Dimman - Songs And Tales Of Grievance

Dimman - Songs And Tales Of Grievance

Knapp sechs Jahre nach Bandgründung haben die finnischen Melodic-Death-Metaller DIMMAN am 30. Juli nun ihr Debütalbum „Songs and Tales of Grievance“ veröffentlicht. Auf dem Album experimentiert das Sextett mit symphonischen, groovigen und proggigen Klängen, welche das Werk aus der Masse an neuen Melodic-Death-Releases herausstechen lassen.

AMARANTHE trifft AT THE GATES

Die meisten Alben beginnen mit einem sanften Einstieg, steigern sich über den Verlauf der Songs und enden mit einem Knall. Im Fall von „Songs and Tales of Grievance“ ist schon beinah anzunehmen, DIMMAN hätten das Pferd von hinten aufgezäumt, denn wenn der Opener „Ambuscade“ eines kann, dann reinhauen. Mit dem Song etablieren die Finnen auch sofort ihren Stil: Hartnäckige Riffs untermalen den kernigen Growlgesang, der ab und zu durch weiblichen Klargesang abgelöst wird.

Mit diesem Wechselspiel erfinden DIMMAN das Rad natürlich nicht neu und halten sich auch im folgenden Song „Paroxysm“ noch sehr an den Stil thematisch ähnlicher Bands wie AMARANTHE oder AEVERIUM, jedoch mit einer Prise AT THE GATES gepfeffert. Bei „Paroxysm“ stechen besonders die zuvor nicht dagewesenen Elektroklänge hervor, die dem Song nicht nur die Schwere nehmen, sondern auch teilweise vom Klargesang ablenken. „Obscenity“ lässt davon wieder ein wenig ab und konzentriert sich mehr auf die erstklassige Riffarbeit der beiden Gitarristen.

Melodic Death Prog?

Mit dem folgenden Song „Contretemps“ wird es zum ersten Mal ein wenig langsamer und geht im Refrain schon fast in Richtung Ballade. Ebenfalls zum ersten Mal kommen hier die eingangs erwähnten symphonischen Klänge zum Tragen, welche die harten Growls von Sänger Valtteri Halkola wunderbar balancieren. Leider kommt der Song aber nicht aus seinem Trott heraus und wirkt stellenweise schon fast poppig.

Es folgt das schon im Intro sehr nach NIGHTWISH klingende „Morbus“. Nach der ersten halben Minute sollte dieses Gefühl aber verflogen sein, denn ab diesem Zeitpunkt verfolgt der Song eine proggigere Richtung, welche gelegentlich symphonisch untermalt wird. Songwritingtechnisch definitiv ein Highlight des Albums.

Beim folgenden „Progradation“ ist der Name Programm und hat die Redakteurin sofort an OPETH-Tracks erinnert. Hier greifen DIMMAN einmal komplett in die Trickkiste des progressive Metals, was der Meinung der Redakteurin nach den Finnen fast besser steht als Melodic Death Metal. „Progradation“ kommt komplett ohne Gesang aus und bleibt über seine 4:45 Minuten spannend und abwechslungsreich. Für Prog-Fans ein absolutes Highlight.

Nach einem kurzen Ausflug in das Königreich des Prog geht es mit „Imprudence“ wieder klassisch melodisch weiter. Gerade die Gitarrensoli in der Mitte stechen besonders hervor. Diese können, genau wie die Riffs, absolut mit den Besten des Genres mithalten. Wer bei „Contretemps“ schon auf eine Ballade gehofft hatte, wird bei „Memoria“ nun voll auf seine Kosten kommen, denn der Song hat alles, was eine Melodic-Death-Ballade benötigt.

Mit dem folgenden Song „Umbra“ tauchen DIMMAN in die Königsdisziplin des Melodic Death Metals ein: den Göteborger Sound. Und sie beweisen auf ein Neues, dass sie es wirklich drauf haben, Songs zu schreiben. Denn auch hier ist das Songwriting absolut spitze und kann sich locker mit DARK TRANQUILLITY oder AT THE GATES messen.

Dieses nur knapp 42 Minuten lange Werk wird mit einem erneuten Ausflug in den Prog beendet. „The Mist“ ist mit seinen 6:13 Minuten nicht nur mit Abstand der längste Track auf „Songs and Tales of Grievance“, sondern überzeugt mit einem Facettenreichtum, an den kaum ein anderer auf dem Album heranreicht. Von donnernden Blastbeats über melodiöse Gesangsparts, spannende Gitarrensoli und einem ruhigen Klavierteil fasst „The Mist“ noch einmal stilistisch alles zusammen, was DIMMAN über die letzten neun Songs hier und da immer mal angeschnitten haben. Wenn die Finnen dort ansetzen und weiter machen, kann sich das nächste Album mehr als sehen lassen. Hoffentlich warten wir keine sechs Jahre!

Fazit

Ein gelungenes Debütalbum hinzulegen, ist schwer und nahezu keine Band hat sich schon bei ihrem Erstlingswerk gefunden. So auch bei DIMMAN. Songwritingtechnisch sind sie zwar weitestgehend spitzenmäßig, dennoch gibt es Abzüge in Instrumentierung und Gesang. Das Konzept des Wechselspiels zwischen männlichen Growls und weiblichem Klargesang ist ebenfalls nicht neu. Jedoch wirken die beiden Sänger:innen zusammen nicht homogen und sobald der Wechsel stattfindet, bricht auch der Song.

Eines muss man den Finnen aber lassen: Songs in erkennbaren Stilen zu schreiben, haben sie drauf. Leider scheinen sie nur ihren eigenen noch nicht gefunden zu haben. Wobei das bei einem Debütalbum wohl als Meckern auf hohem Niveau durchgeht.

Alles in allem ein gelungenes, spannendes Debüt, welches sich durchaus mit der bestehenden Szene messen kann.

Songempfehlungen

  • Progradation
  • Morbus
  • Umbra

Trackliste:

  1. Ambuscade
  2. Paroxysm
  3. Obscenity
  4. Contretemps
  5. Morbus
  6. Progradation
  7. Imprudence
  8. Memoria
  9. Umbra
  10. The Mist

DIMMAN sind:

Jenna Kohtala – Vocals
Valtteri Halkola – Vocals
Jaakko Yli-Sorvari – Guitars
Mikael Haapala – Guitars
Elias Halkola – Bass
Arto Pieksämäki - Drums

Luise

Stile: Melodic-Death-, Prog-, Heavy-, Folk-, Pagan-, Symphonic Metal, Folk-, Alternative Rock

Bands: Coppelius, Avatar, Orphaned Land, Pantera, Nightwish, Opeth, Carach Angren, Judas Priest, Iron Maiden, Dimmu Borgir, Apocalyptica, Dark Tranquillity, Amorphis, Korpiklaani, Soilwork, Heilung, Grimner, Arkona

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