Demians - Building An Empire


Review


Stil (Spielzeit): Progressive Rock (56:43)
Label/Vertrieb (VÖ): InsideOut Music/SPV (16.05.08)
Bewertung: Atmosphärisch und vielseitig, aber noch zu wenig eigenständig (7/10)
Link: http://www.demiansmusic.com/

„Eine Band oder Musikgruppe ist ein Zusammenschluss von Musikern, den man aufgrund des großen Einflusses, den die US-amerikanische und britische populäre Musik (Popmusik) seit dem 20. Jahrhundert ausübte, auch als Band bezeichnet.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Band_(Musik) ) Zusammenschluss also. Klingelt da irgendwas? Richtig: Einzelperson ist nicht gleich Band. 

Oder etwa doch? Gerade im Prog- und Metalsektor tummeln sich bekanntermaßen schon seit Urzeiten diverse Ein-Mann-Projekte, teilweise von Beginn an unter dem Deckmäntelchen irgendeines Bandnamens und unter Zuhilfenahme maximal einzelner Studioinstrumentalisten – man vergleiche beispielsweise die frühen PORCUPINE TREE, eine gewisse DEVIN TOWNSEND BAND (nun gut, hier ist tatsächlich der Name Programm) oder auch aus weniger bekannten, schwarzmetallischen Gefilden die „Herren“ von DEKADENT. 

Nun also hat die proggende Zunft mit der „Musikgruppe“ DEMIANS ein weiteres Mitglied Marke Ein-Mann-Band zu verzeichnen. Klar – live muss sich Alleinherrscher Nicolas Chapel zusätzlich mit jeweils einem externen Kesselrührer, Tieftöner und Tastenartisten ausstatten, sofern er nicht wie Zaphod Beeblebrox (vgl. „Per Anhalter durch die Galaxis“) in absehbarer Zeit auf die Option zurückgreifen sollte, sich einige zusätzliche Extremitäten an die Plautze flicken zu lassen. Doch im Studio geht – man höre und staune – tatsächlich jede einzelne eingespielte Note auf das Konto des offensichtlich nicht nur in Kompositions- und Arrangementfragen vielseitig begabten Franzosen, welcher unlängst von Branchenprimus Steven Wilson (PORCUPINE TREE) den verbalen Ritterschlag erhalten hatte. 

Der Grund für diese britisch-französische Freundschaft liegt schon nach wenigen Takten der mit „Building An Empire“ betitelten, insgesamt ungefähr einstündigen Scheibe deutlich auf der Hand: Hätte unser lieber Steven nämlich all zu viel zu meckern gehabt, wäre an seiner Stelle nur folgerichtig gewesen, weite Teile des eigenen Outputs, zumindest der vergangenen fünf, sechs Jahre, umgehend in die Tonne zu kloppen. Damit soll DEMIANS allerdings keinesfalls jede Form von Eigenständigkeit abgesprochen werden: Gerade was das Arrangement der Melodielinien und Riffings anbetrifft, sind eigene Ansätze unverkennbar. Dennoch erinnert bereits die Grundstimmung des Openers The Perfect Symmetry, ebenso wie die Gesamtstruktur des insgesamt über neun Minuten andauernden Songs nicht nur entfernt an so manches Werk des mittlerweile nicht mehr nur in Szenekreisen geradezu fanatisch verehrten, berühmten Vorreiters aus Hempel Hempstead. 

Deutlich zupackender geht dann schon der Dreiminüter Shine über die Bühne, überleitend auf das – und nun wird es wirklich eigenständig, wird es wirklich stellenweise grandios – anschließende Sapphire. Hier steckt wirklich alles drin, was das Herz des auf dichte Atmosphäre und große, zum Schwelgen einladende Harmoniegebilde bauenden Hörers höher schlagen lassen sollte. Im Mittelteil stört sogar die eine oder andere Anleihe aus Alternative-Gefilden nicht weiter, im Gegenteil, umso wirkungsvoller stellt sich der Kontrast zum anschließenden, orchestral dominierten Melo-Part dar. Metallische Riffs und Doublebass-Salven beschließen einen knapp achtminütigen Trip durch sämtliche Facetten des Progrock-Kaleidoskops, der zwei grundsätzlich eher kontraproduktive Impulse hinterlässt: Die unbändige Lust auf Neues und den Drang, noch vor dem nächsten Track die Repeat-Taste zu betätigen. 

Zu empfehlen wäre tatsächlich letzteres, denn Naive darf ohne umschweife als musikalische Verschnaufpause gewertet werden. Geradlinig, rockig und mit deutlichem Alternative-Touch wird das Niveau des vorangehenden Titels ein wenig verfehlt. Die Gute Nachricht allerdings: Die verbleibenden Nummern des Albums orientieren sich größtenteils in Richtung dunklerer, nebelverhangener Gefilde, und nicht erst während des finalen 16-Minuten-Epos’ Sand wird ganz klar: Hier wartet unter Umständen zukünftig noch Großes auf uns, bedenkt man die geradezu unheimliche Reife, die in diesem Debutalbum bereits zu entdecken ist. 

Ein klarer Kauftipp ergeht letztlich an alle Liebhaber anspruchsvoller, vielschichtiger Rockmusik, auch wenn mehrere Durchläufe notwendig sind, um der gesamten Tragweite und musikalischen Dimension der en gros nicht nur wegen Laufzeiten von beinahe durchgehend mindestens fünf Minuten nur bedingt radiotauglichen Titel voll gerecht zu werden. Hier und da eine Prise mehr Eigenständigkeit, und der Blick nach vorne sollte für DEMIANS angesichts eines Erstlings von solchem Format ausschließlich die besten Perspektiven bieten.