Tracedawn - s/t Tipp




Stil (Spielzeit): Melodic Death Metal (41:37)
Label/Vertrieb (VÖ): Redhouse FMP / Drakkar (22.08.08)
Bewertung: 9 / 10
Link: http://www.tracedawn.com
http://www.myspace.com/tracedawn

Ich habe gewonnen – bei einem Spiel mit mir selbst!
Als ich die CD mit Namen „Tracedawn“ in den Player einlege, weiß ich noch nichts und muss erraten, aus welchem Land die Band kommt. Und ich habe es erraten: Finnland! Ein Blick ins Booklet erstaunt mich doch etwas, als mir ein Haufen ziemlich jugendlich aussehender Burschen entgegenblickt. Dies liegt wohl am Altersdurchschnitt, der insgesamt tatsächlich unter der 20er-Grenze liegt.

Umso mehr wackle ich mit den Ohren, denn was die jungen Finnen mit ihrem Debüt abliefern ist – um es vorwegzunehmen – nicht von schlechten Eltern. Ein Grund dafür ist auch die Entstehungsgeschichte der Truppe. Denn als der Gitarrist Tuomas Yli-Jaskari nach schon vielen eigenen musikalischen Erfahrungen die Idee hat, etwas selbständiges zu machen, fehlen ihm die Musiker. Vor knapp zwei Jahren findet er dann dank neuester Medientechnologie die heutige Mannschaft von TRACEDAWN, die alle einen guten Background an ihren Instrumenten mitbringen. Und das kann sich hören lassen.

Mit einem kräftigen, modernen Sound, den man aus den bekannten Finnvox Studios bekommt, legen die Jungs los. Zu dem ersten Track „Without Walls“ gibt es sogar schon ein Video, was auch einen Hinweis gibt, wie viel Potential in der Bande gesehen wird. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass dieses Stück zu einem Hit avanciert, denn es hat alles, was man dafür braucht: aggressives Geballer mit rauem Shouting, ein wunderbar melodiöser Refrain, nette solistische Schmankerln und einen Schuss Progressivität.
In „Test of Faith“ walzt schweres, eisernes Gerät mit einem schwermütigen Groove durch die Wiesen, was man mit Klavier ausklingen lässt. Die folgende Nummer könnte fast von den finnischen Kollegen NORTHER stammen, denn bei CHILDREN OF BODOM gibt es keinen wirklich klaren Gesang. Saitenhexer und Tastendrücker wechseln sich in ihrer Virtuosität ab, um Melodie in die „Art Of Violence“ zu bringen. Vielleicht ist es fast ein bisschen zu viel „Kunst“, denn ich finde es kleine Längen gibt, die sich im Instrumentalismus tummeln. Damit möchte ich auf keinen Fall TRACEDAWN die technischen Fähigkeiten absprechen.

Doch schon der nächste Song lässt mich wieder bestätigend den Kopf nicken fröhlich auf den Schenkeln trommeln. Mit tollen Hooklines, die bei Gitarren oder Gesang zum Mitpfeifen einladen, gibt es hier was Schönes auf die Ohren.
Apropos schön: Auch die Lyrics drehen sich nicht permanent um brutales Zeug oder Hass auf die Menschheit. Schlicht könnte man den textlichen Inhalt mit „Das Leben“ umschreiben, was in vielen Facetten auch schon junge Menschen erlebt haben. Gerade Mit-sing-Refrains, deren Zeilen manchmal fast schon Pop-Musik-Charakter haben, sind prädestiniert dafür, anderen jungen Menschen im Ohr hängen zu bleiben.
Gegen Ende wird es sehr melancholisch. Von sanften Klavier- und Streicher-Tönen wird die junge Stimme begleitet, die über eine „Widow“ singt. Eine herzzerreißende Ballade, mit kleinen zweistimmigen Gitarren-Einlagen.
Doch dann gibt’s noch mal was auf die Fresse. In dem thrashigen Schluss-Stück, wird noch einmal gebolzt, was das Zeug hält, bis alles in einem tiefen Klavierton zugrunde geht.

Man könnte fragen: Melodischer Death Metal aus Finnland? Gibt es da nicht schon alles? Ich würde mit „Nein“ antworten. Auch wenn mit NORTHER, CHILDREN OF BODOM und teilweise vielleicht auch AMORPHIS sehr populäre Bands den Fanzirkus regieren, haben TRACEDAWN trotz des Alters der Mitglieder und der Band schon etwas eigenständiges. Durch technisches Können ist auch etwas für die anspruchsvolleren Hörer dabei, und sonst ist es ein gelungener Mix von Härte und Melancholie. Hut ab!