Neverland - Schizophrenia




Stil (Spielzeit): Progressiv Power Metal  (55:33)

Label/Vertrieb (VÖ): Escape Music / Point Music (23.03.07)

Bewertung: 8/10

Link: http://www.never-land.ch

Die Schweizer Formation NEVERLAND wurde bereits 1999 gegründet, als sich die Gründungsmitglieder Daniel Huber (Guitar) und Boris Stoll (Drums) im Rahmen ihres Musikstudiums kennen lernten, und ihre gemeinsame Vorliebe für klassische Metal Songs mit progressiven Elementen feststellten. 
Das Duo wurde bei der Suche nach geeigneten Mitstreitern schnell fündig, und so wuchs NEVERLAND schnell zu einer five piece Band an. 
Andreas Mislin (Guitar), Roland Jost (Bass) und Manuel Wagner (Keyboards) vervollständigten für’s Erste das Line Up. Was fehlte, war ein fähiger Sänger, und es dauerte bis 2003, ehe man in Mike Zotter einen Fronter verpflichten konnte. Eine selbstbetitelte Demo konnte gute Kritiken einfahren, allerdings wurde das Line Up durch menschliche und musikalische Spannungen noch einmal durcheinander gewürfelt. 
Mit Oliver Benz heuerte ein neuer Mann an den tasten an, und Shouter Jean-Marc Viller ersetzte Mike Zotter. Im Nachhinein ein Glücksgriff für NEVERLAND. 

In dieser Besetzung wurden die neun Tracks des aktuellen Longplayers „Schizophrenia“ eingespielt, produziert von Tommy Vetterli. Ihrem Anliegen, progressiven Power Metal zu spielen, gehen sie weiter kompromisslos nach. Das Motto vor dem betätigen der Play-Taste heißt also: Fasten Your Seat Belts. 

Neben dem rauen Sound und den tollen Lead Vocals von Jean-Marc Viller, fällt vor allem die Präzision der gesamten Band auf, mit der sie, die zum größten Teil jenseits der sechs Minuten Grenze liegenden Songs, eingespielt haben. Schon beim Opener und Titeltrack „Schizophrenia“ legen die Schweizer richtig los und zeigen neben der Geschwindigkeit und treibenden Doublebass Attacken vor allem ihre Virtuosität im Gitarrenbereich. 
Ein Hammer was Daniel Huber und Andy Mislim da eingespielt haben. Dieses hohe Niveau geht durch die komplette Scheibe, und lässt einem mehr als einmal die Kinnlade herunterfallen. „When Darkness Falls“ ist dann nicht ganz so schnell wie der Opener, aber nicht weniger intensiv. „Mysteria“ ist von vielen Breaks durchzogen und sorgt mit seinem ständigen Tempiwechseln für jede Menge Überraschungen. 
Bei „Anger“ wird das Grundtempo, wie es der Titel ja auch vermuten lässt, wieder mächtig gesteigert, ohne jedoch in eine reine Dresch und Prügel Orgie auszuarten, denn auch hier sorgen perfekt gesetzte Breaks für Abwechslung. Mit „Anguish“ wird es gefühlvoll, ruhig und immer wieder von Gitarrenleads durchzogen, die sehr an Yngwie Malmsteen erinnern, zeigen NEVERLAND, dass sie es auch langsam können. 
Krasses Gegenteil dazu dann „Take My Advice“ und „Buy Your Dreams“, die wieder wuchtig nach vorne gehen, und eine unglaubliche Portion Aggressivität rüberbringen, trotzdem dabei aber ihre Melodiebögen halten. Ein schmaler Grad perfekt gemeistert. 
Mit „Neverland“ kommt mein Fave von „Schizophrenia“, weil hier der klassische Metal in erhöhtem Masse zum Tragen kommt, und alleine vom Groove her die Nackenmuskeln automatisch zu zucken beginnen. 
„Brave Warrior“ beschließt dann standesgemäß ein tolles Power Metal Album, das zwar Progressive Grundtöne erkennen lässt, aber trotzdem mehr Metal als Progressiv ist. Und das ist gut so. 

Fazit: NEVERLAND sind eine Band, die nicht nur absolut fähige Einzelmusiker in ihren Reihen hat, sondern die es auch schaffen, diese Virtuosität unter einen Hut zu bekommen und zu einer Musik zu bündeln, die es einem schwer macht, die Füße still zu halten, und die zeigt, dass es in der Schweiz doch noch mehr gibt als nur Volksabstimmungen und Toblerone.