Possessed - Revelations of Oblivion

Possessed - Revelations of Oblivion
    Death/Thrash Metal

    Label: Nuclear Blast
    VÖ: 10.05.2019
    Bewertung:6/10

    POSSESSED im Web


Der Name POSSESSED steht für die räudig-rohen Death/Thrash-Ursprünge der 80er Jahre: Mit ihrem Debütwerk "Seven Churches" (1985) hat sich die Gruppe in den Bestenlisten verewigt, die Scheibe diente vielen Kapellen als Wegweiser auf ihrer Reise in die düsteren und extremen Metal-Abgründe. Nun meldet sich die Band aus der Bay Area mit einem Longplayer zurück – und das schlappe 33 Jahre nach dem letzten Studioalbum "Beyond the Gates" (1986). Vom damaligen Line-Up ist nur noch Vocalist Jeff Becerra übriggeblieben. Trotzdem lassen die Jungs mit "Revelations of Oblivion" zumindest zeitweise alte POSSESSED-Glanzzeiten aufleben und verpacken die rüpelhafte Ungeschliffenheit der alten Tage in ein zeitgemäßes Soundgewand, das heutigen Hörgewohnheiten gerecht wird.

Der instrumentale Opener "Chant of Oblivion" versetzt uns mit seinem Glockengeläut stimmungsvoll zurück in vergangene Metal-Zeiten und dient als besonnenes Vorspiel für einen rund 50-minütigen Kraftakt aus düster-rabiaten Riffsalven, tight-technischen Drum-Orkanen und Becerras charakteristischem Geröhre. Die in einer enorm hohen Wort-Schlagzahl herausgebrüllten Botschaften über Deibel, Dämonen und Düsternis sind ein Highlight des Albums. Umso beeindruckender ist die Stimmgewalt des Fronters, wenn man berücksichtigt, dass er seit Jahren an den Rollstuhl gebunden ist und nur im Sitzen singen kann.

Das spielerische Tempo ist auf "Revelations of Oblivion" fast ungebrochen hoch, ab und an verfällt die Band aber wie beim großartigen "Demon" auch in schleppende Midtempo-Rhythmen und setzt melodisch-harmonische Akzente wie bei "The Word". POSSESSED können ihre musikalische Essenz von damals immer noch herausrotzen, in mehreren Songs blitzt die Genialität der Anfangsjahre auf.

ABER – und das ist das Manko von "Revelations of Oblivion": Das Album wirkt streckenweise zu eintönig, zu wenig überraschend und einige Songs klingen trotz der wohltuenden Erinnerungen an die Death-Metal-Frühzeit zu gleichförmig. Nach einer guten halben Stunde Spielzeit schleicht sich tatsächlich etwas Langeweile ein – mehr Kompaktheit hätte die Platte runder und besser gemacht. Auch der Sound polarisiert: Einerseits druckvoll und mächtig, andererseits aber auch etwas zu glatt und steril für POSSESSED-Verhältnisse.

"Revelations of Oblivion" bleibt immer noch ein gutes Album und bedenkt man, welche Hürden die Amis mit Bandauflösung, später Reunion, zahlreichen Line-Up-Wechseln sowie der Behinderung ihres Sängers überstehen mussten, ist die spielerische und musikalische Qualität der Platte bemerkenswert. Dennoch wäre hier tatsächlich mehr drin gewesen!

Tracklist:

1. Chant of Oblivion
2. No More Room in Hell
3. Dominion
4. Damned
5. Demon
6. Abandoned
7. Shadowcult
8. Omen
9. Ritual
10.The Word
11.Graven
12.Temple of Samael

Line-Up:

Jeff Becerra - Vocals, Songwriting, Lyrics
Emilio Marquez - Drums
Daniel Gonzalez - Guitars, Songwriting
Robert Cardenas - Bass, Vocals (backing)
Claudeous Creamer - Guitars

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