Oomph! - Glaube Liebe Tod


Review

Stil (Spielzeit): Electronic Groove Metal (52:10)
Label/Vertrieb (VÖ): GUN/SonyBMG (24.03.06)
Bewertung: Zurück mit aller Kraft (8/10)
Link: www.oomph.de

OOMPH! kennt mittlerweile sicher fast jeder dritte Musikkonsument in Deutschland. Und fast jeder hat auch eine Meinung zu der Band, die bereits beziehungs- und sozialkritische deutsche Texte in recht plakativer Weise an den Hörer gebracht hat, als von RAMMSTEIN weit und breit noch nichts zu sehen war. Die einen lieben das Trio seit es mit elektronischen Klängen irgendwo zwischen DEPECHE MODE und DIE KRUPPS Anfang der 90er Alben wie „Oomph!" oder „Sperm" in die Welt setzte, viele lernten es erst durch den fulminanten medialen Durchstart ihres achten Albums „Wahrheit oder Pflicht" im Jahr 2004 schätzen. - Oder eben auch das Gegenteil, denn gerade die gewisse Theatralik und Berechenbarkeit der Band, die trotz aller Eingängigkeit auf recht robuste Beats setzt und auch mal textlich aneckt (die Diskusssion zur aktuellen Single "Gott ist ein Popstar" mag als Beispiel reichen), trifft oft auf leidenschaftliche Ablehnung.

Meine erste denkwürdige Begegnung mit dem faszinierend düsteren Oomph!-Sound war der Release von „Defekt" (1995), der Hype der letzten Zeit erwischte mich eher auf falschem Fuß. RTL-Trailer und große mediale Inszenierungen hätte ich von dieser Band nicht erwartet, und auch die Musik hat auf dem Weg in den Erfolg Federn gelassen. So klang das letzte Werk in meinen Ohren mehr nach Schema als nach Leidenschaft und wirkte an allen Ecken und Enden überdosiert - man hatte es übertrieben mit Plakativität und Stampfdynamik; doch der Masse gefiel's und das Album hatte ungeahnte Aufregung zur Folge. - Eine Entwicklung, die man OOMPH! objektiv betrachtet nur begrenzt zum Vorwurf machen kann, denn wer würde vor dem Erfolg schon weglaufen, der zudem für die Band selbst überraschend kam. 
Von „Glaube Liebe Tod" habe ich also erst einmal gar nichts Anderes erwartet, und wenn, dann nur eine weitere halbgare Platte, die dem neuen Fan mundet, dem Freund aus alten Tagen aber nicht so recht schmecken will. Doch gefehlt, denn plötzlich reißen OOMPH! auch mich wieder mit und zaubern eine Ohrwurmmeldoie nach der anderen aus dem Hut.

Ungewohnt abwechslungsreich gehen OOMPH! auf „Glaube Liebe Tod" zu Werke, das garniert mit musikalischen wie auch textlichen Zitaten scheinbar lieb gewonnene Stilmittel des Vorgängers aufgreift. „Die Schlinge" basiert auf dem eindringlichen Mundharmonika-Thema des Westerns „Spiel mir das Lied vom Tod", und „Mein Schatz" spielt nicht nur auf Tolkiens „Herr der Ringe" an, sondern birgt auch noch eine alte Kinderliedzeile. Sänger Dero ist zwar nach wie vor freiwillig Gefangener seines eigenen, stets etwas gekünstelten Gesangstils, treibt dies bei der schleppenden Piano-Ballade „Eine Frau spricht im Schlaf" im Fast-Flüsterton noch auf die Spitze. Und dennoch passt dieser Stil wieder genau wie die einfachen aber prägnanten Texte rund um - wie sollte es anders sein - Glaube, Liebe und Tod zu den Riffbrechern, die OOMPH! zwischen surrenden und zirpenden Elektrospielereien („Zuviel Liebe kann dich töten" erinnert tatsächlich an vergangene EBM-Zeiten) aufstellen. 
Soll heißen: Die Platte liefert überdurchschnittlich viele eingängige Songs mit Bombenrefrains, raffiniert arrangiert aber so simpel in Melodie und Aussage, dass es sofort und ohne großes Nachdenken zündet.

Düster donnernde Gitarren, groovende Beats, schon beinahe sphärische Soundteppiche und alles knackig auf den Punkt - OOMPH! vereinen alle ihre Trademarks auf dem bis dato ausgefeiltesten Schaffenswerk. Da hilft nur noch lautes Aufdrehen, OOMPH! sind wieder mit alter Stärke zurück!