Reflector – Pass



Stil (Spielzeit): Doom Metal / Avantgarde (40:57)
Label/Vertrieb (VÖ):  Noise Appeal Records (Oktober 2009)
Bewertung: 7,5/10


Es ist immer wieder spannend, sich eine Band anzuhören, deren Musik als Avantgarde bezeichnet wird. Üblicherweise gibt es da nämlich nur zwei Möglichkeiten: entweder Top oder Flop.

Nicht jedes „Pionierwerk“ ist zwangsläufig gut, so passiert es doch sehr häufig, dass mit diesem Begriff nur versucht wird, langweiliger oder gar alberner Musik einen speziellen Reiz zu verleihen.

Die Tatsache, dass weit mehr als die Hälfte aller „Avantgarde“-Musik Schrott ist, impliziert gleichzeitig aber auch, dass es durchaus Gutes in diesem besonderen Abteil gibt. Dabei wäre noch zu erwähnen, dass gerade die Künstler, welche den Mut haben, einen Grenzgang zu wagen, oft Begründer einer ganzen Bewegung werden (man denke hier nur mal an BLACK SABBATH oder Bill Haley).

Soviel vorweg: das Album „Pass“ von REFLECTOR ist kein Flop. Im Gegenteil. Die Weniger ist Mehr Devise, nach der die Songs geschrieben worden sind, geht auf. Die angeschlagenen Griffe auf der Gitarre sind richtig gehaltvoll und schaffen es, eine wahrhaft dunkle Atmosphäre herbeizuzaubern. Das hochpräzise Schlagzeugspiel ist eine Ohrenweide, nicht zuletzt da die Schläge durch langsame Änderung der Dynamik und des Rhythmus’ variiert werden, wobei dennoch eine fast schon hypnotische Monotonie erzeugt wird. Das Zusammenspiel der Instrumente liefert Doom Metal der musikalisch feinsten Art. Schrittweise, bis hin zum Höhepunkt, wird die liedinterne Spannung erhöht. Erstaunlich ist, dass fast alle Lieder auf diesem Album genau dieser Struktur entsprechen. Prinzipiell endet jeder monotone Part in einem Feuerwerk an „Highlight“, was wohl die Vielschichtigkeit dieser Band ausmacht. Die dadurch erzeugte Abwechslung lässt Langeweile gar nicht erst aufkommen – und plözlich sind die gut 40 Minuten vorbei.

Doch es gibt auch einen Punkt, der mir nicht so sehr gefällt. Dieser wäre der Gesang, der leider viel zu selten eingesetzt wird. Nur sehr wenige Lieder sind keine kompletten Instrumentals, was schade ist, denn die Songs mit Vocals zeigen, dass der Sänger durchaus dazu in der Lage ist, seine Stimme in die eigenwillige Musik miteinzubinden. Außerdem finde ich, dass allgemein - in Metal aller Art - Gesang irgendwie dazugehört, weshalb ich auf dem Album einfach etwas Geschreie, Gegröle und Gesinge vermisse.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass es nicht viel Sinn macht, zu versuchen, die Musik von REFLECTOR genau zu kategorisieren, denn es gibt nur wenige Rock-Genres, die in den Songs nicht zumindest ansatzweise vertreten sind. Die Musik vereint Elemente des Doom Metals, des Black/Death Metals und manchmal auch leichte Punk- und Grungeallüren.

Abschließend ist noch zu sagen, dass REFLECTOR schon auf weit über zehn Jahre Bandgeschichte zurückblicken kann. Erstaunlich, wenn man den Bekanntheitsgrad und die Güte der Musik mal abwägt. Es ist nun einmal ein Grenzgang und nicht jedem Menschen gefällt das noch nie Dagewesene.

Für Fans von GALLHAMMER, CELTIC FROST, TOTENMOND und altem, experimentellem Metal (wie DARK MILLENNIUM ihn zu machen pflegte) dürfte REFLECTOR ein ernstzunehmender Geheimtipp sein, ansonsten sollte ohnehin jedes Doom-Metallerherz beim Hören ihres Namens höher schlagen!

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