The Tips - Twist n Turns Tipp

The Tips - Twist n Turns
    Reggae, Rock, Punk, Funk, Blues

    Label: Long Beach Records
    VÖ: 19.02.16
    Bewertung:8/10

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Bei ihrem letzen Album „Trippin“ habe ich den Düsseldorfern von THE TIPS noch attestiert, ein wenig zu nahe an ihren Vorbildern von SUBLIME zu stehen – obwohl ich die Platte abgefeiert habe. Mit „Twist n Turns“ legen sie nun das nächste Kapitel vor und machen einen großen Sprung nach vorne – und ja, sie schwimmen sich tatsächlich frei.

Natürlich erinnert dieser manchmal bluesig angehauchte Reggae nach wie vor an SUBLIME ... aber das eben nur noch als ein Einfluss unter vielen. Mittlerweile klingt ihr Reggae klassischer und streckenweise auch etwas europäischer. Und für das ein oder andere Riff hätten sich auch die RED HOT CHILIE PEPPERS nicht geschämt.

Überhaupt sticht hier Facettenreichtum wesentlich mehr ins Auge: Reggae, Ska, Punk, Dub, Funk, Blues, Pop ... ist alles mit dabei. Dass die drei Jungs das hinbekommen, liegt vor allem daran, dass sie auf jeder Position ziemlich gut besetzt sind. Und vor allem Gitarre und Stimme geben ihnen ihre eigene Note. In beiden steckt nämlich so viel Blues ...

Im Gegensatz zu ihren überwältigenden Live-Shows ist „Twist n Turns“ etwas ruhiger und poppiger ausgefallen. Aber der Sound ist dieses Mal auch noch wesentlich dicker geworden, ohne die Songs zu verkleistern. Mich wundert es daher nicht, dass während ich dies hier schreibe, sie mit ihrer Single „Birds In Trees“ auf Platz eins der alternativen deutschen Charts stehen. Und das mit Sicherheit nicht nur wegen des Gastauftrittes des SKINDRED-Sängers.
Hier treffen geniales Songwriting, technisches Können, guter Sound und viel Mut aufeinander. Denn THE TIPS könne auch gerne mal auf dicke Hose machen und die große Geste wählen. Und was soll ich sagen? Es funktioniert! Sei es ein unheimlich fettes Riff, ein tolles Solo oder ein BEATLES-esquer Chor.

Habe ich schon erwähnt, dass sie nicht nur übers Tanzen und Rauchen reden? „Twist n Turns“ ist auch ziemlich politisch ausgefallen – aber in den Zeiten, in denen wir leben, ist es auch schwer, sich davon nicht beeinflussen zu lassen.

Auch wenn ich persönlich noch etwas mehr Punk oder Ska erwartet hatte, bleibt festzuhalten, dass ich schon seit Ewigkeiten kein deutsches Reggae(etc)-Album gehört habe, welches sich mit dem neuen Werk der THE TIPS messen könnte. In so ziemlich allen Belangen groß – auch wenn mir die Energie der Live-Shows hier ab und zu ein wenig fehlt. Also: ab auf die nächste Show und dieses Album kaufen!

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