Das Vorprogramm: Licht und Schatten
Der Abend startete mit NAILS, die mit ihrem gewohnt rasanten Hardcore/Grind-Mix das erste Adrenalin freisetzten. Deutlich präsenter zeigten sich danach die Bay-Area-Legenden EXODUS. Die Truppe lieferte in ihren etwas mehr als 45 Minuten ein absolutes Brett ab, inklusive einer massiven Wall of Death. Die Interaktion mit der Crowd war extrem herzlich; Frontmann Steve „Zetro" Souza betonte sogar, dass Berlin für ihn der „1st Place to live" wäre, was ihm zusätzliche Sympathiepunkte einbrachte.
Einen spürbaren Bruch gab es jedoch bei CARCASS. Während die musikalische Qualität der Death-Metal-Pioniere außer Frage steht, wirkte der Auftritt seltsam distanziert. Abgesehen davon, dass Jeff Walker routiniert zahlreiche Plektren ins Publikum warf, gab es kaum nennenswerte Kommunikation mit den Fans. Das kuriose Ende mit einem Disco-Track ließ viele Zuschauer ratlos zurück – ein Experiment, das im Vergleich zur Spielfreude von EXODUS eher deplatziert wirkte.
KREATOR: 40 Jahre Thrash-Perfektion
Als schließlich KREATOR die Bühne übernahmen, wurde sofort klar, wer die Hausherren sind. Mille Petrozza schlug direkt die Brücke zur besonderen Beziehung der Band zur Hauptstadt: „1985 haben wir unser erstes Album in Berlin aufgenommen, 1986 unsere erste Show hier gespielt." Diese tiefe Verwurzelung spiegelte sich in einer Setlist wider, die gleichermaßen neues Material wie Klassiker aus vier Jahrzehnten Bandgeschichte feierte.
Die vier spielten ein gewohnt routiniertes Brett. Die Inszenierung setzte dabei neue Maßstäbe: Neben einem beeindruckenden Bühnenbild und dem massiven Einsatz von Pyro und Feuer war es vor allem das Lichtdesign, das begeisterte. Es war eines der durchdachtesten Konzepte, die man im Metal-Sektor bisher sehen konnte – ästhetisch brillant und perfekt auf die Brachialität der Musik abgestimmt. Nach rund 90 Minuten ohne klassische Zugaben-Unterbrechung endete die Show auf dem absoluten Höhepunkt.
Fazit: KREATOR bleiben die unangefochtene Speerspitze des deutschen Thrash Metal. Während EXODUS den Boden mit viel Herzblut bereiteten, bewies der Hauptact, dass man auch nach 40 Jahren mit moderner Show-Technik und ungebrochener Härte die Thronfolge verteidigen kann.
Setlist: KREATOR
(Berlin, Uber Eats Music Hall, 18.04.2026)
- Seven Serpents
- Hail to the Hordes
- Enemy of God
- Satanic Anarchy
- Hate Über Alles
- People of the Lie
- Betrayer
- Krushers of the World
- Hordes of Chaos (A Necrologue for the Elite)
- Satan is Real
- Loyal to the Grave
- Phantom Antichrist
- Endless Pain
- 666 - World Divided
- Violent Revolution
- Pleasure to Kill
