AFI - Decemberunderground

Review



Stil (Spielzeit): Emo-Core (48:34)
Label/Vertrieb (VÖ): Interscope/Universal (2.6.06)
Bewertung: 7/10
Link: http://www.afireinside.net

Mit dieser Platte schaffen es AFI einmal mehr: Sie scheiden die Geister. Die eine Gruppe überschlägt sich ob der Tatsache, dass AFI ihren Sound jede neue Platte wieder um ein paar Grad eingänglicher machen kann, der anderen fehlen die Kanten und Ecken, an denen sie sich reiben können. 
Vom Sound ihrer ersten Platten haben sich A FIRE INSIDE - dafür steht AFI, Fans wissen das natürlich - schon meilenweit entfernt. Die Fans ihrer frühen Hardcore-Tage haben sich schon bei "The Art of Drowning" oder spätestens nach dem sehr melodischen "Sing the Sorrow" verabschiedet. Kurz gesagt haben die vier Jungs aus Kalifornien einen Weg von Härte zu Melodie eingeschlagen, den sie seitdem konsequent jede Platte einen Schritt weiter führen. 

Und mich haben sie damit gekriegt. Bei "Decemberundergound" macht der Versuch, objektiv zu bleiben sowieso keinen Sinn, schließlich gehöre ich seit Jahren zum zweiten der oben angesprochenen Fan-Lager. Schon mit dem - wieder einmal genialen - Intro haben mich Davey & Co ab der ersten Sekunde auf ihrer Seite. "Kill Caustic" legt dann gleich einmal ein wenig Tempo vor und wird keinen "Sing the Sorrow"-Fan enttäuschen. 
Auch auf den folgenden Nummern geht es melodiös und stimmig weiter, nur Track Nummer 6, "Love like Winter", klingt mit seinen Synthesizern ein wenig zu sehr nach einer der neueren APOPTYGMA BERZERK Singles. Auch bei "Affliction" scheinen AFI sich bei einer anderen Band Anleihen gemacht zu haben, diesmal komischerweise bei FORT MINOR. Trotz dieser Ausreißer bewegt sich das Album durchgehend auf einem durchaus ansprechenden Level. 
Nur eine Komponente fehlt leider, um dieses Album zu einem würdigen "Sing the Sorrow"-Nachfolger zu machen: Songs wie "Dance through Sunday" oder "Bleed Black", die den Zuhörer zum bangen, springen und moshen animieren, sucht man im "Decemberunderground" vergebens. 

Fazit: Kein Meisterstück, auch nicht das allerbeste Band des Quartetts, aber eine durchaus hörbare Platte. Wer es laut und schnell will, kann ja ruhig auch einmal die Vorgänger aus der Mottenkiste kramen. Sieben von zehn harte Schalen mit weichem Kern.