Geschrieben von Dienstag, 08 Mai 2018 11:57

Obscura, Deserted Fear, Thulcandra und Sektor - Der Geburtstagsbericht aus der Alten Kaserne Landshut mit Bildergalerie

30.04.2018 Landshut – Wenn man sich die Jungs von OBSCURA so anschaut, mag man kaum glauben, dass in diesem Jahr schon der 15. Bandgeburtstag gefeiert werden soll. Aber früh übt sich, wer einmal Edeltechniker werden will–- und so geht es am 30. April nach Landshut in die Alte Kaserne zur Death Metal-Geburtstagsparty, bei der auch noch SEKTOR, THULCANDRA und DESERTED FEAR mit von der Partie sind.

Die Bayern haben Bock, zu feiern

Dass es sich um kein ganz normales Konzert handeln würde, war im Vorfeld schon klar. Eine groß angelegte Werbekampagne, Diashows zur Bandgeschichte in den Umbaupausen, ein als PDF verfügbares Handout mit allen Infos zu Anreise, Running Order und Aftershow-Party – OBSCURA liefern den Fans bereits vorab ein Rundum-Sorglos-Paket. Kein Wunder, dass so manch ein Fan da auch eine etwas weitere Anreise auf sich nimmt. Verglichen mit Schweden oder Singapur erscheinen einem die eigenen 500 km Fahrtstrecke aus dem Sauerland ins tiefe Bayern da schon fast wieder mickrig.

Sektor

Serum

Nach einer Meet & Greet-Session geht es auf der Bühne pünktlich um 20 Uhr los mit den Jungs von SEKTOR. Die erste Landshuter Lokalformation des Abends hat einiges an eigenen Fans dabei und sorgt durch geradlinigen Death Metal für einen gelungenen Auftakt. Generell ist die Alte Kaserne bereits gut gefüllt, der Sauerstoff schon jetzt hinreichend knapp und der Geburtstags-Grundstein definitiv gelegt.

Thulcandra

Thulcandra

Weiter geht es mit dem ersten der beiden Geburtstagskindern. 2003 scheint ein insgesamt ereignisloses Jahr gewesen zu sein, wenn Steffen Kummerer die Zeit gefunden hat, nicht nur eine, sondern direkt zwei Bands zu gründen, die tatsächlich beide weiterhin bestehen und – was noch viel wichtiger ist – beide stetig für sehr hörbaren Output sorgen. Ein bisschen eingängiger als OBSCURA, aber nicht weniger komplex nutzen THULCANDRA ihre 45 Minuten Spielzeit voll aus und spielen sich endgültig in meine persönliche Musiksammlung.

Egal ob das eher heavy-getragene "Frozen Kingdom", mit welchem dem leider verstorbenen ehemaligen Gitarristen und Band-Mitgründer Jürgen Zintz gedacht wird, oder das treibende "Deliverance In Sin And Death" – THULCANDRA spielen ein sehr stimmiges und unterhaltsames Set. Das weitere Publikum scheint meinen Eindruck zu teilen und die häufig sehr persönlichen Ansagen verleihen dem gesamten Abend eine sehr private und fast schon intime Note. Es ist eben nicht nur ein Konzert im klassischen Sinne, sondern tatsächlich auch eine Geburtstagsfeier mit Freunden und Bekannten aus 15 Jahren Bandgeschichte.

Deserted Fear

Deserted Fear

DESERTED FEAR waren beim Ruhrpott Metal Meeting 2017 schon die Band, die mich in Sachen Death Metal ein wenig angefixt hat. Furchtbar böse klingende Musik, vorgetragen von fröhlich strahlenden Jungs aus Thüringen und BON JOVIs "You Give Love A Bad Name" als Aufwärmsong – die Kombination mag ich. Wie schon zuvor bei THULCANDRA merkt man auch DESERTED FEAR die Spielfreude deutlich an. Die Thüringer feuern haufenweise Riffs raus und niemand bangt schöner, als Gitarrist Fabian Hildebrandt.

Aber da können Songs wie "Battalion of Insanities" und das extrem mitgrunztaugliche "Bury Your Dead" noch so ernsthaft deathmetallisch sein, das fröhliche Grinsen kriegen die Jungs um Sänger Manuel Glatter einfach nicht aus ihren Gesichtern gewischt. Wie schon bei THULCANDRA sind auch hier die 45 Minuten Spielzeit gefühlt zur kurz. Bei aller Vorfreude auf OBSCURA, aber DESERTED FEAR in voller Länge wäre die daraus resultierenden Nackenschmerzen auch mehr als wert.

Obscura

Obscura

Beim nunmehr vierten OBSCURA-Konzert in vier Monaten wird es langsam schwierig, etwas Neues zu schreiben und gleichzeitig das innere Fangirl ("Oh mein Gott, die klingen so groß und erwachsen und sind gleichzeitig so nett und  flauschig") in Schach zu halten. Egal ob als Teil eines Festival-Billings, als Support oder wie dieses Mal als Headliner: OBSCURA meistern den Balanceakt zwischen technisch anspruchsvoller Musik und unterhaltsamem Live-Konzert. Man kann sich als Fan einfach darauf verlassen, dass technisch jeder Ton sitzt, die Licht- und Nebelshow auf die Songs abgestimmt ist und Frontmann Steffen Kummerer trotzdem noch die eine oder andere augenzwinkernde Moderation aus dem Ärmel schüttelt.

Umso unberechenbarer ist im Gegensatz dazu das Publikum – vom Moshpit des Todes und haufenweise Crowdsurfern auf der 70.000 Tons of Metal bis zur Gruppe stiller Genießer war schon alles mit dabei. Aufgrund der Tatsache, dass die Alte Kaserne eine relativ strenge Curfew hatte und nach dem Konzert direkt die Tore schließen mussste, war die Setlist gar nicht mal so viel länger, als auf den bisherigen Festival- und Support-Shows. Dass "The Monist" es endlich auf die Liste geschafft hat, freut mich allerdings sehr, die treibenden Drums am Anfang sind geradezu dafür gemacht, live auf die Bühne gebracht zu werden.

Kein Wunder, dass das Publikum zur Zugabe lautstark ein Drumsolo fordert und von Sebastian – Motivation durch Spott – Lanser nicht enttäuscht wird. Mit "Incarnated" ist danach nach knapp 70 Minuten Spielzeit leider schon Schluss, aber für die Bands und vermutlich auch die meisten Konzertbesucher geht es mit der Aftershowparty in der Landshuter Altstadt weiter.

Setlist THULCANDRA:

  1. Black Flags of Hate
  2. Throne of Will
  3. Frozen Kingdom
  4. The Second Fall
  5. Deliverance in Sin and Death
  6. Spirit of the Night
  7. Night's Blood

Setlist DESERTED FEAR:

  1. The Fall of Leaden Skies
  2. Battalion of Insanities
  3. Kingdom of Worms
  4. Wrath on your Wound
  5. The Carnage
  6. Field of Death
  7. Face Our Destiny
  8. Bury Your Dead

Setlist OBSCURA:

  1. Ten Sepiroth
  2. The Monist
  3. Ocean Gateways
  4. Akroasis
  5. Anticosmic Overload
  6. Sermon of the Seven Suns
  7. Ode to the Sun
  8. Perpetual Infinity
  9. Centric Flow
  10. Drumsolo
  11. Incarnated