Tiamat - Prey

Tiamat Prey

Bald zehn Jahre ist es her, da erregten Tiamat mit ihrem Album "Wildhoney" die Metal-Gemeinde – dunkel und majestätisch die Songs, noch wechselnd zwischen rauem und klarem Gesang. Den Death Metal vergangener Tage hatte man nahezu vollständig abgeschüttelt, Aggression war Atmosphäre gewichen, doch befand man sich noch zwischen den Pforten.

"A Deeper Kind Of Slumber" folgte 1997; ein Album, das die einen aufgrund psychedelischer Pink-Floyd-Homagen zum Einschlafen anregte, den anderen Jubeltöne entlockte und das Experimentelle loben ließ. "Skeleton Skeletron" ließ 1999 wieder die Gitarren sprechen, mit Metal hatte die Musik jedoch ebenfalls nichts mehr zu tun, eher mit Gothic Rock. 2002 erschien "Judas Christ", ein von den Fans ebenfalls zwiespältig aufgenommenes Album, das auf der einen Seite mit radiotauglichen Psychedelic-Balladen die Dark-Rocker ansprach, auf der anderen wieder mehr von der gespreizten Introvertiertheit früherer Alben besaß. "Prey" lässt den Faden nicht abreißen – Tiamat bewegen sich erneut auf der Grenze zwischen Tiefgang und aufgesetzter Tragik.

Wie Mastermind Johan Edlund selbst sagt, ist "Prey" sein persönlichstes Album geworden. Die Bezeichnung Gothic Rock trifft auch diesmal die Richtung der melodischen und eingängigen Songs. Verträumt und melancholisch gefärbt bereiten die 13 Titel zwar Gefallen, erreichen jedoch nur ansatzweise tiefgehende Faszination. "Prey" ähnelt von den späteren Veröffentlichungen am ehesten dem ewigen Vergleich "Wildhoney", weist aber durch die Kombination teils zu schwülstiger Sphärenklänge mit banalen Melodiegängen (z.B. "The Garden Of Heathen") echte Schwächen auf. Auch das ein Makel, den Tiamat auf ihren bisherigen Alben nicht losgeworden sind.

Etwas langatmig zeigen sich die Schweden um den Wahl-Hamburger Edlund beispielsweise auf "The Pentagram", basierend auf einem Gedicht des Satanisten Aleister Crowley, dessen Berabeitung sich Edlund von dessen Sekte Ordo Templi Orientis autorisieren ließ. Das Thema mag spannend klingen, die Umsetzung mit Kirchenorgel und 0815-Melodie sowie -Solo ist es leider weniger.

Dennoch gibt es die Momente auf "Prey", die jedem treuen Fan dennoch zum Kauf gereichen sollten. "Divided" beispielweise, das Edlund zusammen mit einer namentlich nicht ausgewiesenen Sängerin bestreitet, hat Bannkraft und transportiert Emotionen. "Prey", der Titeltrack, sticht besonders hervor durch Reduzierung auf Stimme und Gitarre, der traurigste und ruhigste Song des Albums. Highlight ist für mich "Nihil", das so erhaben und kraftvoll einherschreitet, als stammte es aus "Wildhoney"-Zeiten.

Es ist müßig, immer wieder alte Vergleiche zu bemühen. Tiamat gehen ihren Weg, und sie tun es konsequent, ohne sich anzupassen. Mit "Prey" gelangt jedoch wiederum eine etwas unausgegorene Mischung an die Öffentlichkeit, die den älteren Fans etwas quer im Magen liegen wird, so wie das auch im Lager von Paradise Lost-Anhängern mit ihrer Band seit einigen Jahren der Fall ist. Gibt es doch dort eine analoge Entwicklung vom Death-Metal über Synthetisches hin zu einem derzeit zerfahrenen Brückenschlag aus Rock und Rotz.

Gemessen am Potential von Tiamat ist "Prey" wieder ein gutes, jedoch kein überragendes Album.