7ieben - Lupus und Lea



Stil (Spielzeit): Alternative/Rock (52:54)
Label/Vertrieb (VÖ): Timezone (19.02.10)
Bewertung: 6,5/10

Link: http://www.7ieben.de
7IEBEN gehen neue Wege. „Lupus und Lea" erscheint in einem Digipack, enthält aber kein normales Booklet. Das findet sich im Internet, und es nennt sich NetBooklet. Obwohl ich mit der Vermischung von einem physischen Tonträger und Multimediageschichten nicht viel halte (ich würde gerne die Texte im Booklet nachblättern können, ohne den PC anmachen zu müssen), haben 7IEBEN das Konzept sehr ansprechend umgesetzt. Im NetBooklet findet man sämtliche Texte sowie weitere Informationen zu den Songs, da es sich im Grunde um ein Konzeptalbum handelt. Downloads, Bonusmaterial und weitere Extras finden sich ebenfalls dort.

Eine nette Idee also, mit der die Deutschen auf sich aufmerksam machen. Doch das wichtigste ist nach vie vor die Musik, von der es auf „Lupus und Lea" gute 53 Minuten zu hören gibt. Bei deutschsprachigen Alben bin ich immer ein wenig skeptisch, denn nur wenige Bands schaffen es, ansprechende Texte zu schreiben, die bei einer heimischen Band eine gewichtigere Rolle spielen als bei fremdsprachigen Combos. 7IEBEN gehören dazu, die Texte sind durchdacht und die Story interessant. Hat man sich erst einmal in das moderne Konzept von Angst und Liebe, Alkoholexzessen, Selbstzerstörung und Gegensätzen eingelesen, macht „Lupus und Lea" sogar noch mehr Spaß, als wenn es nur um belanglose Themen gehen würde.

Doch nun endlich zur Musik. Die vier Deutschen fühlen sich im Bereich des Alternative Rock zu Hause, teils fühlt man sich an eine härtere Version von REVOLVERHELD erinnert, was an den ähnlichen Vocals liegen könnte. 7IEBEN beschränken sich jedoch nicht nur auf härtere Gitarren, sondern bringen auch mal Swing, Elektonik, rhythmische Wechsel und andere Finessen in ihren Sound ein. Das geht nicht immer gut: "G.M.X." erinnert in den Strophen unweigerlich an den grausamen Max Mutzke und stellt den absoluten Tiefpunkt von „Lupus und Lea" dar. Glücklicherweise hebt das ruhige „Sonntags" das Niveau wieder auf ein deutlich höheres Niveau und geht in das flotte, aggressive „Bleib in Bewegung" über. Für eine Rockband ist die lange Spielzeit einzelner Tracks ziemlich ungewöhnlich, aber 7IEBEN schaffen es in „Von der Sonne lernen" (siebeneinhalb Minuten) und dem traurigen „Delirium Tremens" (geht sogar auf die neun Minuten zu), den Hörer bei der Stange zu halten. „Ultima Ratio" fühlt sich beinahe im modernen Metalsektor zu Hause.

Der klare (und leider recht einsame) Höhepunkt dieser Scheibe ist jedoch „Schrei" mit einem Ohrwurm-Refrain, der einem absolut nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Auch wenn der deutsche Alternative Rock ansonsten bis auf ein, zwei Ausnahmen ansprechend ist: So hätte ich mir das ganze Album gewünscht, denn dann wäre aus „Lupus und Lea" ein granatenstarkes Album geworden. So bleibt immerhin ein gutes Werk, das man sich als stilistisch offener Hörer mit Vorliebe für eingängigen, modernen Rock definitiv zulegen kann.

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