foto mit meinem Handy und putte ein Shirt in unseren Store.

Ihr macht ja alles im DIY-Style – von der Produktion bis hin zur Gestaltung eures Merches und verschiedener Items. Bestellungen fügt ihr meistens einen selbstgeschriebenen Dankesbrief bei. Das ist doch wahnsinnig zeitaufwendig alles?!

Das ist es! Punkt. Zeitmanagement ist für mich eine große Herausforderung geworden, was EREMIT angeht. Es gibt so viele mögliche Sachen, Aufgaben, Tasks, Ideen, die ich umsetzen könnte, doch selbst mit der vielen Zeit, die ich für EREMIT aufwende, nie alle umsetzten kann.

Ganz aktuell schneide ich den Aftermovie der Tour, die wir im Juni mit ECHO SOLAR VOID gespielt haben. Ich habe gestern Marco und Kalle die ersten sechs Minuten gezeigt, die fertig sind, und ich habe zu Marco gesagt, „Ich könnte jetzt noch locker einen ganzen Monat weiter an dem Ding schneiden ...". Aber es gibt natürlich auch andere Aufgaben, die fertig werden müssen und vielleicht sogar dringlicher oder wichtiger sind, das Pamphlet 3 zum Beispiel.

Mir macht all dies viel Freude. Und ich bin froh, dass mir Marco und Kalle auch Arbeit abnehmen und sich um Booking und andere Dinge kümmern. Es gab mal eine Zeit, da habe ich eigentlich wirklich alles allein gemacht, doch mit der Zeit ist das absolut unmöglich geworden.

Nehmt ihr eure Songs auch im DIY-Stil auf? Wie läuft das dann konkret ab, von der Aufnahme übers Mixing ...

Wir nehmen nicht DIY auf. Wir haben von Anfang an gesagt, wir wollen wirklich gute Aufnahmen haben. Aufnahmen, die den Sound, wie wir ihn live im Proberaum erleben, widerspiegeln. Keiner von uns ist Tontechniker oder hat großartige Recording-Erfahrung. Von daher stand von Anfang an eigentlich fest, dass wir bei „Role“ in der Tonmeisterei in Oldenburg aufnehmen werden. Ich kannte die Tonmeisterei bereits, weil ich dort schon mit DRAGGED, einer Art EREMIT-Vorgängerband, aufgenommen hatte.

Seit 2017 sind wir immer bei Role und haben uns auch für diesen September wieder für fünf Tage eingebucht und sind sehr gespannt, neues Material aufzunehmen.

Wer hat sich das ganze Universum um „Umno“ ausgedacht?

Die Lore, die Story, das kommt alles von mir. Da ich von Anfang an am Gesang war, war es irgendwie intuitiv so, dass ich auch die Lyrics scheiben sollte. So hat das alles angefangen.

Allein sich so eine Geschichte mit Charakternamen, Stadtnamen, Gebietsnamen, Religionen etc. auszudenken ist ja schon der Wahnsinn. Dann aber auch noch eine neue Weltansicht zu erfinden – wieviel Zeit und Liebe steckt darin?

Das World-building ist und war für mich sehr wichtig. Ich komme aus einem deutlichen „Der Herr der Ringe“-Background. Doch hat mich oft bei den Fantasy- und auch Sci-Fi-Universen, die ich kennengelernt habe, fast schon gestört, dass sie nahezu immer in einer Welt angesiedelt waren, die quasi „unsere“ ist oder ihr ähnelt. Die physikalischen Gesetze, der Aufbau von Leben und des Universums basierten in großen Teilen auf der Welt, in der wir leben.

Ich wollte schon immer eine Welt schaffen, einen Kosmos, der eigen ist. Diesen Wunsch konnte ich mir nun mit EREMIT und der Geschichte, die ich dort selber entdecke, erfüllen. Auch hier stecken natürlich viel Zeit, Kraft, Ehrgeiz, Liebe und Emotionen drin. Die Geschichte ruht auf meinen Emotionen, auf Dingen, die ich in meinem Leben erlebt habe oder erlebe. Auch auf Dingen, die zugleich irgendwie "zu mir kommen“, also wirkliche Visionen, wenn man es so nennen will.

Die Philosophie, die du vielleicht mit „Weltsicht“ angesprochen hast, ist flächendeckend in dieser Geschichte anwesend, mit ihr untrennbar verwebt. Ich bin durch mein Studium der Politikwissenschaften, der Soziologie sowie der Philosophie vielen Inhalten, Gedanken und Gebäuden begegnet, die mich inspiriert haben. Es war nicht unüblich, dass ich in Seminaren oder Vorlesungen saß und in einem Block regulär mitgeschrieben habe, aber in ein weiteres kleines Büchlein Inspirationen aller Art für EREMIT für die Story notiert und festgehalten habe.

Für alles gibt es detaillierte Illustrationen – Waffen, Charaktere, Städte etc. – und Karten. Wer hat das alles gestaltet?

Für die Visualisierung unserer Geschichte haben wir über die Jahre mit einer Vielzahl an Künstler:innen zusammengearbeitet. Dies trennt sich auf in Werke der Malerei, welche wir für die Full-Length-Album-Cover anfertigen lassen und die zeichnerischen Illustrationen, welche du angesprochen hast. Hier haben wir unter anderem mit Hagiophobic, Heathen Legs, Ryan Choy, BlocSanchez oder zuletzt Dariusz Kieliszek, was ein langer Wunsch und Traum von mir war, zusammen gearbeitet.

Andere schreiben damit ein eigenes Buch. Man könnte sagen, das habt ihr ja auch, nur in Form von dann bald drei Pamphlets. Wie ist die Idee dazu entstanden? Und wird es von Umnos Geschichte irgendwann auch mal ein gebundenes Buch geben?

Die Pamphlet-Form habe ich gewählt, da es sich hier immer um den Abdruck von Vorschriften handelt. Ein Buch ist ein unfassbar komplexes, großes und sich wirklich stetig wandelndes Ding. Ich habe von Anfang an gesehen, dass das fertige Buch nicht nur drei Alben plus eine EP umfassen wird, sondern auch, dass ich erst am Ende, wenn alles steht, zu einer endgültigen Version kommen werde.

Das dritte Pamphlet wird alle Kapitel des ersten Zyklus enthalten, doch noch immer eine Vorschrift-Version sein. Wann das fertige Buch „Der Eremit – Buch 1“ (Arbeitstitel) existieren wird, kann ich noch nicht sagen. Hoffentlich irgendwann!

Genau das wäre natürlich der Traum. Ich werde, wenn ich irgendwann das Buch wirklich fertig habe, schauen, ob ich einen Verlag finde, der Interesse hat, mit mir das Buch zu veröffentlichen.

Was würde in dem kurzen Buch-"Waschzettel" von Umnos Geschichte stehen?

Oh, das ist nicht so einfach. Du siehst, ich bin sehr vorsichtig und gründlich mit dem, was ich schreibe, daher die ausdrücklichen Vorschriftenversionen der Geschichte in Pamphletform. Einfach so einen Klappentext hier aus dem Ärmel schütteln, das kann ich nicht. Eher will ich ein Zitat aus dem Buch mitgeben: „Lass dort nicht nur Zweifel sein, wo auch Liebe einen ewig Platz verdient.“

Bei solch einer komplizierten Geschichte, warum singst du nicht auf Deutsch? Kann das bei späteren Werken oder Songs eventuell vorkommen?

Die Distinktion und Diskrepanz zwischen englischen Songtexten und einem auf Deutsch geschrieben Buch ist in der Tat ein wenig irritierend. Das erste Pamphlet war allerdings auch noch auf Englisch geschrieben! Erst als ich das zweite Pamphlet schrieb, merkte ich, dass ich auf Deutsch wechseln muss, um in meiner Muttersprache wahrlich befähigt zu sein, das auszudrücken, was ich sah und fühlte und noch immer sehe und fühle.

Ich denke, dass die Songtexte auf Englisch sind, ist meiner musikalischen Sozialisation durch US-amerikanische Musik geschuldet. Es hat zudem den Vorteil, dass wir mit unseren Alben, Titeln und Songtexten ein breiteres Publikum erreichen und auch nicht deutschsprachige Fans in die Geschichte eintauchen können.

Parallel zu den Arbeiten an eurem neuen Werk habt ihr euer eigenes Label Drei Gleichen gegründet. Wie kam es dazu?

Wir haben uns nach der Veröffentlichung von „Eremit 2“ („Bearer Of Many Names“) von unserem Label Transcending Obscurity Records (TOR) soweit es ging getrennt. Ohne das im Detail hier darzustellen, waren wir über die Jahre nie richtig zufrieden mit der Qualität der physischen Produkte. Weiter gab es immer Probleme mit dem Versand, internen Absprachen etc. Es hat einfach nicht mehr wirklich gepasst.

Für „Eremit 3“ haben wir dann bei zwei größeren Labels angeklopft, die ein Traum von uns gewesen wären, da kam aber nie eine Antwort. Daraufhin sind wir dann Independent gegangen. Haben die Sache selber in die Hand genommen und haben jetzt mit „Blade Of The Underground“ und „Eremit 3“, welches wir in gleichberechtigter Partnerschaft mit Fucking Kill Records veröffentlicht haben, die mit Abstand hochwertigsten physischen Alben veröffentlicht, die es je von EREMIT gab. Darauf bin ich wirklich stolz.

Was kommt als nächstes, jetzt, wo der erste Zyklus abgeschlossen ist?

Dass der erste Zyklus abgeschlossen ist, ist eine unfassbare Leistung aus meiner Sicht. Es war ein Traum von mir, seit dem Release von „Carrier Of Weight“, so weit zu kommen, dass wir diese Geschichte des Wasser-Eremiten, diesen Zyklus, beenden. Das ist nun geschafft. Wie genau es weitergeht, verraten wir noch nicht zu diesem Zeitpunkt. Nur so viel, dass es weiter geht!

Wir spielen noch 'ne Handvoll Festivals dieses Jahr. Studio ist ebenfalls gebucht, wie schon beschrieben, mehr sagen wir erstmal nicht.

EREMIT gehört noch eher dem Underground an, trotz eurer loyalen Fanbase. Ist das Fluch oder Segen? Und meint oder wünscht ihr euch, doch noch bekannter zu werden?

Wir haben den Titel der im Januar erschienenen Compilation „Blade Of The Underground“ bewusst gewählt. Natürlich ist damit zunächst vordergründig das Schwert, welches in der Lore in den Tiefen der Erde gefunden wird, gemeint. Doch ist es weiter auch eine Art Wortspiel und eine Selbstbezeichnung für uns, als Band. Wir sind „Die Band mit dem Schwert“, und wir sind ganz klar musikalisch und größentechnisch dort zu verorten, was man als „Underground“ bezeichnet.

Natürlich kann man diesen Begriff immer unterschiedlich skalieren. Mit vier Veröffentlichungen auf Vinyl, über sieben Jahren Bandbestehen, über 60 gespielten Shows in fünf verschiedenen Ländern sind wir an einem anderen Ort als z.B. ein neues Bandprojekt, was ein Demo auf Tape in einer 25er-Auflage rausgebracht hat. Schaut man aber auf Metal als Genre allgemein weltweit, oder von mir aus auch in Deutschland, kommen wir zwar hier und da mal in einem Magazin vor, sind aber noch immer Nische. Nische in der Nische in der Nische, wenn man sich die Welt der Musik allgemein anschaut.

Welche Bands waren und sind für euch Vorbilder? Und mit welchen davon habt ihr schon die Bühne geteilt?

Ich will und kann da erstmal nur für mich sprechen. Und ich nenne einfach mal nur eine Band. Es gibt natürlich unzählige Bands, die mich in irgendeiner Art geformt haben. Jeder Konsum verändert einen doch in irgendeiner Form. Aber ich denke, es gibt eine Band, die mich vor allem von meinem Zugang zur Umsetzung von Ideen her geprägt und beeinflusst hat: THOU. Eine Band, die einfach durch Integrität und Qualität strahlt wie keine andere, zumindest für mich.

Die Verwebung von Philosophie, Politik und Musik hat mich definitiv beeinflusst. Der Hardcore- oder Punk-Approach, die DIY-Mentalität, die Ernsthaftigkeit verbunden mit einem menschlichen Schalk, all das sehe ich auch in mir und uns. Mein Tipp: Die Liner-Notes der CD-Version des Albums „Heathen“ lesen!

Bisher konnte noch keine Show mit THOU verbucht werden. Aber that’s ok. Ich toure der Band seit vielen Jahren mit großem Vergnügen als private Person hinterher, wenn sie in Europa touren.

Und mit wem wollt ihr neben THOU noch unbedingt einmal die Bühne teilen?

Ich würde gerne etwas raus aus der Stoner-Doom-Schiene. Ich würde gerne mehr in Extreme-Metal-Kontexten auftauchen und vielleicht auch mal ganz aus dem Metal raus. Ich denke da an SUNN O))), welche auch eher als künstlerisches Outlet, als Kunstperformance an sich wahrgenommen werden. Und nicht als Band eines bestimmten Genres, was nur dort stattfinden kann.

Was ist mittlerweile euer größter Wunsch?

Kollektiv kann ich das schwer sagen. Vielleicht, dass wir es schaffen, weiterhin die Band am Leben zu erhalten. Ich glaube, wir alle lieben diese Band und würden uns wünschen, dass es noch ein wenig weiter geht. Aber „Change is always“ (AMENRA), wie wir wissen. Und es bedarf immer der Kraft und Zeit und Möglichkeiten der Individuen, die im Zusammenschluss die Band EREMIT ergeben, damit ebendiese weiterhin existiert.

Angenommen, wir besuchen spontan euren Tourbulli – was läuft in eurem Musikplayer?

MUDDY WATERS oder MILEY CYRUS. Oder irgendein IRON MAIDEN-Album, was wir von vorne bis hinten hören, feiern und zugleich analysieren.

Was könnt ihr, außer eurer aktuellen Scheibe, unseren Lesern als musikalische Tipps mit auf den Weg geben?

Auf meiner aktuellen Liste stehen die folgenden zwei: GEL – ONLY CONSTAND sowie LITTLE SIMZ – NO THANK YOU. Weiter war ich dieses Jahr endlich mal wieder auf dem Roadburn Festival, was unfassbar schön war.

Allgemein will ich die Menschen dazu anregen, offen zu sein, sich wahrlich zu trauen, das zu hören, was Mensch hören will und mag und zugleich stehts zu explorieren. Den Mut zu haben, dorthin zu gehen, was einen reizt. Unabhängig von Genregrenzen oder dem dominanten Geschmack der eigenen peer-group. 

Die letzten Worte gehören euch.

May we learn from it. All.